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Abwrackprämie: Die Branche stöhnt, Opel jubelt

Die Rüsselsheimer verkaufen an Privatleute im Januar 30 Prozent mehr Autos - der Abwrackprämie sei Dank. Muss sich nun beeilen, wer die Umweltzulage kassieren will? Von Sebastian Gehrmann

Der Opel Agila ist zunehmend gefragt.
Der Opel Agila ist zunehmend gefragt.
Foto: dpa

Frankfurt a.M. Der angeschlagene Autobauer Opel hat wegen der Abwrackprämie im Januar 30 Prozent mehr Fahrzeuge an Privatpersonen verkauft als im Vorjahresmonat. Das meldet die Bild-Zeitung.

Das Ergebnis ist beachtlich: Denn im Durchschnitt verkaufte die Branche nicht mehr, sondern deutlich weniger Fahrzeuge. Der Gesamtmarkt verzeichnete im Januar ein Minus von 19 Prozent.

Die auf den ersten Blick erstaunliche Steigerung von 30 Prozent entsteht allerdings auch durch die Einschränkung "verkauft an Privatpersonen". Denn mehr als die Hälfte der Neufahrzeuge geht an Geschäftskunden.

Opel-Marketingchef Alain Visser sagte dennoch, die Abwrackprämie sei ein "Silberstreif am Horizont". Mit ihr subventioniert die Bundesregierung seit einer Woche den Neuwagenkauf. "Besonders im Kleinwagensegment konnten wir kräftig zulegen", berichtet Visser.

Größter Profiteur der Umweltprämie sei der Kleinwagen Agila. Genau 1111 Stück konnte Opel im Januar davon verkaufen - dreimal so viele wie ein Jahr zuvor. Der Corsa legte um 15 Prozent von 6040 auf 6954 Fahrzeuge zu.

Es sind Nachrichten wie diese, die manche Bürger aber auch in helle Aufregung versetzen. Denn das eingeplante Geld für die Umweltprämie ist begrenzt. Müssen sich Interessenten beeilen, um nicht leer auszugehen?

Gerd Lottsiepen bleibt da gelassen. Lottsiepen ist verkehrspolitischen Sprecher des Verkehrsclub Deutschland (VCD) und kein Freund "irgendwelcher Behauptungen, die am laufenden Band in den Raum gestellt werden". Seine Prognose lautet: "Vorausgesetzt, alles läuft ganz legal und niemand betrügt", wird das Hilfspaket von 1,5 Milliarden Euro oder umgerechnet 600.000 Abwrackprämien selbst bis zum Stichtag 31. Dezember nicht vollständig aufgebraucht sein.

Im Schnitt wurden in Deutschland in den vergangenen vier Jahren 3,25 Millionen Neuwagen verkauft, davon sind 60 Prozent Firmenwagen, die die Abwrackprämie nicht tangiert. Von den "großzügig prognostiziert 1,3 Millionen Menschen, die sich in diesem Jahr ein neues Auto kaufen", rechnet Lottsiepen vor, müsste jeder zweite nicht nur ein Modell besitzen, das neun Jahre und älter ist, denn nur dann greift die Prämie. Der alte Wagen müsste auch weniger als 2500 Euro wert sein. "Unwahrscheinlich", sagt Lottsiepen, "dass es so viele sind."

Über "Hetze und Panikmache" klagen auch die deutschen Autohausbesitzer, stellvertretend Helmut Blümer vom Zentralverband Deutsche Kraftfahrzeuggewerbe. Zwar sei die Stimmung der Händler "selten so gut gewesen", doch nur weil an einzelnen Standorten die Neuwagen knapp werden oder sogar ausverkauft sind, ließe sich daraus kein genereller Trend ableiten. "Diese Aufgeregtheit ist unbegründet."

Auch die Zahlen aus dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle sollten die Gemüter beruhigen. Gerade 4366 Anträge auf die "Umweltprämie" wurden bis gestern gestellt, 595 634 weitere können bearbeitet werden. Bleibt es bei dem Wochenschnitt, könnten theoretisch noch bis in den Sommer 2011 Neuwagen von der Regierung mitfinanziert werden. Das "Abwrackmeter" informiert potenzielle Autokäufer von nun an täglich über den aktuellen Stand (www.bafa.de).

Auf Deutschlands Straßen fahren nach einer Statistik der Prüforganisation Dekra derzeit 21,6 Millionen Autos, die älter als neun Jahre sind. Genügend Interessenten für die Prämie sollte es geben, doch die müssten sich allenfalls dann kurzfristig entscheiden, wenn es im Spätsommer bei besonders beliebten oder umweltfreundlichen Kleinwagen zu Lieferverzögerungen von mehreren Monaten kommen sollte.

"Die Angst, dass erst zu einem Zeitpunkt geliefert wird, an dem keine Prämie mehr gezahlt wird, ist natürlich vorhanden", heißt es etwa bei Toyota. Für das Öko-Vorzeige-Modell Prius sieht der Hersteller derzeit jedoch keine Probleme. Auch beim Skoda Fabia gibt es aktuell keine Verzögerungen, Peugeot hat genug 207-Modelle bis März. Der Opel Corsa kommt mit einer Lieferzeit von zehn Wochen. (mit fr/rtr)

Autor:  SEBASTIAN GEHRMANN
Datum:  5 | 2 | 2009
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