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US-Wahl
Berichte, Analysen, Kommentare zur US-Präsidentschaftswahl 2016

01. März 2016

US-Wahl : Mexiko hat Angst vor Trump

 Von 
Patrouillen an der Grenze zwischen den USA und Mexiko.  Foto: reuters

Die Bürger Mexikos fordern eine stärkere Reaktion ihrer Regierung auf die vielen Anschuldigungen des amerikanischen Präsidentschaftskandidaten. Trump verunglimpft immer wieder in seinen Reden die Menschen aus dem südlichen Nachbarland.

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Vermutlich kein Land müsste einen US-Präsidenten Donald Trump so sehr fürchten wie Mexiko. Mit großer Hingabe holt der Republikaner gegen das südliche Nachbarland und seine Menschen aus, die er pauschal als Vergewaltiger und Verbrecher verunglimpft. Sollte er US-Präsident werden, will Trump die ohnehin schon hermetisch gesicherte 3200 Kilometer lange US-mexikanische Grenze mit einer Mauer verstärken. Dafür zahlen sollen natürlich die Mexikaner.

Diese Aussage rief am Wochenende in Mexiko heftige Reaktionen von halboffizieller Seite hervor, denn allmählich dämmert auch den Mexikanern, dass der rumpelnde Milliardär tatsächlich zur realen Bedrohung werden kann. Was, wenn er auch aus dem Vorwahlmarathon „Super Tuesday“ als großer Gewinner hervorgeht und plötzlich tatsächlich zum Kandidaten der US-Republikaner wird?

Die Regierung von Präsident Enrique Peña Nieto vermied es sehr lange, sich zum Thema Trump zu äußern. Aber bei einem Besuch von US-Vizepräsident Joe Biden dieser Tage in Mexiko nahm Peña Nieto notgedrungen Stellung, da Biden selbst sich für Trumps Entgleisungen entschuldigte. So sprach Mexikos Staatschef – ohne Trump beim Namen zu nennen – davon, dass „einige“ im US-mexikanischen Verhältnis eine „Vision der Isolierung“ verfolgten, während Mexiko immer versucht habe, „gute Nachbarschaft vorzuleben“.

Mit Hitler verglichen

Peña Nietos Worte, die in ihrer Zahmheit kaum zu überbieten sind, werden von seinem Vorgänger Felipe Calderón (2006 bis 2012) kontrastiert. Dieser nannte Trump am Samstag in Mexiko-Stadt auf einer Veranstaltung seiner konservativen Partei PAN einen „Rassisten“, dessen Ideologie mit der von Adolf Hitler zu vergleichen sei. „Das Hervorheben der Überlegenheit der Weißen, hat nicht einmal etwas mit Einwanderung zu tun. Es geht um andere Hautfarben, das ist offen rassistisch, und er appelliert an Empfindlichkeiten, so wie es einst Hitler getan hat“, betonte Calderón.

US-Vizepräsident Joe Biden neben Enrique Pena Nieto, Präsident von Mexiko.  Foto: REUTERS

Zudem bezeichnete der Ex-Präsident Trump als einen „Ignorant“, da er offensichtlich nicht wisse, dass die mexikanische Migration in die USA im Saldo seit Jahren negativ sei. Tatsächlich versuchten nach Erhebungen des „Pew Research Center“ in Washington zwischen 2009 und 2014 rund 870 000 Mexikaner in die USA zu gelangen, während im gleichen Zeitraum rund eine Million aus den USA in ihre Heimat zurückkehrten.

USA-Annäherung vergebens?

Zuvor hatte bereits Ex-Staatschef Vicente Fox (2000 bis 2006) in einem Interview gegen Trump ausgeteilt und gesagt: „Ich zahle nicht für deine beschissene Mauer.“ Fox nannte den Präsidentschaftsbewerber einen „falschen Propheten“, der auch die Menschen in den USA in den Abgrund reiße.

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Fox und Calderón, die einzigen beiden Präsidenten denen es seit 1929 gelang, die Herrschaft der PRI-Regierungen in Mexiko zu unterbrechen, sehen durch Trump auch ihre persönlichen Erfolge diskreditiert. Beide hatten sehr stark auf Annäherung zu den USA gesetzt und unter anderem versucht, ein Abkommen mit Washington zu erreichen, das die Migration in geordnete Bahnen lenkt.

Die harschen Äußerungen der beiden Ex-Präsidenten stoßen in Mexiko auf Zustimmung. Denn in den Augen vieler Menschen und Intellektueller des Landes hat sich die Regierung viel zu lange still verhalten. „Gegen Trump können wir nicht in der Defensive bleiben“, schrieb der bekannte Historiker Enrique Krauze über den Kurznachrichtendienst Twitter. Seit dem mexikanisch-amerikanischen Krieg 1846 sei Mexiko von niemandem mehr so verunglimpft worden wie von Trump.

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