Immer mehr Menschen essen Lebensmittel mit Öko-Siegel. Ein Motiv nimmt zu: die Freude am Genuss. Der Trend birgt Gefahren. Das Prinzip der Gerechtigkeit könnte an Wert verlieren, meint Stephan Börnecke
Stephan Börnecke ist Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau.
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Der Bio-Boom ist vorbei, tönt es hämisch - aber das ist das wirklich so? Die Tatsachen lassen einen ganz anderen Schluss zu. Zwar sind die zweistelligen Zuwächse Geschichte, der Umsatz von Bio-Lebensmitteln ist im vergangenen Jahr erstmals zurückgegangen, und zwar um ein Prozent.
Aber das Minuszeichen verstellt den Blick auf die Gesamtlage. Der Lebensmittelmarkt ist mehr als doppelt so stark eingebrochen, was zu der simplen Erkenntnis führt: Bio hat seinen Anteil am Kuchen noch einmal ein Stückchen vergrößern können.
Bio läuft, das hat eine Gemeinschaft der ökologischen Lebensmittel-Hersteller und -Händler sowie Bio-Bauern jetzt bei der internationalen Messe Biofach in Nürnberg gezeigt. Mehr noch: Einzelne Teile der Branche, darunter Bio-Urzellen, wachsen auch in der Krise. Naturkostläden und Bio-Supermärkte konnten ihren Umsatz um sechs Prozent steigern, Discounter hingegen speckten ab.
Doch es ist weniger der Wirtschaftskrise als vielmehr den Rabattschlachten der Discounter zu verdanken, dass die Lebensmittelbranche (und damit auch der Bio-Ableger) 2009 weniger Umsatz machte. Der Bio-Absatz wuchs in fast jedem Ladentyp weiter. Neu aber ist, dass sich der Bio-Markt dem Preis-Sog nicht mehr entziehen konnte.
Billige Milch, faire Milch
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Billige Milch, faire Milch
54 Cent: Aldi setzt den Preis: Wenn der Discounter den Milchpreis Cent senkt, zieht die Konkurrenz prompt nach.
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55 Cent: Frischgold heißt der Einsteiger bei Tegut: Die Kette setzte den Preis gegen den Trend um sieben Cent rauf - um den Bauern zu helfen.
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99 Cent: Bärenmarke-Milch lebt von ihrem Ruf, und der lebt von der Werbung. In die teure Verpackung darf zudem nur Milch aus dem Allgäu.
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99 Cent: Lokal produzieren, lokal verkaufen: Schwälbchen pflegt das Image der Molkerei um die Ecke und sieht sich damit im Premium-Segment.
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99 Cent: Der "Fair"-Preis der auch im Supermarkt erhältlichen Bio-Milch von Alnatura ist so kalkuliert, dass die Bauern von der Molkerei 40 Cent bekommen.
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1,05 Euro: Die Landliebe von Campina mausert sich zur Premium-Milch: Die Kühe bekommen Futter, das kein Gen-Soja enthält.Das macht sie teurer. - Sehen die auch die Fotostrecke über die Proteste der Milchbauern.
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Die Milch - billiges Massenprodukt oder wertvolles Lebensmittel? Wir zeigen an sechs Beispielen, was die Milch kostet, was dahinter steckt - und was die Bauern davon haben.
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Die dreistesten Mogel-Lebensmittel
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Die dreistesten Mogel-Lebensmittel
Glaubt man dem Hersteller Nestlé, bieten Fitness Fruits eine "leichte" und "ausgewogene" Ernährung, die zur "Wunschfigur" verhilft. Tatsächlich bestehen die Frühstücksflocken zu einem Drittel aus Zucker und machen auf Dauer eher dick als fit.
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Capri-Sonne wird als "sportliches Getränk" mit "gesunden Früchten" verkauft. Eine gute Wahl für Kinder, sollte man meinen. Tatsächlich liegt der Fruchtgehalt bei gerade mal 12 Prozent, der Rest sind Wasser, Aromastoffe - und ganz unsportlich viel Zucker.
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Laut Danone ist Actimel ein besonderer Joghurt-Drink, der das Immun-System "aktiviert" und "wetterfest" macht. Tatsächlich "aktiviert" Actimel das Immunsystem nicht mehr als herkömmliche Naturjoghurts, ist aber viermal so teuer und enthält doppelt so viel Zucker. Wissenschaftliche Belege für den Schutz vor Erkältungen gibt es nicht.
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Der Gelbe Zitrone Physalis von Pfanner präsentiert sich als perfekter Wellness-Drink: mit leuchtenden Physalis auf der Packung und dem hochwertigen gelben Tee im Namen. In Wirklichkeit enthält der Drink so wenig von der köstlichen Frucht, dass sie noch nicht einmal als Inhaltsstoff deklariert werden muss, und der gelbe Tee macht gerade mal 15 Prozent der Flüssigkeit aus. Der Rest sind viele Aromastoff und insgesamt 44 Stücke Würfelzucker auf zwei Liter.
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"Enthält Schokolade mit 75 Prozent Kakao" verspricht Dr. Oetker auf seinem Schoko-Pudding Pur Crema Choc. Das ist nicht gelogen. Nur leider enthält das Dessert insgesamt nur 2,5 Prozent Schokolade - was einem Kakaoanteil von ganzen 1,875 Prozent.
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Das Bertolli Pesto Verde von Unilever nach "original italienischer Rezeptur" enthält angeblich nur "beste Zutaten" wie "feinstes Bertolli Olivenöl" und Pinienkerne. Tatsächlich ist nur ein Fingerhut Olivenöl drin und kaukm Pinienkerne. Stattdessen werden vor allem Billigzutaten wie "pflanzliches Öl", Cashewnüsse und Aromastoffe eingesetzt.
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Lecker sieht er aus, der Philadelphia alla Pesto verde & Tomate, mit den frischen Zutaten auf der Verpackung und dem Versprechen von "sonnengereiften Tomaten". Die sind tatsächlich drin - genau 0,4 Prozent der Frischkäsezubereitung machen sie aus. Statt Pesto enthält das Produkt aus dem Hause Kraft eine Basilikum-Schmelzkäse-Mischung - und jede Menge Zusatzstoffe.
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"Schmeckt leicht, belastet nicht" bewirbt Ferroro seine Milchschnitte - und drückt die "ideale" Zwischenmahlzeit gerne werbewirksam prominenten Sportlern in die Hand. In Wahrheit besteht das Schnittchen zu 60 Prozent aus Fett und Zucker - und haut damit mehr rein als manche Schoko-Sahnetorte.
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Rama Cremefine will mit 11 Prozent weniger Fett als herkömmliche Schlagsahne ein Produkt für die "leichte Küche" sein. Dabei enthält das künstliche Lebensmittel viele gesättigte Fettsäuren - "schlechtes Fett" wie Rama selbst es nennt. Und kostet dabei noch doppelt so viel wie normale Schlagsahne.
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Wasabi Erdnüsse von The Lorenz Bahlsen Snack-World. Was fehlt: Wasabi (japanischer Meerrettich). Als Ersatz werden minderwertige Zutaten für den Geschmack verwendet - etwa Spirulina-Konzentrat (Algenkonzentrat), Aroma, Geschmacksverstärker und Farbstoff.
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Bei den Mini Keks Bolden "Schoko" (Hersteller: Biscuits Delacre) vermissen wir die Schokoladenfüllung im Keks. Stattdessen müssen wir billigen Ersatz essen - Kakaocremefüllung mit Schokoladenimitat, unter anderem aus fettarmem Kakaopulver (3,7%), Zucker und gehärtetem Pflanzenfett hergestellt (Verpackung von 2009).
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Beim Combi Weiß in Salzlake, 50 Prozent Fett, (Hersteller: Efe Firat Feinkost) fehlt echter Schafskäse aus Schafsmilch. Stattdessen findet sich in der Dose billiger Ersatz durch Analogkäse, der wie Schafskäse aussieht. Er enthält billiges Pflanzenfett statt Milchfett und Magermilch aus Kuhmilch statt Schafsmilch. Restaurants und Imbissbuden verwenden dieses Käseimitat gerne - und verkaufen es als Schafskäse.
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Bei der Surimi-Garnele (loser Verkauf) handelt es sich um gepresstes Fischeiweiß in Garnelenform. Es gibt täuschend echte Garnelenimitate, in denen Fischeiweiß steckt, das nicht anders verwertbar ist. Zudem Geschmacksverstärker, Aromen, Farbstoffe und Hühnereiweiß. Guten Appetit!
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Hier zum Vergleich eine echte Garnele. Das Imitat wird immer wieder in Imbissen als "Surimi Garnele, gefangen" bezeichnet, was den Eindruck erwecken soll, es handele sich um echte Garnelen.
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Der Meeresfrüchte Cocktail mit Krebsfleischimitat (Einkauf bei Kaufhof). Für 40 Euro das Kilo erwarten wir 100 Prozent Meeresfrüchte wie Muscheln, Garnelen oder Tintenfische. Stattdessen wird das Produkt mit billigem Surimi (Krebsfleischimitat aus Fischmuskeleiweiß) gestreckt.
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Beim Du darfst Putensalat mit Joghurtdressing (Hersteller: Unilever Deutschland) bekommen wir nicht etwa 100 Prozent Putenfleisch. Stattdessen serviert uns der Hersteller zusammengefügte Fleischreste. Zum gewachsenem Putenfleisch kommen Form-Putenfleisch und das noch billigere Form-Hähnchenfleisch.
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Im Fol Epi Nuss von Fromageries Rambol gibt es statt 100 Prozent Käse billigen Schmelzkäse. Die sogenannte Schmelzkäsezubereitung besteht nur zu 65 Prozent aus Käse, ist mit Zusatzstoffen wie Schmelzsalzen (E452, E339: Phosphate) und Aromen versetzt - was bei Käse nicht erlaubt ist. Die Scheiben aus Schmelzkäse sind leicht mit echtem Schnittkäse verwechselbar.
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Im Mucci Vanilleeis (Aldi Nord) muss der Verbraucher echte Vanille und 100 Prozent Milchfett vermissen. Stattdessen billiger Ersatz durch überwiegend synthetisches Vanillin und Kokosfett, wie die Stiftung Warentest ermittelt hat.
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Die Hähnchenschnitten Wiener Art von Vossko-Tiefkühlkost enthalten keine Hähnchenschnitzel aus einem Stück gewachsenem Fleisch. Stattdessen wird billiger Ersatz durch Verschnitt von kleinen Stücken aus Hähnchen- und Putenfleisch verkauft.
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Wer bei den Bio-Vollkorn-Toastbrötchen (Hersteller: Proback, Aldi Nord) denkt, hier handelt es sich um Vollkorntoast-Brötchen aus Vollkornmehl, irrt. Statt 90 Prozent Vollkornmehl im Mehlanteil wie in den Leitsätzen für Brot und Kleingebäck verlangt sind im Produkt nur 60 Prozent enthalten. Gestreckt wird mit Weizenmehl, gefärbt mit Gerstenmalzsirup.
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Was liegt auf Ihrem Teller - Original oder Fälschung? Das ist, wie hier bei Garnelen, nicht immer leicht zu erkennen. Lebensmittelkonzerne nutzen das aus. Sehen Sie die größten Mogel-Lebensmittel - zusammengestellt von der Verbraucherzentrale Hamburg und von Foodwatch.
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Gleicher Preis, weniger drin: neue Mogelpackungen
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Gleicher Preis, weniger drin: neue Mogelpackungen
Bei Mogelpackungen ist die Lösung einfach: Immer nach jenen Zahlen schauen, die die Füllmenge angeben. Die aktuelle Tüte des Hundefutters "Frolic Unterwegs" zeigt 180 Gramm.
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Und so sah die Angabe vorher aus: 200 Gramm. Ergibt beim gleich gebliebenen Preis einen Aufschlag von elf Prozent.
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Also nochmal zur Übung. Zwei Tüten mit Hundefutter (diesmal Frolic Rodeo mit Rind), die fast gleich aussehen. Den Blick nach unten...
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... und Sie erkennen die Differenz. Sie ist 35 Gramm groß. Preiserhöhung: 50 Prozent.
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Das Prinzip funktioniert, wie bei "Always Slipeinlagen", auch mit Stückzahlen. Aus 32...
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wird mal schnell 28. Damit schlägt der Hersteller Procter & Gamble bei gleichem Verkaufspreis versteckt um 14,3 Prozent auf.
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Solche Tricks sind zum Pickel-bekommen. Clerasil Ultra verspricht Abhilfe. Früher mit 30 Milliliter pro Tube.
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Jetzt sind noch 15 Milliliter drin.
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Wer nicht die Original-Tinte verwendet, spart. Oder? 20 Milliliter der kostbaren Flüssigkeit steckten mal in dieser Patrone.
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Jetzt sind es noch zehn Milliliter - damit ist die Alternative um 100 Prozent teurer als zuvor.
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Spar- oder Familienpack - was denken Sie, welcher Frico-Käse der günstigere ist?
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Im alten Familienpack waren 400 Gramm, im neuen - so genanannten - Sparpack sind bei gleichem Preis nur noch 375 Gramm. Ein Aufschlag um 6,7 Prozent.
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Eine Fisch-Schlemmerei mit angepriesenem neuen Rezept - auch das kann überraschen. Unten im Bild hervorgehoben der Anteil des in der Herstellung teuren Fisch-Filet-Anteils: 52 Prozent.
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Vorher waren's 70 Prozent. Auch wenn das Füllgewicht gleich bleibt, der Hersteller Iglo macht damit das Filet um 34,6 Prozent teurer (bezogen auf den verringerten Fischanteil).
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Früher war der Deckel von Homanns fruchtigem Käsesalat weniger blau. Dafür verbargen sich drunter 200 Gramm Essen.
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Mit dem zusätzlichen Blau gingen 50 der 200 Gramm verloren. Eine versteckte Preiserhöhung um 33,3 Prozent.
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Auch kleine Differenzen summieren sich zu beachtlichen Aufschlägen. 2,25 Gramm im neuen Teebeutel von Milford.
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Vorher waren's drei Gramm - das bedeutet eine Preiserhöhung von 33,3 Prozent.
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Nochmal eine kleine Zahl: 26 Gramm Milky Way -
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jetzt sind's noch 21,9 Gramm. Der prozentuale Preiseffekt: plus 18,7.
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Was schätzen Sie: Wo ist mehr drin?
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Die rechte, neue Packung kommt zwar wuchtiger daher - aber es sind 40 Millilieter weniger Dessertsoße drin.
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Versteckte Preiserhöhung auch bei Schleckers AS Glaskeramik-Reiniger.
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Aus 250 werden 225 Milliliter - elf Prozent teurer bei gleichem Verkaufspreis.
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Maggis Hühnersuppe wollte bisher vier Kinder mit Tierfiguren erfreuen.
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Da waren's nur noch drei.
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Trösten Sie sich nun bloß nicht mit Zuckerstreusel: Einst legte Schwartau 160 Gramm in den Behälter.
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Jetzt nur noch 115 Gramm - ein Preisplus von 28,7 Prozent. Schwartau war schon früher auffällig mit Packungstricks - wie Sie in unserer ersten Mogel-Fotostrecke sehen können.
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Sie kennen das Prinzip aus der Rätselzeitschrift: Wo ist der Unterschied zwischen der linken und rechten Variante?
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Zur Erinnerung: Mit dem Einstieg der Discounter begann zwar der eigentliche Bio-Boom, doch der Auftritt der Billigheimer hat Konsequenzen. Erstens: Die Discounter wurden zum Preis setzenden Faktor auch bei Bio. Zweitens: Ungestüme Boom-Märkte erhöhen das Risiko von Fälschungen.
Angesichts der nun wieder moderat, aber stabil wachsenden Öko-Märkte ist die Gefahr von Schummeleien glücklicherweise geringer, sie sind weniger lukrativ. Drittens: Die Discounter-Strategie, an Bio zu verdienen und sich mit einem grünen Mäntelchen zu schmücken, befreite Bio nicht nur aus der Nische. Sie schuf auch neue Käufergruppen. Den "typischen" Bio-Käufer gibt es nicht mehr.
Bisher waren Öko-Kunden eindeutig definiert: Bestens ausgebildet, höheres Einkommen, von politischem Bewusstsein beseelt. Auf die Kerngruppe trifft das teilweise immer noch zu: 17 Prozent der Haushalte, darunter sind viele von Besserverdienern, sorgen für 80 Prozent des Bio-Umsatzes.
Doch die Übergänge sind fließend geworden. Folgt man Soziologen der Uni Kassel, dann haben Bildung und Einkommen keinen signifikanten Einfluss mehr auf den Griff zum Öko-Produkt. Immer mehr Menschen, die nicht über ein hohes Einkommen verfügen, gönnen sich Bio. Dabei hilft: Bio ist überall verfügbar.
Hinzu kommt ein weiterer Wandel. Nicht mehr altruistische Weltanschauungen bilden das Hauptmotiv zum Bio-Kauf, sondern die ganz persönlichen Vorlieben des Verbrauchers. Nicht Tierschutz ist das Kauf-Argument, wenn das Bio-Schnitzel in der Pfanne brutzelt und nicht das konventionelle undefinierbarer Herkunft für 99 Cent von Aldi, sondern: Es schmeckt besser. Das Tier bekam kein Gentechnik-Futter, Bio verwendet keine chemischen Zusatzstoffe und weist kaum Pestizidrückstände auf, womit das Produkt gesünder ist. Damit gewinnen hedonistische Motive an Bedeutung.
Das wird nicht ohne weitere Veränderungen abgehen. Der Trend wird sich verstärken, die Branche darauf reagieren. Noch mag sich ein Jugendlicher auf dem Schulhof ungern mit einem Öko-Riegel erwischen lassen. Das Müsli-Image ist eben manchmal uncool. Aber Bio wird auch diese Kunden zu erobern verstehen, wird sich dafür aber geschmacklich und äußerlich - und vermutlich auch im Preis - den konventionellen Produkten anpassen.
Das birgt Gefahren. Bio muss aufpassen, nicht austauschbar zu werden, und es könnte die Fairness entlang der Wertschöpfungskette verloren gehen. Nicht nur Kaffee sollte ein fair erzeugtes und gehandeltes Produkt sein, sondern auch die heimische Möhre, die Milch aus der Region, das Ei vom Direktvermarkter.
Vom Bauern über den Händler und den Verkäufer im Laden, vom Lastwagenfahrer, der Bio zu den Kunden bringt, bis hin zum Tier, das artgerecht gehalten werden will, muss Fairness oberstes Gebot sein. Das ist beileibe heute noch nicht der Fall.
Die Gerechtigkeit aber erfordert einen Preis, der wiederum Indikator für Fairness ist. Und den müssen die Kunden zahlen. Das tun sie nur, wenn sie um das Fairness-Problem wissen, also die Fakten transparent auf dem Tisch liegen.