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Bio-Branche: Die Kurve flacht ab

Der Bio-Markt kann auch 2009 nicht an die Boomzeiten mit zweistelligen Wachstumsraten anknüpfen - weil der Preis drastisch sinkt. Die Menge steigt weiterhin. Von Stephan Börnecke

Frisches Gemüse aus biologischem Anbau.
Frisches Gemüse aus biologischem Anbau.
Foto: ddp

Der Bio-Markt hat auch 2009 nicht an die Boomzeiten mit zweistelligen Wachstumsraten anknüpfen können, doch Bio wächst weiter. Zumindest mengenmäßig. So ist der Umsatz der Öko-Lebensmittelbranche im vergangenen Jahr zwar um ein Prozent gesunken, bestätigt Beobachter Hans-Christoph Behr vom Agrarmarktinformationsdienst AMI.

Das sei aber im Wesentlichen einem drastischen Preisrückgang geschuldet. Das Mengenwachstum bezifferte Behr auf 2,2 Prozent. Im Vergleich: Der gesamte Lebensmittelmarkt schrumpfte 2009 um 2,3 Prozent.

Der Bio-Boom flacht sich bereits seit 2007 deutlich ab. Zuwächse von bis dahin 15 oder gar 18 Prozent werden seit dem nicht mehr erzielt.

Auch das Wachstum in 2008 von mehr als zehn Prozent war bereits zur Hälfte auf das Konto deutlicher Preissteigerungen gegangen. Doch seither sinken die Preise. Neu ist, dass von den zwölf bis 14 Preisrunden, die die Discounter 2009 einläuteten, nicht nur auch der Lebensmitteleinzelhandel erfasst wurde, sondern erstmals auch der Biomarkt.

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Die Preisrunden aber verdecken ein nach wie vor, so Braun, "wirtschaftlich stabiles" Wachstum der gesamten Biobranche. Auch Elke Röder, Chefin des Bundesverbands Naturkost-Naturwaren (BNN), glaubt gerade den Fachhandel auf sicherem Kurs: So sei das Wachstum weit mehr als früher auf der bestehenden Ladenfläche, weniger aber durch Neueröffnungen erreicht worden. "Das hat etwas mit Glaubwürdigkeit und mit Kundenzufriedenheit zu tun", ahnt Röder.

Zahlen darüber, wie sich die einzelnen Segmente - also Discounter, konventionelle Supermärkte, der Biofachhandel mit seinen großen und kleinen Geschäften sowie die Hofläden - entwickelt haben, gehen mitunter weit auseinander. So rechnet etwa die Gesellschaft für Konsumforschung damit, dass der Fachhandel, zu dem kleine Naturkostgeschäfte und Bio-Supermärkte (insgesamt mehr als 3000 Geschäfte) zählen, mit zwei Prozent wuchs.

Der BNN hingegen geht von mehr als drei Prozent aus. Zählt der Verband neu eröffnete Geschäfte hinzu, sollen die Fachgeschäfte sogar um mehr als sechs Prozent zugelegt haben. Marktführer Alnatura veröffentlichte wiederum eine Prognose von vier Prozent Wachstum für den Fachhandel in 2009.

Unterschiedliche Methoden, bei der manchmal die Gesamtumsätze des Bio-Großhandels, dann wieder Daten der Scannerkassen oder die Haushaltsbücher ausgesuchter Familien verwendet werden, führen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Die Daten sind auch deshalb nicht immer korrekt , weil sich Aldi nicht in die Bücher gucken lässt und Biomarktführer Alnatura bei der Erfassung nicht mitmacht.

Der Markt ist derweil in Bewegung geraten. So beobachten die Experten von AMI, dass im konventionellen Handel vereinzelt das Biosortiment wieder zurückgeht. Auch die Übernahme der Ex-Tengelmann-Tochter Plus durch Edeka-Ableger Netto führte zu einer Verringerung des Bioangebots bei den Discountern. Dennoch setzten die Discounter vergangenes Jahr fünf Prozent mehr Bio-Waren ab, was sich im Umsatz der Billigläden allerdings nicht widerspiegelt: Der sank sogar um drei Prozent.

Stärker als der Absatz wächst inzwischen weltweit der Bio-Landbau: Allein die Zahl der in einem Anbauverband organisierten Höfe nahm in Deutschland vergangenes Jahr um sechs Prozent zu. Mehr als 21.000 der 340.000 Betriebe sind damit Öko-Höfe, ein Anteil von rund sechs Prozent, die Flächenverteilung ist ähnlich.

Global wurden Ende 2008, neuere Zahlen liegen noch nicht vor, 35 Millionen Hektar biologisch beackert - bei etwa 1,5 Milliarden agrarisch nutzbarer Fläche. Den größten Zuwachs erreichte dabei mit einem Plus von 24 Prozent Lateinamerika.

Zwei Ländern ist dies zu verdanken: Argentinien und den Falkland Inseln. In beiden Ländern ist die biologische Schafhaltung dafür der Hauptfaktor. Die Falkland Inseln, die ohnehin völlig neu in der Statistik auftauchen, dürfen mit einem Bio-Anteil von mehr als 36 Prozent allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass 70 Prozent der 154 erfassten Länder auf einen Öko-Anteil von weniger als einem Prozent kommen. In der EU (Gesamt Bio-Anteil: 7,2 Prozent) führend wiederum ist Österreich (knapp 16 Prozent).

Autor:  Stephan Börnecke
Datum:  18 | 2 | 2010
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