Berlin. Wer günstig fliegen will, darf keine hohen Ansprüche stellen. So lautet das Fazit der Zeitschrift "Test" (Heft 3/2009), die zehn Fluggesellschaften geprüft hat. Am preisgünstigsten fliegt man demnach mit Ryanair und Easyjet. Dort lauern aber versteckte Zusatzkosten. Bei Information und Buchung schneiden Air Berlin, British Airways und Lufthansa am besten ab.
Die Stiftung Warentest hat drei Monate lang Flüge von deutschen Flughäfen nach Barcelona, Berlin, London, Paris, Rom, Wien und Mallorca verglichen. Nur Ryanair und Easyjet bekommen für Preisniveau und Verfügbarkeit die Bestnote.
Bei den Iren kostete der billigste Hin- und Rückflug (inklusive Steuern, Gebühren und Zuschlägen) zehn Euro, der teuerste 356 Euro. Im Schnitt musste der Kunde 144 Euro für Hin- und Rückreise zahlen.
Bei Easyjet liegt der Durchschnittspreis mit 166 Euro bereits deutlich höher. Es folgen Germanwings (193) und Iberia (202). Die höchsten Preise hatten im Schnitt Air France (308 Euro), Condor (269), British Airways (265) und Lufthansa (249).
Die Stiftung Warentest rät, möglichst früh zu buchen. Einen Monat vor dem Abflugtermin steigen bei fast allen Anbietern die Preise stark an. Scharf kritisieren die Tester fehlende Transparenz und Preistricks bei vielen Anbietern. Am schlechtesten schneiden hier Ryanair und Easyjet ab. Auch Germanwings und Condor kassierten bei der Preistransparenz die Note mangelhaft.
Mangelnde Preistransparenz
Besonders die seit November geltende EU-Verordnung werde oft missachtet, kritisiert die Stiftung. Die neue Gesetzeslage verlangt strikte Preistransparenz von den Fluggesellschaften. Dazu zählt insbesondere die klare Angabe von Endpreisen, und zwar bei der Buchung und in der Werbung. Das soll die bisher üblichen Lock-Tiefstpreise verhindern, die in der Regel nur auf dem Papier standen.
Bei Online-Buchungen sind seit November Voreinstellungen verboten, mit denen Kunden gerne mal Zusatzangebote untergeschoben werden. So kann der Flug am Ende der Buchungsklicks deutlich teurer sein als zu Beginn. Viele Anbieter ignorierten aber zunächst die neue Rechtslage und beharrten auf ihrem Geschäftsmodell, wonach der Kunde solche Zusatzangebote selbst wegklicken muss.
So waren weiterhin Versicherungsangebote voreingestellt (Condor, Easyjet, Germanwings, Ryanair), Gepäckkosten (Easyjet) oder bevorzugtes Einsteigen (Ryanair). Die Verbraucherzentralen haben daher inzwischen neun Billigflieger abgemahnt. Einige Anbieter haben eingelenkt und ihre Buchungssysteme im Internet mittlerweile gesetzeskonform angepasst.
Viel teuren Ärger verursachen zudem Umbuchungen und Stornos. Wer den Flug nicht antreten kann, hat meist das ganze Geld verloren. Zwar müssen Steuern und Gebühren - oft ein beträchtlicher Anteil am Flugpreis - eigentlich zurückgezahlt werden. Doch viele Anbieter versuchen das mit allen Tricks zu verhindern. Bei Ryanair und Easyjet erhielten die Tester keinen Cent zurück, obwohl sie hartnäckig darauf beharrten. Germanwings zahlte am Ende nur 48 Cent zurück - und zwar erst 79 Tage nach dem Flugstorno.
Umbuchen lohnt sich oft nicht
Auch Umbuchen lohnt sich nach Angaben der Stiftung Warentest oft nicht, weil die Anbieter dafür saftige Zuschläge verlangen. Pro Strecke werden meist bis zu 30 Euro fällig, für Hin- und Rückflug in der Regel 50 bis 60 Euro. Hinzu kommt die Differenz für den meist teureren neuen Flugschein. Unterm Strich ist eine neue Buchung daher oft billiger. Bei Air France ist Umbuchen gar nicht möglich.
Scharfe Kritik übt die Stiftung Warentest auch am Kleingedruckten. Alle Anbieter verwenden demnach in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen Klauseln, mit denen Kunden unzulässig benachteiligt werden.
Ryanair, Germanwings, Iberia und Air France fielen dabei besonders unangenehm auf. Beanstandet werden Klauseln zu Preiserhöhungen, Flugänderungen, Haftung, Datenschutz und Gebühren.
Untersucht habe die Tester auch die Pünktlichkeit der Flieger. Mit ebenfalls mäßigem Ergebnis: Jede zehnte Maschine kam mehr als eine Viertelstunde zu spät an.