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Vermutete Absprachen: Abzocke im Kaffee- und Süßwarenregal

Discounter scheinen sich mit Preissenkungen zu unterbieten. An jenem Tag, an dem eine weitere Runde startet, äußert das Kartellamt einen Verdacht: Wegen Preisabsprachen bezahlen wir in Wahrheit zu viel für bestimmte Produkte. Von Frank-Thomas Wenzel

Verbraucherparadies Deutschland? Die Lebensmittelpreise sind im Vergleich zu unseren europäischen Nachbarn extrem niedrig. Die Discounter treiben sich von einer Preissenkungsrunde zur nächsten. Doch nicht alle Produkte, die die Supermärkte offerieren, sind wirklich billig. "Es gibt durchaus Warengruppen, in denen erhebliche Gewinnspannen erzielt werden", heißt es im Kartellamt. Etwa bei Süßwaren.

Die Bonner Wettbewerbshüter haben in einer groß angelegten Razzia die Räume von 15 Unternehmen durchsucht. Darunter elf Handelsunternehmen. Verfahren gegen weitere Firmen seien "schriftlich eingeleitet worden", teilt die Behörde mit.

Zahlen wir zu viel für Lebensmittel?
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Foto: ddp

Mitarbeiter des Kartellamts und Polizisten waren auch bei den Branchengrößen wie Rewe, Edeka, Metro , Lidl und der Drogeriemarktkette Rossmann zu Besuch. Insgesamt waren mehr als hundert Leute im Einsatz. Die Untersuchung könne noch weitere Bereiche und Unternehmen erfassen, sagte ein Sprecher.

Die betroffenen Unternehmen versicherten, die Behörden bei ihren Ermittlungen zu unterstützen - das ist in solchen Fällen die Standardformulierung. In Branchenkreisen hieß es aber, Händler hätten sich zu einer aktiven Kooperation mit dem Kartellamt entschlossen, sie können so straffrei davon kommen.

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Auch gegen mehrere Herstellerfirmen wird ermittelt. Der Verdacht: Die Markenartikler sollen sich bei Süßwaren, Kaffee und Tiernahrung mit dem Handel "über die Gestaltung der Endverbraucherpreise abgestimmt haben", so ein Sprecher der Bonner Behörde.

Experten sprechen von vertikalen Kartellen. Und dafür gibt es heftige Geldbußen. Diese können theoretisch bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes betragen. Der Rahmen ist aber noch nie ausgeschöpft worden.

Bei Milch, Butter und anderen Lebensmitteln des täglichen Bedarfs - bei denen bestimmte Marken kaum eine Rolle spielen - unterbieten sich die Handelsketten, verdienen zum Teil nichts mehr an diesen Produkten. Damit sollen Kunden in die Märkte gelockt werden, das ist Teil der Mischkalkulation der Händler.

Umso teurer sind dann nach den Erkenntnissen des Bonner Beamten etablierte Markenartikel, etwa im Kaffee- oder im Süßwarenregal.

Nach Informationen der Frankfurter Rundschau ging es bei den Absprachen um die Festsetzung von Preisuntergrenzen. Dass Hersteller daran interessiert sind, leuchtet sofort ein. Das sichert hohe Margen.

Doch die Produzenten haben offenbar auch dafür gesorgt, dass Handelskonzerne sicher sein konnten, dass sich auch Konkurrenten an den abgesprochenen Minimalpreis halten. "Da wurde über Bande gespielt", so ein Insider.

Diese Praxis hat offenbar über mehrere Jahre reibungslos funktioniert. Davon profitierten dann auch die Händler: Bei Süßwaren oder Kaffee konnten die überhöhten Einkaufspreise - womöglich nebst Aufschlag - einfach an die Kunden weitergegeben werden. Zudem können die Handelsketten durch die teuren Markenprodukte ihre konkurrierenden Eigenmarken ebenfalls zu stolzen Preisen verkaufen.

Die Wettbewerbshüter haben bereits seit geraumer Zeit ein Auge auf die Lebensmittelbranche und den Handel. In der Vergangenheit hatte es unter anderem Durchsuchungen bei Kaffee- und Süßwarenherstellern gegeben.

Im Fall der Kaffee-Connection, bei der Strafgelder von insgesamt knapp 160 Millionen Euro gegen die Kaffeeröster Melitta, Dallmayr und Tchibo verhängt worden waren, hatte der Kraft-Konzern mit den Fahndern zusammengearbeitet und war so um ein Bußgeld herumgekommen.

Kraft ist ein Branchenriese, der unter anderem Jacobs-Kaffee und Milka-Schokolade herstellt. Insider vermuten, dass die deutsche Tochter des US-Konzerns auch im aktuellen Fall eine zentrale Rolle spielt. (mit rtr)

Autor:  Frank-Thomas Wenzel
Datum:  14 | 1 | 2010
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