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US-Wahl
Berichte, Analysen, Kommentare zur US-Präsidentschaftswahl 2016

20. Februar 2016

US-Wahl: Bush gibt auf, Trump tritt nach

 Von 
Sein Name wurde zur Bürde: Jeb Bush.  Foto: AFP

Bei den Republikanern ist weiter der Populismus en vogue, bei den Demokraten dagegen scheint sich das Establishment durchzusetzen. Nur einer wird bei den US-Vorwahlen am Samstagabend zur tragischen Figur.

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Er bemüht sich, die Fassung zu bewahren. Das kann man sehen. Es ist noch nicht einmal die Hälfte der Stimmen in South Carolina ausgezählt, da gesteht Jeb Bush schon öffentlich ein, dass er wahrscheinlich der richtige Mann zur falschen Zeit war. Er hat gerade die schlimmste Wahlniederlage seiner politischen Karriere erlebt. Nicht einmal acht Prozent der abgegebenen Stimmen entfallen auf den Sohn und Bruder früherer US-Präsidenten. Und das geschieht auch noch ausgerechnet in South Carolina, das bislang als Bush-Land galt, und in dem sein großer Bruder George W. Bush noch vor wenigen Tagen für Jeb Bush geworben hat. Doch das war vergebens.

Jeb Bush sagt, er akzeptiere das Votum der Wählerinnen und Wähler und fleht dann kurz vor Schluss geradezu, dass sich die Anhänger der Republikaner doch für einen Kandidaten entscheiden sollten, der dem Land „ehrenvoll und mit Anstand“ dienen werde. Es erfolgt der vom Schweigen seiner Fans begleitete Abgang eines Mannes, der im vergangenen Jahr als Favorit ins Rennen ging und dann doch im Trump-Sturm unterging.

Bushs Appell an Ehre und Anstand ist eine Breitseite gegen den Sieger des Abends bei den Republikanern. Der heißt – wieder einmal – Donald Trump und steht mit breitem Lächeln auf dem Gesicht vor seinen Anhängern. Nicht ein einziges Mal nennt der Immobilienmilliardär aus New York den Namen Jeb Bush, aber jeder im Saal weiß genau, wen Trump meint, als er sagt, dass man es als Präsidentschaftskandidat nicht leicht habe. So ein Wahlkampf sei „hart, scheußlich, gemein“. Aber er sei auch „wunderbar“. Trump pausiert kurz und sagt dann: „Wenn man gewinnt.“ Da johlen seine Anhänger und klatschen begeistert Beifall.

Donald Trump hat nun zum dritten Mal bewiesen, dass er sich auf dem Weg zur Nominierung als Präsidentschaftskandidat der Republikaner nicht aufhalten lassen möchte. In Iowa ist er noch knapp dem erzkonservativen Ted Cruz unterlegen, doch in New Hampshire stand er bereits ganz oben. Und nun gewinnt er auch in South Carolina, dem ersten großen Bundesstaat. Bemerkenswert ist vor allem, dass Trump nach ersten Analysen viele Stimmen der Evangelikalen holt. Die rechtsgerichteten Christen galten bislang als treuer Cruz-Anhänger.

Trump gibt sich wie gewohnt selbstsicher und verkündet, er werde nun auch am kommenden Dienstag bei den Vorwahlen in Nevada gewinnen und dann natürlich am ersten März beim sogenannten Super Tuesday, an dem Abstimmungen in einem Dutzend Staaten stattfinden. Und so weiter und so fort. „Und dann machen wir die Sache klar und machen Amerika wieder groß“, schnarrt er seinen Fans entgegen: „Das ist eine unglaubliche Bewegung mit unglaublichen Leuten.“ JU-ES-ÄIJ, JU-ES-ÄIJ, kommt es daraufhin aus der Menge zurück.

Trump gegen Rubio gegen Cruz

Nach Bushs Ausstieg scheint sich bei den Republikanern endgültig ein Dreikampf um die Nominierung des Präsidentschaftskandidaten abzuzeichnen. Trump liegt dabei an der Spitze. Dahinter folgen Ted Cruz, der erzkonservative Senator aus Texas, und der junge Senator aus Florida, Marco Rubio, der früher ein politischer Zögling von Jeb Bush war.


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Schon am Dienstag wird sich erstmals zeigen, ob Rubios Erfolg anhält. Er lag am spätesten  Samstagabend in South Carolina knapp vor Cruz auf dem zweiten Platz hinter Trump. Rubio schielt auf die Stimmen der Latinos in Nevada und dürfte nun auch versuchen, die Stimmen der gemäßigten Republikaner zu holen, auf die bislang Bush hoffte.

Nach Ansicht politischer Kommentatoren in den USA ist Rubio derzeit der einzige Konkurrent, der Trump noch gefährlich werden könnte. Der Sohn kubanischer Einwanderer vertritt zwar derzeit ähnlich extreme Positionen wie sein Widersacher Cruz. Doch hat er sich im Gegensatz zu Cruz inhaltlich noch kaum festgelegt und könnte deshalb – wie in US-Wahlkämpfen üblich – in die Mitte rücken, ohne Glaubwürdigkeit zu verlieren. Das können weder Cruz noch Trump. Der Milliardär aus New hat ohnehin noch keine programmatischen Details verraten, sondern lässt sich bislang ausschließlich für vollmundige Versprechen feiern.

Dazu gehört etwa die Ankündigung, an der Grenze zu Mexiko eine Mauer zu errichten, um Einwanderer in die USA abzuhalten. „Und wer, glaubt ihr, wird den Bau der Mauer bezahlen?“, ruft Trump am Samstagabend in die Menge hinein. „Mexiko, Mexiko, Mexiko“, ist deren Antwort. „Genau“, sagt Trump, „Mexiko wird den Bau der Mauer bezahlen.“

Nicht ganz so souverän wie Trump bei den Republikanern gewinnt am Samstagabend  Ex-Außenministerin Hillary Clinton die Vorwahl der Demokraten in Nevada gegen ihren Konkurrenten Bernie Sanders. Doch kann sie den demokratischen Sozialisten, wie sich Sanders nennt, deutlich auf Abstand halten.

Zwar scheinen weniger Latinos, als vom Clinton-Team erhofft, für die Frau des früheren Präsidenten Bill Clinton gestimmt zu haben. Doch offenbar gelang es Sanders auf der anderen Seite nicht, die Afro-Amerikaner für sich zu begeistern. Diese stimmten mehrheitlich für Clinton. Das ist für die frühere Ministerin, die 2008 im demokratischen Vorwahlkampf gegen den späteren Präsidenten Barack Obama unterlag, eine gute Nachricht.

Am kommenden Samstag stimmen die Demokraten in South Carolina ab. Dort leben sehr viele Afro-Amerikaner. Verstetigt sich der Trend zugunsten Clintons, dann sieht es nicht gut aus für Sanders. Denn am Super Tuesday sind Vorwahlen in einigen Staaten im Süden der USA, in denen große afro-amerikanische Wählergemeinden leben. Hillary Clinton jedenfalls gab sich am Samstagabend während einer kurzen Rede im Caesars Palace in Las Vegas, einem Nobelhotel mit angeschlossenem Spielcasino, schon sehr selbstbewusst.

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