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US-Wahl
Berichte, Analysen, Kommentare zur US-Präsidentschaftswahl 2016

28. Februar 2016

US-Vorwahlen: Hillary Clinton triumphiert in South Carolina

 Von 
Die strahlende Siegerin.  Foto: dpa

Die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten erringt in South Carolina einen klaren Triumph über ihren Konkurrenten Bernie Sanders. Mit diesem deutlichen Ergebnis hat Clinton einen enormen Rückenwind für den Super Tuesday am 1. März.

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WASHINGTON –  

Sie reckt die Hände erst nach oben und dann zur Seite. Es sieht für einen Moment aus, als wolle sie den gesamten Saal mit allen Menschen darin umarmen. Etwas atemlos sagt sie dann: „Danke, South Carolina, danke.“ Hillary Clinton feiert am Samstagabend bei der Vorwahl der US-Demokraten einen triumphalen Sieg über ihren Konkurrenten Bernie Sanders. Als 99 Prozent der Stimmen ausgezählt sind, zeigt sich, dass sie einen Vorsprung von mehr als 47 Punkten hat.

Nun hat die Ex-Außenministerin enormen Rückenwind für den sogenannten Super Tuesday am 1. März. Dann stimmen die Anhänger der US-Demokraten in elf Bundesstaaten darüber ab, wer für ihre Partei im November in den Kampf um die Nachfolge von Präsident Barack Obama ziehen soll. Hillary Clinton scheint am Samstagabend schon daran zu glauben, dass sie vielleicht bald die Kandidatin sein könnte. Denn in ihrer kurzen Siegesrede nimmt sie sich gleich Donald Trump vor, den Favoriten bei den Republikanern.

Ohne den populistischen Immobilienmilliardär aus New York beim Namen zu nennen, geht Clinton zum Angriff auf ihn über. Sie packt Trump sozusagen beim eigenen Wort und dreht es um. Amerika, ruft sie ihren Anhängern entgegen, müsse nicht erst großartig gemacht werden, so wie es Trump fordert. Amerika habe nie aufgehört, großartig zu sein, sagt sie. Amerika müsse vielmehr wieder zu einer Einheit zusammengefügt werden. Das werde aber nicht durch den Bau von Mauern gelingen, sondern nur dann, wenn die Barrieren in der Gesellschaft niedergerissen würden.

Lauter Jubel schallt Clinton in diesem Augenblick entgegen. Eine Mauer an der Grenze zu Mexiko, wie sie Trump bauen und das südliche Nachbarland dafür auch noch bezahlen lassen will, das möchte hier niemand. Da sind sich einig mit der mexikanischen Außenministerin Claudia Ruiz Massieu, die am Wochenende mit Abscheu erklärt hat, Trumps Plan sei ignorant, rassistisch und absurd. Dagegen finden die Leute in Columbia Clintons Idee reizvoll, die US-Gesellschaft wieder zu vereinen.

„Wir brauchen Chancengleichheit, Würde und Gerechtigkeit für jeden Menschen in Amerika“, ruft Clinton jetzt: „Die Mittelschicht braucht eine Lohnerhöhung, und wir brauchen mehr gute Jobs.“  Das sind Worte, die viele Menschen an diesem Abend an den jungen Senator Barack Obama aus dem Jahr 2008 erinnern, dessen Erbe die 68 Jahre alte Hillary Clinton antreten will.

Ob das der früheren First Lady im Weißen Haus, früheren Senatorin und früheren Außenministerin aus der ersten Amtszeit Obama gelingen wird, ist derzeit noch nicht zu vorherzusagen. Aber nach Ansicht von Clintons Wahlkampfberatern ist mit dem Sieg vom Samstagabend ein wichtiger Schritt getan. Clinton hat den Test bestanden und sich die Stimmen der Afro-Amerikaner geholt, die in South Carolina mehr als die Hälfte der demokratischen Wählerschaft stellen. Es sind die Wählerinnen und Wähler, die im Jahr 2008 für Obama gestimmt haben. Am Ende des Abends zeigt sich, dass die Afro-Amerikaner zu mehr als 80 Prozent für Clinton waren, zu nicht einmal 20 Prozent für Sanders.

Das ist für Clinton wichtig, weil am Dienstag die Vorwahlserie in einigen Bundesstaaten im Süden der USA weitergeht. Auch dort ist der afro-amerikanische Bevölkerungsanteil hoch. Für Clintons Konkurrenten Bernie Sanders ist das hingegen eine schlechte Nachricht. Er schafft es offenbar nicht, in großen Bundesstaaten zu punkten, die viele Delegiertenstimmen versprechen.

Der 74 Jahre alte Sanders, der schon vor Schließung der Wahllokale in South Carolina der Ex-Außenministerin telefonisch zum Wahlsieg gratuliert, verbringt den Abend fast zweitausend Kilometer weiter nördlich. Er steht an einem Rednerpult in Rochester im Bundesstaat Minnesota. Dort wird ebenfalls am Dienstag gewählt, dort leben weniger Afro-Amerikaner als im Süden.

Sanders, der schon den mehrheitlich von Weißen bewohnten Bundesstaat New Hampshire gewonnen hat, spricht an diesem Abend wieder von einer politischen Revolution in den USA. Der Zugang zu Universitäten soll kostenfrei werden, es soll Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall geben und eine allgemeine Krankenversicherung. Mit diesen, für das amerikanische Publikum tatsächlich revolutionären Vorschlägen, hat sich Sanders eine erstaunlich stabile Anhängerschaft gesichert. Ob die sich allerdings so erhöhen lässt, dass am Ende die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Demokraten gelingt, ist zweifelhaft. Sanders scheint das auch zu ahnen. An einer Stelle sagt er, es komme in erster Linie nicht darauf an, wer zum Präsidenten gewählt werde. Wichtiger sei, dass das Land verändert werde. Weil das aber zu sehr nach einem Eingeständnis klingen könnte, sich gegen Hillary Clinton nicht durchsetzen zu können, fügt Sanders schnell hinzu, dass der Wahlkampf gerade erst begonnen habe.

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