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Lebensmittelkennzeichnung: Aus für die Ampel

EU-Abgeordnete lehnen die Lebensmittelkennzeichnung über Farben ab. Das so gut wie endgültige Ampel-Aus enttäuscht Verbraucherschützer und freut die Nahrungsindustrie. Von Werner Balsen

Energieriegel liegen hinter einer Spielzeug-Ampel, die rot, gelb und grün leuchtet.
"Energieriegel" liegen hinter einer Spielzeug-Ampel, die rot, gelb und grün leuchtet.
Foto: dpa

Brüssel. Die Schlacht ist noch nicht ganz geschlagen, aber die Rauchschwaden auf dem Feld lichten sich: Die dreifarbige Ampel, die bitter umkämpfte Kennzeichnung für die Nährwerte von Nahrungsmitteln, hat es nicht durch den zuständigen Ausschuss des Europäischen Parlaments geschafft. Die Mehrheit der Abgeordneten lehnte die schnell erkennbaren und leicht zu verstehenden Hinweise auf Dickmacher in Lebensmitteln ab.

Mit Rot, Gelb und Grün hätten Angaben über den Salz-, Fett- und Zuckergehalt von Lebensmitteln jedem klarmachen sollen, auf was er sich einlässt. Verbraucherschützer, Krankenkassen und Kinderärzte hatten die Ampel gefordert, während die Lebensmittelindustrie sich heftig dagegen sträubte.

Energieriegel liegen hinter einer Spielzeug-Ampel, die rot, gelb und grün leuchtet.
"Energieriegel" liegen hinter einer Spielzeug-Ampel, die rot, gelb und grün leuchtet.
Foto: dpa

Die Entscheidung des Ausschusses ist noch nicht endgültig - im Mai wird das Plenum in Straßburg die definitive Haltung des Parlaments festlegen. Auch die 27 EU-Regierungen haben noch ein Wörtchen mitzureden. Dennoch kann die Ablehnung der Ampel als sicher gelten.

Sie sei "mit ihren willkürlichen Schwellenwerten wissenschaftlich nicht fundiert und kann zu Mangelernährung führen", begründet die Berichterstatterin im Ausschuss, die deutsche CDU-Abgeordnete Renate Sommer, die Entscheidung. Sie bringt ein Beispiel: "Eine zuckerfreie Cola mit Süßstoff bekäme ,grün´ und der naturtrübe Apfelsaft ,rot´, nur weil er Fruchtzucker enthält." Allerdings können auch die Ampel-Befürworter den im Ausschuss getroffenen Entscheidungen einiges abgewinnen.

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Sie verpflichten die Hersteller, verständliche Informationen über die acht wichtigsten Inhaltsstoffe je 100 Gramm oder Milliliter anzugeben. So muss jede in Europa künftig angebotene Lebensmittelpackung eine "im Hauptblickfeld der Verpackung" platzierte "gut lesbare Angabe" über den Kalorienwert haben. Darüber hinaus sind "Lebensmittelhersteller zukünftig verpflichtet, Angaben zu Fett, gesättigten Fettsäuren und Kohlenhydraten mit besonderem Hinweis auf Zucker und Salz anzugeben", sagt die SPD-Abgeordnete Dagmar Roth-Behrendt.

Auch die deutsche Grüne Rebecca Harms freut sich bei aller Enttäuschung über das Aus für die Ampel über "deutliche Verbesserungen für den Verbraucher". Wie die Sozialdemokraten hebt sie hervor, dass es künftig Hinweise auf den Verpackungen über das Herkunftsland von Fleisch- und Geflügelprodukten sowie von Milch, Obst und Gemüse geben muss. Hersteller müssen zudem herausstellen, ob ihre Nahrungsmittel gentechnisch verändert oder mit Nanopartikeln behandelt wurden.

Enttäuscht zeigt sich Roth-Behrendt, dass es nicht gelang, die Hersteller auf die Angabe von Nährwerten in Portionsgröße zu verpflichten. "Es kann nicht sein, dass ich Rosinen und Haferflocken erst zählen muss, um zu wissen, wie viel Zucker und Kalorien in meinem Müsli enthalten sind." Dennoch sprach ihr Parteifreund Jo Leinen, Vorsitzender des Ausschusses, von einem "guten Tag für den europäischen Verbraucher".

Autor:  Werner Balsen
Datum:  17 | 3 | 2010
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