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Sterne für mehr Tierschutz: Neue Fleisch-Siegel vorgestellt

Glücklich ist, wer scharren kann: Werden Hühner artgerecht gehalten, haben sie viel Auslauf, Tageslicht und Beschäftigungsmöglichkeiten. Foto: Vier Pfoten Deutschland
Glücklich ist, wer scharren kann: Werden Hühner artgerecht gehalten, haben sie viel Auslauf, Tageslicht und Beschäftigungsmöglichkeiten. Foto: Vier Pfoten Deutschland

Bonn/Hamburg. Kann ich guten Gewissens Fleisch essen? Der Gedanke an Massentierhaltung schreckt so manchen ab. Neue Labels sollen Verbrauchern nun die Orientierung bei der Suche nach tierfreundlich erzeugtem Fleisch erleichtern.

Stammt das Fleisch in der Theke aus Massentierhaltung oder ist es artgerecht erzeugt? Für Supermarktkunden war das bislang kaum zu erkennen. Der Deutsche Tierschutzbund und die Tierschutzorganisation Vier Pfoten wollen jetzt Abhilfe schaffen: Sie vergeben neuerdings Siegel für tierfreundlich hergestelltes Fleisch. Produkte mit dem Vier-Pfoten-Label sind seit Anfang Januar bundesweit im Handel, seit Mittwoch (16. Januar) nun auch solche mit dem Kennzeichen des Tierschutzbundes.

Verbraucherschützer begrüßen die Idee zwar, kritisieren aber eine drohende Labelflut, der Kunden bald gegenüberstehen könnten. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) dagegen verspricht sich mehr Transparenz und eine leichtere Auswahl für Verbraucher. Ihr Haus hat die Entwicklung des Tierschutzbund-Labels finanziell gefördert. Da es auf EU-Ebene bislang nicht gelungen sei, sich auf eine verlässliche Tierschutzkennzeichnung zu verständigen, habe man sich für den Alleingang entschieden, erklärte sie.

Vorgeschrieben bei beiden Zeichen ist mehr Raum pro Tier, ein tiergerecht beschaffener Stall sowie die Möglichkeit zur Beschäftigung und zum Auslauf. Auch kürzere Transporte zum Schlachthof und eine wirkungsvolle Betäubung vor dem Schlachten sind Pflicht. Anders ist das laut Vier Pfoten bei Bio-Fleisch, bei dem sich die Standards ausschließlich auf die Haltung bezögen, nicht auch auf Transport und Schlachtung. Beide Organisationen bieten zwei Stufen ihrer Siegel an, um auch auf niedrigem Niveau Anreize für den Einstieg in die artgerechte Haltung zu schaffen. Für viele konventionelle Fleischerzeuger wäre schon das ein großer Schritt.

zunächst für Produkte von Masthühnern von Geflügelhöfen des zum Unternehmen Wiesenhof gehörenden Privathof-Konzepts und für Produkte von Mastschweinen des Handelsunternehmens Vion. Schon bei der «Einstiegsstufe» seien die Anforderungen deutlich höher als die gesetzlichen Regelungen, erläutert der Tierschutzbund.

Für die großindustrielle Tierhaltung sei das Label aber nicht erreichbar, weil es Gentechnik nicht erlaube und Obergrenzen für die Zahl der gemeinsam gehaltenen Tiere festlege. Die «Premiumstufe» entspreche den aktuellen Erkenntnissen im Tierschutz und sei Ziel für alle Tiere. Nach den Kriterien des Vereins Neuland erzeugtes Fleisch erfülle schon jetzt diese besonders hohen Anforderungen.

im Handel. Seit 7. Januar sind sie in allen Kaufland-Läden nun auch bundesweit erhältlich. Das Unternehmen Edeka bietet das Fleisch derzeit vereinzelt an. Geplant ist das Label auch für Mastschweine und -rinder.

Die «Ein Stern»-Einstiegsstufe ist der Organisation zufolge ein Kompromiss, der auch Ansätze in der konventionellen Landwirtschaft unterstützt, die in Richtung mehr Tierwohl gehen. Stufe zwei, als «Drei Sterne» bezeichnet, sieht darüber hinaus zum Beispiel vor, dass die Hühner auch Auslauf im Freien haben. Anders als beim Tierschutzbund gibt es bei beiden Stufen etwa Vorgaben zum Futter der Tiere und die Anforderung, dass ein schlachtreifes Hähnchen mindestens 56 Tage alt sein muss.

Grundsätzlich sei es eine sinnvolle Sache, Kriterien für die tiergerechte Erzeugung festzulegen und diese dem Verbraucher klarzumachen, sagte Hartmut König von der Verbraucherzentrale Hessen. «Es ist gut, wenn Tiere mehr Platz, besseres Futter und weniger Antibiotika bekommen. Negativ ist aber, dass das wohl nicht die einzigen Tierwohl-Zeichen bleiben werden.» Ein Wust von Zeichen könnte entstehen und die Verbraucher verwirren, befürchtet er.

König sieht in den neuen Labeln daher eher den Profilierungsversuch einzelner Organisationen, Hersteller und Handelsunternehmen. «Uns wäre eine gesetzliche Regelung lieber mit klaren Kriterien, die eingehalten werden müssen», sagte der Verbraucherschützer. Das sei zum Beispiel der Vorteil des europaweit gültigen Bio-Siegels: Alle Anbieter müssen sich an die damit verbundenen Vorgaben halten. Laut dem Tierschutzbund bringen Bio-Betriebe außerdem die Grundvoraussetzungen mit, um neben dem Bio-Label auch das neue Label zu tragen. (dpa/tmn)

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