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Kommentar zum Patentrecht: Bald entkommt Monsanto keiner mehr

Selbst auf Nahrungsmittel wie Milch, Brot, Butter und nun auch aufs Schnitzel werden mittlerweile Patente angemeldet. Das geht zu weit. Der US-Agrarmulti Monsanto bedroht unsere Freiheit. Von Stephan Börnecke

Stephan Börnecke ist Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau.
Stephan Börnecke ist Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: fr

"Eine Erfindung", sagt Hessens Landwirtschaftsministerin Silke Lautenschläger, "ist eine technische Lösung für ein technisches Problem. Tiere und Pflanzen sind aber keine Erfindung und deshalb nicht patentierbar." Aus diesem Grund dürfe es im EU- Patentrecht keinerlei Grauzone, keinen Spielraum und keine Kompromisse geben. Schön wär's. Denn das Patentrecht ist schwammig, und der US-Agrarmulti Monsanto wird allmählich nimmersatt.

Es wird inzwischen fast täglich offenbar, dass die Amerikaner mit ihrer Flut von Patentanträgen auf lebende Organismen, auf Verfahren zur Suche nach der besten Milchkuh, auf Evaluierungen von Schweinegenen, den Verdacht, wie Kritiker vorhalten, einer "Monsantosierung des Lebensmittelmarktes", unter Beweis stellen.

Selbst auf Nahrungsmittel wie Milch, Brot, Butter und nun auch aufs Schnitzel werden mittlerweile Patente angemeldet. Das geht zu weit, denn diese Konzernpolitik bedroht unsere Freiheit.

In einem vergleichsweise harmlosen Fall hat der Kanadier Percy Schmeiser als einer der ersten Farmer erfahren, wohin das omnipotente, selbstherrliche Auftreten des Konzerns führt. Bei ihm wollte Monsanto Lizengebühren abkassieren, weil man auf seinen Äckern Gen-Raps aus der Laborküche des Konzerns gefunden hatte.

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Schmeiser, der mit seiner Geschichte seit Jahren um die Welt tourt und wegen seiner eigenen Erfahrungen vor der Arbeitsweise des Konzerns warnt, bekam es auf seinen Feldern mit Raps zu tun, der von angrenzenden Feldern mit gentechnisch veränderten Saaten verschmutzt worden war. Für die Wiederaussaat der kontaminierten Körnchen bat ihn Monsanto zur Kasse.

Die Monsanto-Politik, die von anderen Feldspielern munter nachgeahmt wird, läuft darauf hinaus, nicht nur gentechnische Methoden, sondern die existierende biologische Vielfalt, also auf die Natur, und die konventionelle Tier- und Pflanzenzüchtung zu monopolisieren. Damit entkommt dem Konzern auf Dauer keiner mehr.

Die Idee, dass der Bauer auf seinem Hof sein eigener Herr und Züchter ist, wäre damit genauso ad absurdum geführt, wie die Vorstellung, wir hätten im Supermarkt noch die freie Wahl. Haben wir nicht. Was für eine Welt, in der überall Monsanto steckt. Die Stricker der Monsanto-Welt mögen sich ins Fäustchen lachen, doch aufgeklärte Verbraucher wehren sich gegen die Methodik. Zu Recht. Dem Konzern gehört die rote Karte gezeigt.

Autor:  Stephan Börnecke
Datum:  28 | 4 | 2010
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