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US-Wahl
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07. November 2012

US-Wahl : Wie Romney die Minderheiten verprellt

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Romney im Dilemma: Kommt er den Migranten entgegen, ärgert er damit seine Stammwähler.  Foto: AFP

Ein Großteil der Latinos ist eher konservativ eingestellt, trotzdem hat nicht einmal ein Drittel für Romney gestimmt. Ein einflussreicher Republikaner legt in einem Interview den Finger in die Wunde.

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Ein Großteil der US- Latinos ist religiös und findet Familie wichtig.  Viele sind gegenüber der Homo-Ehe skeptisch eingestellt.  

Wenigstens hier müssten die Republikaner doch punkten, könnte man denken. Doch bei den US-Wahlen haben laut vorläufigen Ergebnissen von CNN 71 Prozent der Latinos den Demokraten Barack Obama gewählt und damit den Boden für seinen Triumph bereitet.

Mitt Romney erreichte in dieser Wählergruppe nicht einmal ein Drittel der Stimmen und liegt damit deutlich unter dem Latino-Anteil von George W. Bush bei seiner Wiederwahl 2004. Dabei sind gerade diese Wähler eine schlummernde Kraft: Der Anteil von Hispanics an der US-Bevölkerung steigt, bis 2050 werden sie rund ein Drittel der US-Bevölkerung ausmachen. 

Nach Romneys Wahldesaster legen die ersten Parteifreund den Finger in die Wunde. Die Minderheitenpolitik seiner eigenen Partei sei „erbärmlich“, klagt Mike Huckabee, ein einflussreicher Republikaner. Die farbigen Amerikaner, wie er sagt (damit meint er wohl auch die Latinos) müssten eigentlich konservativ wählen, sagt er. „Aber die Republikaner haben gehandelt, als könnten sie diese Wählergruppe ohnehin nicht gewinnen und es gar nicht versucht. Und deshalb haben sie sie auch nicht bekommen.“

Republikaner im CDU-Dilemma

Immer noch gelten Republikaner als immigrantenfeindlich, und das zurecht.  Unter anderem verweigern sie die Zustimmung zu dem sogenannten „Dream Act“ , ein Gesetz, das illegalen Einwanderern unter bestimmten Umständen ein Bleiberecht zusichern soll.  Und es gibt Republikaner, die es immer noch als Dienst an ihrem Land verstehen, mit dem Gewehr im Anschlag den Zaun an der mexikanischen Grenze zu verteidigen.  Deshalb steckt die Partei in einem ähnlichen Dilemma wie hierzulande die CDU bezogen aus Deutschtürken: Kommt die Partei den Zuwanderern zu weit entgegen, schreckt sie die ausländerfeindlichen Betonköpfe in der eigenen Partei ab.

Während Obamas Regierung die Blockade des Dreams Acts immerhin per Exekutivanordnung umging, forderten Republikaner, den Zaun an der mexikanischen Grenze auszubauen. Für US-Latinos sind solche Forderungen ein Affront, viele haben Verwandte oder Bekannte, die selbst illegal im Land sind. Dass Romney gegen Ende des Wahlkampfes dann doch von einer harten Abschiebepolitik abrückte, wirkte ziemlich unglaubwürdig.

Es ist auch möglich, dass Obama vielen Latinos aus persönlichen Gründen sympathischer ist: Weil er - wie sie - anders aussieht als die Mehrheit, und weil er sich im Gegensatz zu Romney im Leben auch mal durchkämpfen musste.

Weniger Unterstützung als von den Latinos bekommt Romney nur noch von den Afroamerikanern. Mickrige sechs Prozent der Schwarzen stimmten für ihn – da nutzt Romney auch nicht die hohe Zustimmung unter republikanischen Stammwählern.

Wer also wählt die Republikaner? Zugespitzt gesagt: Alte, weiße Männer vom Land, wie das schon der Filmemacher Mike Moore mit "Stupid White Men" auf den Punkt brachte. Während nur ein gutes Drittel der 18-bis 29-jährigen für Romney stimmten, waren es bei den über 65-jährigen schon 56 Prozent.

Alte Menschen sterben, die jungen zieht es eher in die Städte und der Anteil der weißen Amerikaner explodiert nicht gerade.  Es sind die Menschen von gestern, die für Romney gestimmt haben.

 

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