Berlin. Verbraucherschützer haben der Europäischen Union vorgeworfen, ein Verbot der sogenannten Ampel-Kennzeichnung für Lebensmittel zu planen. Dies belege ein Rechtsgutachten, erklärte die Verbraucherorganisation Foodwatch am Mittwoch in Berlin.
Der stellvertretende Foodwatch-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt warf Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) vor, sie spiele "ein scheinheiliges Doppelspiel mit den Bürgern": Während sie sich in Deutschland offen für die Nährwert-Ampel gebe, nehme sie es in Brüssel "billigend in Kauf, dass ein Ampelverbot hinter dem Rücken der deutschen Bevölkerung und des deutschen Parlamentes beschlossen wird", erklärte Wolfschmidt.
Laut Foodwatch will Brüssel eine industriefreundliche Kennzeichnung von Nährwerten durchsetzen, die auf nationaler Ebene nicht überschritten werden dürfe. Abweichungen, etwa durch eine farbliche Hinterlegung der Nährwertangaben mit den Ampelfarben, wären ausdrücklich verboten, sogar auf freiwilliger Basis.
Wolfschmidt forderte deshalb "eine Öffnungsklausel in der EU-Verordnung, die es den EU-Mitgliedsstaaten erlaubt, über die Mindeststandards hinauszugehen und eine Ampel einzuführen". Dafür müsse sich Aigner im EU-Ministerrat einsetzen.
Die Ampel-Kennzeichnung weist die wichtigsten Eckdaten zum Nährwertgehalt - den Anteil an Fett, an gesättigten Fetten, an Zucker und Salz - sowie die Kalorien pro hundert Gramm aus. Diese Angaben erscheinen je nach ihrer gesundheitlichen Bedenklichkeit in den Signalfarben rot, gelb oder grün. Die Lebensmittelindustrie wehrt sich bislang vehement gegen die Ampel-Kennzeichnung. (afp)