kalaydo.de Anzeigen

Einheitliches Logo: Sauwohl am Futtertrog

Das Logo "Ohne Gentechnik" informiert Kunden, was Kuh, Schwein und Huhn fressen. Das neue bundesweit einheitliche Zeichen soll den Kauf gentechnikfreier Lebensmittel erleichtern. Von Stephan Börnecke

Ministerin Aigner stellt das neue Logo vor.
Ministerin Aigner stellt das neue Logo vor.
Foto: dpa

Etwa 70 Prozent der Verbraucher wollen keine Gentechnik im Essen. Doch: Wann ist Gentechnik überhaupt drin? Wann nicht? Wurde gentechnisch verändertes Soja zur Herstellung von Pizza oder Schokolade verwendet, muss dies auf der Verpackung ausdrücklich vermerkt sein. Das ist kaum der Fall. Doch was ist, wenn die Kuh, das Schwein oder das Huhn Gen-Soja zu fressen bekamen? Milch, Schnitzel oder Eier müssen diesen Hinweis auf die Gen-Vergangenheit nicht tragen. Die EU-Kennzeichnugsverordnung lässt dies auch ohne Deklarierung zu.

Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) will diese Kennzeichnungslücke wenigstens zum Teil schließen. Ein neues Logo informiert analog zum Bio-Zeichen den Kunden über die gentechnische Beschaffenheit der Lebensmittel. Aufdrucken dürfen die Hersteller zwar einen Hinweis, dass ihre Produkte "ohne Gentechnik" produziert wurden, bereits seit einem Jahr. Ein einheitliches Kennzeichen aber fehlte. Das Logo, sagt Aigner, mache es Verbrauchern leichter, "sich bewusst für Lebensmittel ohne Gentechnik zu entscheiden".

Bisher ist die Zahl der Produkte, die mit einem Schriftzug "ohne Gentechnik" versehen sind, überschaubar. 20 Firmen zählt Aigner auf, die sich "ohne Gentechnik" auf Milch- und Nudeltüten oder Fleischpackungen aufdrucken. Die Upländer Bauernmolkerei hatte dabei 2005 den Vorreiter gespielt, als es wegen der damals äußerst strengen Vorgaben noch kaum möglich war, mit solchen Behauptungen zu werben. Inzwischen ist der Aufdruck auf vielen Produkten der Supermarktkette Tegut vorhanden, wird von Produzenten wie dem Nudelhersteller Alb-Gold, Breisgaumilch, Landliebe-Milch von Campina oder dem Lebensmittelhersteller Bonduelle verwendet.

Dass es mit dem neuen Logo mehr werden, zeichnet sich ab: So hat der zweitgrößte deutsche Hähnchen-Hersteller, die Gebrüder Stolle aus dem Oldenburger Land, die gesamte Produktion von täglich 450 000 Hähnchen auf gentechnikfreie Fütterung umgestellt. Man habe nur noch auf das Logo gewartet, um dieses Merkmal auch ausloben zu können, sagt Marketing-Chef Albert Focke. Stolle-Hähnchen und Grillpfannen werden das Logo bekommen, sofern sie bei Tegut verkauft werden, verspricht Focke.

Die dreistesten Mogel-Lebensmittel

Bildergalerie ( 22 Bilder )

"Angst der Händler vor Nachfragen ihrer Kunden"

Und wann ziehen Stolles Hauptabnehmer wie Metro oder Lidl nach? Man sei mit zwei Händlern im Gespräch, sagt Focke. Die bräuchten für ihre Entscheidung aber noch Zeit, denn während Stolle seit mehr als zehn Jahren sich mit dem Thema beschäftige, sei es für viele Partner neu. Die Händler stellten stets eine Frage: Ist auch für die nächsten vier, fünf Jahre sichergestellt, dass genug garantiert gentechnikfreies Futter aus Übersee kommt? Focke ist davon fest überzeugt. Auch die hohe Reinheit des Soja-Futters aus Brasilien spreche für funktionierende, strikt getrennte Handelsströme: Verunreinigungen von allenfalls 0,1 Prozent kämen vor.

Dass auch die Hähnchen des Marktführers Wiesenhof gentechnikfrei gefüttert werden, das hingegen bleibt dem Kunden weiter verborgen. Wiesenhof macht Probleme bei der Auslegung des Gentechnik-Rechts geltend bezüglich der statthaften technisch unvermeidbaren Verunreingungen von bis zu 0,9 Prozent. Deshalb, so eine Sprecherin, verzichtet Wiesenhof auf das Logo.

Dass nur wenige Hersteller die Kennzeichnung verwenden, erklärt BUND-Expertin Heike Moldenhauer mit der "Angst der Händler vor Nachfragen ihrer Kunden", wenn das eine Produkt gekennzeichnet sei und das andere nicht. Sie fürchten "zu Recht, dass Produkte ohne Kennzeichnung zu Ladenhütern werden."

Autor:  Stephan Börnecke
Datum:  10 | 8 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Weblog

Ob mit Bahn oder Auto, Fahrrad oder zu Fuß - Pendler leiden jeden Morgen und Abend geduldig. Bisher. Nun reden sie. Im FR-Pendlerblog.

Spezial
Tag der Nachhaltigkeit - Für kurze Strecken mit dem Auto gibts ne 6. (Archivbild)

Wie grün ist die Stadt am Main und was muss sie tun, um noch grüner zu werden? Eine Nachhaltigkeitserie über Frankfurt - unterstützt von Siemens Deutschland.

Spezial

Bespitzelung von Beschäftigten, Datenklau, Elena, Swift - Was passiert mit unseren Daten?