Wenn es nach Mitt Romney geht, könnte das Duell zwischen ihm und Barack Obama noch heute beginnen. „Unsere Gegner trösten sich mit dem Gedanken, dass eine heiß umstrittene Vorwahl uns teilt und schwächt“, sagte der Wahlsieger im bisher wichtigsten Bundesstaat Florida – und dachte schon an den Nominierungsparteitag im Sommer: „Wenn wir hier in Tampa in sieben Monaten zusammenkommen, werden wir eine vereinte Partei mit einem Siegerticket für Amerika sein."
Romneys Triumph mit 46 Prozent der Stimmen und 14 Prozentpunkten Abstand zu seinem schärfsten Rivalen Newt Gingrich war ein Sieg in fast allen Wählerkategorien. Er schlug den ehemaligen Sprecher des US-Repräsentantenhauses sogar unter den konservativen Sympathisanten der Tea-Party-Bewegung.
Und so nutzte der Sieger den größten Teil seiner Rede schon einmal für harte Attacken auf Barack Obama: „Herr Präsident, sie sind gewählt worden um zu führen. Sie sind den Dingen hinterhergelaufen. Und nun ist es für Sie Zeit, aus dem Weg zu gehen!“
Der Schwung, den er aus Florida mitgenommen hat, dürfte Romney problemlos bis zum so genannten Superdienstag im März mit Vorwahlen in zehn Bundesstaaten tragen. In den dazwischenliegenden Abstimmungen in einigen kleineren Staaten hat er fast überall einen Heimvorteil. Das gilt beispielsweise für Nevada, wo viele Mormonen leben, die ihren Glaubensgenossen massiv unterstützen dürften.
Doch da ist noch ein Spielverderber. „Noch 46 Staaten“ – dieses Plakat, hielten die Unterstützer von Newt Gingrich in die Kameras. Nicht einmal ein Wort der Gratulation fand er für den Sieger. „Ihr habt die Wahl zwischen der konservativen Führungsfigur Gingrich und diesem Gemäßigten da aus Massachusetts“, sagte Gingrich trotzig: „Wir brauchen in Washington einen fundamentalen Wandel, auch wenn es dem Establishment nicht passt.“
Die Rentner sind Romneys Geheimwaffe
Dieses Establishment hatte nach Gingrichs überraschenden Sieg in South Carlolina vor zehn Tagen Breitseite um Breitseite auf Gingrich gerichtet: Erratisch sei er, unzuverlässig und korrupt. Für 17 Millionen Dollar waren die Wähler in Florida mit aggressiven Fernsehwerbespots überzogen worden. Gingrich, mit einem viel kleineren Etat ausgestattet, versuchte vergeblich mit gleicher Münze heimzuzahlen.
Doch wer Romneys Sieg wirklich verstehen will, der fand einen Schlüssel dazu nicht etwa in Großstädten wie Miami, sondern am Ort seines letzten Wahlkampfauftrittes. The Villages hieß das Rentnerparadies im Herzen Floridas mit etwa 80.000 Bürgern. Romney vermochte dort den mit historisierender Kitscharchitektur zum künstlichen Idyll gestylten Marktplatz auf einer seiner größten Kundgebungen gut zu füllen. Hier leben Tausende von Ruheständlern, die aus allen Teilen Amerikas hierhergezogen sind, um zwischen Golfplätzen, künstlichen Teichen und manikürter Landschaftsarchitektur ein Amerika ohne Geldprobleme und soziale Gegensätze zu genießen. Die in die Sonne Floridas emigrierten Renter aus allen Teilen der USA, die fast 40 Prozent der Wähler stellten, brachten für Romney das entscheidende Gewicht auf die Waagschale.
Newt Gingrich mochte die Konfrontation zwischen Tea-Party- und Golfclub-Republikanern noch so sehr schüren. Für diese saturierte, republikanische Klientel blieb dies ein Fremdwort.
Das brennendste soziale Problem war für sie angesichts neuer, düsterer Meldungen vom US-Immobilienmarkt die Frage, ob das Zweithaus am einstigen Heimatort wieder genügend Marktwert gewinnt, um es endlich verkaufen zu können. Romney traf hier mit seiner Mischung aus konsequentem Kapitalismus, patriotischem Glaubensbekenntnis und vagen Versprechungen den richtigen Ton. „Wir müssen zu den Prinzipien zurückkehren, die Amerika groß gemacht haben“, sagte er in The Villages. „Wir sind keine Gesellschaft, wo man Ansprüche an den Staat stellt.“
Doch im nächsten Atemzug versprach er, die Rentenversicherung und die staatliche Krankenversicherung für Ältere unangetastet zu lassen. Das ist die bei Barack Obama beklagte „sozialistische Medizin“ par excellence: Die Versicherung wird vollständig aus Steuergeldern finanziert.
Lesen Sie weiter über die Romney-Anhänger: Sie lehnen zu viel Staat ab und leben bestens von ihm.
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Termin: Die Wahl des US-Präsidenten und seines Stellvertreters ist für Dienstag, 6. November, vorgesehen.
Verfahren: Die Entscheidung fällt indirekt über ein Wahlmännergremium.
Vorwahlen: Welcher Republikaner gegen den demokratischen Präsidenten Barack Obama antritt, entscheidet die Partei in internen Vorwahlen. Den Stand des Rennens zeigt unsere interaktive Karte.

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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl
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