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Gefährliche Adventskalender? - Firmen kritisieren Test

Oh du gefährliche Weihnachtszeit? Nicht alle Adventskalender sind laut Stiftung Warentest gesundheitlich unbedenklich. Foto: Britta Pedersen/Symbolbild
Oh du gefährliche Weihnachtszeit? Nicht alle Adventskalender sind laut Stiftung Warentest gesundheitlich unbedenklich. Foto: Britta Pedersen/Symbolbild

Berlin. Belastete Schokolade in Adventskalendern für Kinder? Nach den Warnungen der Stiftung Warentest sind viele Verbraucher verunsichert. Zahlreiche Schokoladen-Hersteller wehren sich gegen die Vorwürfe - und kritisieren die Untersuchungsmethoden der Tester.

Nach einem Bericht von Stiftung Warentest über schädliche Mineralölrückstände in der Schokolade aus Adventskalendern haben sich zahlreiche Hersteller gewehrt. Einige Schokoladen-Produzenten kritisierten die Untersuchungsmethoden und Bewertungen von Stiftung Warentest. Die Bremer Firma Hachez Chocolade warf den Testern vor, Unsicherheiten zu verbreiten, «die völlig bei den Haaren herbeigezogen sind». Eine Gesundheitsgefährdung könne «nicht einmal ansatzweise nachgewiesen» werden.

Kraft Foods, Hersteller von Milka-Schokolade, betonte: «Wir möchten darauf hinweisen, dass diese Thematik nicht Schokoladen-spezifisch ist. Mineralölbestandteile kommen allgegenwertig in der Umwelt vor.» Der Bundesverband der deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) hatte am Montag (26. November) mitgeteilt, die Schokolade in den Kalendern sei nicht gesundheitsgefährdend. Einen Grenzwert für Mineralölreste gebe es bislang nicht, die Öle seien weit verbreitet.

in der Schokolade Rückstände von schädlichen Mineralölen gefunden. In neun Fällen warnten die Tester Kinder vor dem Verzehr. Zwölf Kalender waren nur gering belastet. Die winzigen Ölreste könnten aus der Farbe auf Kartonverpackungen aus recyceltem Altpapier stammen und krebserregend sein.

Das Problem betreffe nicht nur Billighersteller, sagte Ina Bockholt von der Stiftung Warentest. «Am höchsten belastet sind sogar teure Kalender.» Ein Problem sei auch, dass viele der etwa 50 Millionen Adventskalender, die jedes Jahr in Deutschland verkauft werden, wochen- oder monatelang in Fabriken und Geschäften liegen würden. Die Schadstoffe aus der Verpackung könnten sich in dieser Zeit in der Schokolade anreichern.

Die Süßwaren-Kette Arko kündigte daraufhin den Rückzug ihrer Kalender aus den Geschäften an. Der Schokoladen-Hersteller Heilemann sagte, die Schokotäfelchen seien ungefährlich und leitete gleichzeitig eine Laboruntersuchung seiner Schokolade und der Verpackungen ein. Lindt-Sprecherin Natalie Zagoda sagte: «Wir wurden sehr überrascht von der Studie.» Nun prüfe Lindt, was mit dem Kalender passieren soll.

Stiftung Warentest hat sich nach eigenen Angaben bei ihrer Bewertung der möglichen Gesundheitsrisiken an Erfahrungswerten von Experten orientiert. Die Europäische Union (EU) habe noch keinen Grenzwert festgelegt, weil es noch keine Studien gebe. Zurzeit könnten Wissenschaftler nicht eindeutig abschätzen, wie stark Mineralöle den Menschen gefährdeten. Es gebe allerdings Hinweise: In Tierversuchen würden nicht-aromatische Mineralöle mit Entzündungserscheinungen der Leber in Zusammenhang gebracht.

Bedruckte Folien oder Pappkartons aus Recyclingpapier bergen immer die Gefahr, dass schädliche Substanzen aus der Druckfarbe auf darin verpackte Lebensmittel übergehen, sagt Hartmut König von der Verbraucherzentrale Hessen. Auch aus bedruckten Joghurtbechern könnten ungesunde Bestandteile aus der Druckfarbe in das Lebensmittel übergehen. Es gebe zwar Empfehlungen für geeignete Farbzusammensetzungen, aber nicht alle Hersteller hielten sich daran. Außerdem existierten keine Grenzwerte dafür.

König empfiehlt, allenfalls gering belastete Kalender zu kaufen und dann auch nicht mehrere auf einmal an eine Person zu verschenken. Alternativ bestehe die Möglichkeit, zu Adventskalendern zu greifen, deren Inneres nochmals extra eingeschweißt ist. Allerdings darf diese Verpackung dann ebenfalls nicht bedruckt sein. In der Praxis sei es allerdings schwer, das vor dem Kauf herauszufinden.

Weitere Möglichkeiten für Verbraucher sind Kalender ohne Lebensmittelinhalt - solche mit Bild hinter dem Türchen oder selbst gemachte ohne bedenkliche Füllung. Letztere seien ohnehin kreativer und erfreuten den Beschenkten auch mehr als gekaufte, betont König. (dpa)

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