Frankfurt a.M. "Ist der Käse auf Ihren Brötchen echt? Und der Käse und der Schinken auf dem Pizzastück?" Die Verkäuferin in der Frankfurter Bäckerei kann die Fragen ihres Kunden nicht beantworten und zuckt mit den Schultern. "Wenn da 'Käsebrötchen' steht, muss das auch Käse sein", betont das Verbraucherministerium in Wiesbaden.
Bei warmen Speisen wie Pizza, Spätzle oder Gratin, die nur so aussehen, als ob sie mit Käse überbacken wären, darf es durchaus auch ein Imitat sein, wie Hartmut König von der Verbraucherzentrale Hessen (VZH) erläutert.
Das werde aber immer mal wieder nicht angegeben. "Die Gastronomie hat den finanziellen Vorteil, und der Verbraucher das Nachsehen." Schummel-Käse werde fast ausschließlich in der Gastronomie angeboten, sagt König. "Den kann der Verbraucher so nicht erkennen."
Mogel-Schinken falle - zumindest in größeren Stücken - durch fehlende Muskelfasern auf. Zudem werde Döner-Kebab immer häufiger aus mehr als 90 Prozent Hackfleisch hergestellt. Der reine Fleischanteil liege dabei oft unter 50 Prozent, weil auch Sojaeiweiß, Stärke und Bindemittel verwendet würden. "Am Spieß auf Fleischscheiben achten", rät König. Per Definition dürfe Döner-Kebab maximal aus 60 Prozent Hackfleisch bestehen und müsse zudem 40 Prozent Fleisch enthalten.
Immer wieder etikettierten Imbisstuben, Gemeinschaftsküchen und Gaststätten die vom Zwischenhandel gelieferten Käse- und Schinkenimitate um und deklarierten sie in den Speisekarten als echt.
Die Einsparungen beim Käse beziffert König pro Pizza auf rund 25 Cent. Bei verpackten Tiefkühlpizzen sei Analogkäse seltener. Bei mancher Pizza betrage der Käseanteil aber laut Zutatenliste nur etwa zwei Prozent, normal seien zehn Prozent.
Etwa 90 Prozent aller hessischen Pizza keinen echten Käse
Der hessische Bauernverband schätzt dagegen, dass etwa 90 Prozent aller Pizzen keinen echten Käse aus Milch mehr enthalten. Rund 100.000 Tonnen Analogkäse würden nach Schätzungen pro Jahr in deutschen Lebensmitteln verarbeitet, sagt Generalsekretär Peter Voss- Fels.
Damit würden gewaltige Mengen an Milch eingespart. Um dieselbe Menge Käse aus Milch herzustellen, seien drei Viertel der hessischen Milchproduktion nötig. Er fordert eine deutliche Kennzeichnung: "Es muss Klarheit und Wahrheit herrschen."
Ein Verbot von Analogkäse sei gar nicht nötig. Die allermeisten Verbraucher würden sich bewusst für echten, aus Milch gemachten Käse entscheiden, wenn sie die Wahl hätten. "Das braucht auch gar nicht teurer zu sein", sagte Voss-Fels, denn die Preise für die einzelnen Zutaten hätten marginale Bedeutung am Endpreis. Das gelte für Pizza ebenso wie für Eis, in dem auch häufig die Milch durch Pflanzenfett ersetzt wird.
Verbraucher sollten beim Bäcker, an der Imbissbude, in der Kantine oder in der Gaststätte danach fragen, ob der Käse und der Schinken echt seien, und sich im Zweifelsfall die Verpackung zeigen lassen, rät König. "Es kann sein, dass der Anbieter es selbst nicht weiß."
Der Hotel- und Gaststättenverband Hessen (Dehoga) berichtet, viele Gastronomen könnten beim Einkauf nicht immer sicher feststellen, was etwa im "Pizzamix" tatsächlich verarbeitet wurde.
"Unsere Branche ist sensibilisiert und wachsam, aber auch die Lebensmittel herstellende Industrie ist aufgefordert, klar zu deklarieren", fordert der Präsident Reinhard Schreek. Die meisten Gastronomen distanzierten sich von den Ersatzprodukten. Der Verband kläre seine Mitglieder auf und arbeite an einer Infokampagne, "damit keine weiteren Deklarationsfehler unterlaufen".
Verbraucherschützer König fordert flächendeckende statt punktuelle Kontrollen der Gaststätten, Buden und Kantinen. "Dafür müsste die Zahl der Kontrolleure in etwa verdoppelt werden." Diese haben nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums seit Ende 2006 in der Gastronomie 106 Schinken-Proben genommen, mit der Auszeichnung auf der Speisekarte verglichen und mehr als zwei Drittel wegen irreführender Bezeichnung oder Wertminderung ohne Kennzeichnung beanstandet.
In Hessen seien bei den Kreisen und Kommunen rund 125 Lebensmittelkontrolleure beschäftigt. Dazu kommen noch 75 Amtstierärzte und 12 Fleischkontrolleure.
Verstöße gegen die Kennzeichnung von Schummel-Käse und Mogel- Schinken sollten bereits beim ersten Mal veröffentlicht werden, verlangt König. Das Ministerium hatte angekündigt, schwarze Schafe im Wiederholungsfalle im Internet zu nennen. Das hält König nicht für "sehr verbraucherfreundlich". Vorbildlich sei etwa Berlin-Pankow, für das es schon eine Liste unter anderem mit vielen Imbissbuden gebe. (dpa)