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Verbraucherschützer: Handel kennzeichnet Mogel-Milch kaum

Steht Frischmilch drauf, ist nicht immer ungehandelte Milch drin. Eigentlich müssten die ESL-Produkte gekennzeichnet sein. Sind sie aber nicht, sagen Verbraucherschützer. Von Stephan Börnecke

Milch als Billigprodukt - Ein Appell:  Verbraucher sollten bewusster damit umgehen und nicht immer zur günstigsten Ware greifen.
Milch als Billigprodukt - Ein Appell: Verbraucher sollten bewusster damit umgehen und nicht immer zur günstigsten Ware greifen.
Foto: dpa

Die freiwillige Verpflichtung der Milcherzeuger, länger haltbare Milch durch entsprechenden Aufdruck von der Frischmilch abzugrenzen, scheint nach einer Übersicht der Verbraucherzentralen nicht zu funktionieren.

Nur ein Drittel der in 80 Geschäften gekauften 650 Milchtüten sei korrekt mit den Sätzen "länger haltbar" für ESL-Produkte (ESL: Extended shelf life, länger haltbar im Regal) oder "traditionell hergestellt" für Frischmilch bedruckt worden.

Stattdessen beherrschten immer noch Schriftzüge wie "maxi frisch" oder "extra lange frisch" die Produkte. Die Auseinandersetzung reiht sich ein in die Diskussionen über Käse- und Schinken-Imitate.

Entdeckt haben die Verbraucherschützer weiterhin, dass die ESL-Milch ungeachtet der veränderten Kennzeichnung ihren Siegeszug absolviert: In einem Drittel der Geschäfte gab es überhaupt keine Frischmilch mehr.

Der Milchindustrieverband entgegnete, die Molkereien würden sich an die Abmachungen halten. Es seien allerdings noch alte Verpackungen im Umlauf.

Unterdessen sind Details aus dem für Mittwoch mit Spannung erwarteten Milchberichts von EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel bekannt geworden. Laut Fachdienst Agra-Europe hat die Kommissarin aber nur alte Vorschläge zur Lösung der Milchkrise im Gepäck: Gezielte Hilfen für einzelne Farmer, bessere Vermarktungsstrategien oder eine verschärfte Durchsetzung von Strafzahlungen bei Überlieferungen des einzelnen Milchbauern gehörten dazu.

Nicht vorgesehen seien ein Einfrieren der Milchquoten ("kein Soforteffekt") oder Anreize für die Verfütterung von Milch im Stall. Und auch daran denkt die Kommission offenbar nicht: Abschlachtprämien für Kühe, wie in den USA praktiziert, seien dem Steuerzahler kaum plausibel zu machen.

Stattdessen schlägt die Kommission vor, von den Strafzahlungen bei Überproduktion ein Aussteigerprogramm für Milchbauern zu finanzieren. Zudem sollten Molkereien besser miteinander kooperieren, um ihre Verhandlungsmacht zu konzentrieren.

Die Kartellämter werden ermutigt, Wettbewerbsbedingungen besser zu überwachen. Denn der Markt funktioniere nicht richtig: So seien die Erzeugerpreise, die bei Bauern und Molkereien seit Ende 2007 in der EU je nach Produkt zwischen 18 und 49 Prozent gefallen und damit viel weit gesunken als die Einzelhandelspreise.

Autor:  Stephan Börnecke
Datum:  17 | 7 | 2009
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