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Verbraucher

15. Juni 2009

Versteckte Preiserhöhungen: Die Tricks der Verpackungskünstler

 Von MAXIMILIAN KURZ UND SEBASTIAN AMARAL ANDERS
Für Verbraucherschützer ist klar: Hinter den versteckten Preiserhöhungen steckt "Methode". Foto: dpa

Gleicher Ladenpreis, fast gleiche Verpackung, weniger Inhalt - das ist das Prinzip der Mogelpackungen. Verbraucherschützer warnen vor versteckten Preiserhöhungen bei mehr als 100 Fertigprodukten. Von Maximilian Kurz und Sebastian Amaral Anders Fotostrecken: Mogel-Lebensmittel und Mogel-Verpackungen

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Besonders nerven Armin Valet die Ausreden: "Das Produkt bleibt länger frisch, die Rohstoffkosten sind angestiegen, die Rezeptur wurde verbessert." Erklärungsversuche der Lebensmittelhersteller, warum sie den Packungsinhalt etwa bei Frischkäse, Knäckebrot oder Marmelade reduzieren, den Preis aber nicht entsprechend nach unten anpassen, kennt der Ernährungsexperte der Hamburger Verbraucherzentrale zur Genüge.

Für Valet aber ist klar: Hinter den versteckten Preiserhöhungen steckt "Methode". Gerade in Krisenzeiten haben die Hersteller schlechte Karten, auf andere Weise die Preise zu erhöhen.

58 statt 60 Gramm: Auch das ist eine Preiserhöhung.
58 statt 60 Gramm: Auch das ist eine Preiserhöhung.
Foto: Verbraucherzentrale Hamburg

Die Produzenten machen sich dabei die Einkaufsgewohnheiten der Verbraucher zu nutze, die im Supermarkt immer zu den gleichen Produkten greifen und dabei eher auf den Preis als die Packungsgröße achten. Doch gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise lohnt sich oftmals ein zweiter Blick.

Armin Valet und seine Kollegen haben zahlreiche Beispiele für versteckte Preiserhöhungen zusammengetragen und auf der Internetseite der Verbraucherzentrale veröffentlicht. Auf 24 Seiten finden sich mehr als 100 Produkte des täglichen Bedarfs, von Frischkäse über Konfitüre bis hin zu Spülmittel. "Dabei ist das nur die Spitze des Eisbergs", sagt Valet. Es würden bei weitem nicht alle Produkte aufgeführt, die von versteckten Preiserhöhungen betroffen seien.

Meist werde mit der Menge auch die Verpackung geringfügig verändert, damit die Preiserhöhung nicht so schnell auffalle, sagt Valet. Oft gehe es den Herstellern darum, einen sogenannten Schwellenpreis - etwa 1,99 Euro - zu halten, der den Verbrauchern attraktiv erscheine, so Valet. Diese Methode versteckter Preiserhöhungen ist zuletzt aber öffentlicher diskutiert worden, als den Herstellern lieb ist.

Zu verdanken haben die geschrumpften Packungen diese Aufmerksamkeit vor allem der EU-Richtlinie 2007/45/EG, die letzte festgelegte Nennfüllmengen für acht Produktgruppen kippt. Milch etwa oder Zucker darf seit dem 11. April in allen möglichen Größen verkauft werden.

Tatsächlich aber haben nur wenige Preiserhöhungen der vergangenen Monate, die sich in den kleineren Packungen verstecken, etwas mit der EU-Richtlinie zu tun. Die hat lediglich einen Restbestand an Verpackungsgrößen-Vorgaben liberalisiert, getrickst wird in den Regalen deutscher Supermärkte bereits seit Jahren.

Dennoch könnten die Produzenten künftig vermehrt darauf setzen, die Packungen möglichst unbemerkt zu verkleinern, fürchtet die Verbraucherzentrale. Zwar sind den Verbraucherschützern bislang noch keine Fälle bekannt, bei denen Hersteller die neue EU-Richtlinie dazu ausnutzen. Aber die Unübersichtlichkeit für den Verbraucher könne künftig weiter zunehmen, befürchtet Valet.

Abhilfe schaffen soll der so genannte Grundpreis des Produkts, etwa pro Kilogramm oder Liter, den Händler am Regal angeben müssen. "Leider haben wir beobachtet, dass die Grundpreise oft unleserlich klein, falsch oder gar nicht ausgezeichnet werden", so der Verbraucherschützer. Kunden werden überfordert, findet Valet. "Es steht alles irgendwo. Aber irgendwo ist das Problem. Alles zu vergleichen ist ein Vollzeit-Job."

Dem widerspricht Franz-Martin Rausch, beim Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) zuständig für Verbraucherpolitik. "Die Grundpreisangabe ist die transparenteste Form der Preisangabe", sagt Rausch. "Mogelpackungen" seien auch nach der EU-weiten Liberalisierung verboten.

Auch Kraft-Foods-Sprecherin Silke Trösch widerspricht den Verbraucherschützern, die unter anderem den Kraft-Frischkäse Philadelphia als heimlichen Preistreiber entlarvt haben. "Von einer Mogelpackung kann keine Rede sein, die Füllmenge steht mitten auf dem Deckel", entgegnet Trösch.

Die neue ovale Verpackung sei eingeführt worden, um den Doppelrahm-Frischkäse von der Konkurrenz abzuheben. Nicht etwa, um die kleinere Packung für den Kunden größer erscheinen zu lassen.

Beim Knäckebrot-Produzenten Wasa führten nach Angaben eines Sprechers "Kostengründe" zur Preiserhöhung um mehr als 34 Prozent für die Sorte "Roggen dünn". Zwar werde das Knäckebrot gut verkauft, erreiche aber nicht das gewünschte Ergebnis. "Wir standen vor der Entscheidung, die Sorte vom Markt zu nehmen oder eben den Preis zu erhöhen", lautet der Erklärungsversuch für die deutlich geschrumpfte Packung bei gleichbleibendem Preis.

Grundsätzlich spricht sich die Verbraucherzentrale nicht gegen Innovationen wie neue, bedarfsgerechte Packungsgrößen aus. Aber die Informationen müssten insgesamt durchschaubar sein, fordert Valet. So könnte zum Beispiel der Grundpreis in der Größe des Produktpreises und farblich abgesetzt am Regal stehen. "Das wäre zumindest eine Möglichkeit."

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