Aktuell: Zuwanderung Rhein-Main | Fotostrecken | Polizeimeldungen
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Verkehr und Pendler in Frankfurt/Rhein-Main
ICE, Regionalexpress, S-Bahn, U-Bahn, Straßenbahn - Alltag für Pendler im RMV. Genau wie die A3 und die A5 im Staumelder.

14. Juli 2014

Deutsche Bahn: Aus für den Autoreisezug

 Von 
Ein Bild aus dem Archiv: Ein Autoreisezug wird am Bahnhof Neu Isenburg beladen.  Foto: Sascha Rheker

Die Deutsche Bahn gibt ihr Geschäft mit Autozügen auf. Das "Aus" für das Verladeterminal Neu-Isenburg soll noch in diesem Jahr zum Fahrplanwechsel kommen.

Drucken per Mail
Neu-Isenburg –  

Die Bahnhofstraße freitagnachmittags noch vor gut einem Jahrzehnt: Die Fahrbahn ist komplett zugeparkt, Autos haben sich zu einer langen Schlange aufgereiht. Die Insassen sind ausgestiegen, plaudern über Herkunft, Ziel und Gott und die Welt. Autokennzeichen aus dem weiten Umkreis lassen erkennen, dass Neu-Isenburg wichtig ist, wichtig für diejenigen, die ihr Auto von der Bahn nach Italien oder Südfrankreich transportieren lassen und sich die strapaziöse Fahrt auf überfüllten Autobahnen sparen. Damit ist es bald vorbei: Mit dem Ende des Sommerfahrplans wird das Autoreisezug-Terminal Neu-Isenburg geschlossen. Für die Stadt endet damit eine Ära.

Gerüchte gab es schon lange, und immer wieder Dementis von der Deutschen Bahn. Noch im März hatte die Pressestelle der Deutschen Bahn der Frankfurter Rundschau auf Nachfrage versichert, dass „derzeit keine Änderungen beim Angebot von DB Autozug ab Neu-Isenburg geplant sind“. Vier Monate später ist diese Aussage nur noch Makulatur.

Noch in diesem Jahr Schluss

Vor wenigen Tagen ging es durch die Medien, dass die Deutsche Bahn ihr Geschäft mit Autozügen aufgibt. Ein Bahnsprecher, der namentlich nicht genannt werden möchte, erklärt, die Autozüge der DB würden „priorisiert nach Nachfragevolumen bis 2017 auslaufen“. Das heißt: Dann gibt es dieses Transportmittel nicht mehr.

Für das Verladeterminal Neu-Isenburg ist schon früher Schluss. Noch in diesem Jahr zum Fahrplanwechsel wird die Bahn das Angebot „Auto im Reisezug“ nicht mehr weiterführen. Das erfuhr Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos) gestern auf Nachfrage vom Hessen-Chef der Deutschen Bahn, Klaus Vornhusen. Das Stadtoberhaupt ärgert sich vor allem über die Informationspolitik des DB-Konzerns.

Wirtschaftlich spiele der Autoreisezug für Neu-Isenburg zwar kaum noch eine Rolle. „Aber dieses lange Zögern der Bahn hat alle unsere Aktivitäten behindert“, sagt er. Am Bahnhof plante die Stadt eine Toilettenanlage, die auch auf die Bedürfnisse der Autozug-Benutzer ausgelegt gewesen wäre – jetzt zeigt sich, dass es gut war, den in der Stadtverordnetenversammlung umstrittenen Neubau auf Eis zu legen.

Bahnsprecher schiebt schwarzen Peter weg

Der Bahnsprecher schiebt den schwarzen Peter weit weg: Man sei mit der Stadt Neu-Isenburg mit verschiedenen Themen in gutem Kontakt und habe daher auch frühzeitig die schwierige wirtschaftliche Situation beim Autozug signalisiert.

Mit „fehlender Nachfrage“ hat Vornhusen den Abschied vom Autozug Hunkel gegenüber begründet. Derzeit gibt es noch zwei Verbindungen: Freitagnachmittag nach Narbonne in Frankreich und nach Alessandria in Italien und Samstagabend zurück. Die Insel Sylt, das italienische Verona und das österreichische Villach wurden schon länger nicht mehr angefahren.

Nach Aussage des Bahnsprechers nutzten im Vorjahr rund 200 000 Fahrgäste die Autozüge; das seien weniger als ein Prozent der 131 Millionen jährlichen Fahrgäste im Fernverkehr der Bahn. 1999 zählte man noch 500 000 Fahrgäste, 2005 waren es noch 414 000 Fahrgäste. Allein im Jahr 2013 seien der Bahn so Verluste „in niedriger zweistelliger Millionenhöhe“ entstanden.

Verwunderlich ist das nicht: Autozug-Reisen sind teuer. Kunden sind beispielsweise mit rund 1000 Euro dabei, wenn sie ihr Auto nach Narbonne verladen lassen und dann im Schlafwagen mit Waschgelegenheit reisen wollen.

Alternative Beförderung geprüft

Mit „Auto&Zug“ prüft die Bahn seit Ende April eine alternative Beförderung. Kunde und fahrbarer Untersatz reisen dabei mit separaten Transportmitteln. Das Auto wird von DB Schenker per Güterzug oder per Lastwagen transportiert, sein Fahrer reist mit dem Zug. Eine Aussage, ob Neu-Isenburg in diesen Planungen eine Rolle spielen wird, könne erst nach Auswertung des Pilotprojektes gemacht werden, verlautete von Bahnseite.

Mehr dazu

Nachdem vor drei Wochen schon der Ticketschalter zumachte, ist unklar, was nach Schließung des Autozug-Terminals nun mit dem Gebäude passiert. Die Bahn prüfe, welche Räume weiter genutzt werden und welche für andere Zwecke angeboten werden können, erklärt der Bürgermeister. Er werde Nachricht erhalten, sobald diese Prüfung abgeschlossen sei. Die bestehende Infrastruktur werde vorerst weiter vorgehalten für den Fall, dass ein privater Betreiber Interesse für das Geschäft zeigt.

[ Lesen Sie jetzt das EM-Spezial der FR - digital oder gedruckt sechs Wochen lang ab 27,30 Euro. Hier geht’s zur Bestellung. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Spezial

ICE, Regionalexpress, S-Bahn, U-Bahn, Straßenbahn - Alltag für Hunderttausende Pendler in Rhein-Main. Genauso wie die A3 und die A5 im Staumelder. Verkehr und Pendler in Frankfurt und Rhein-Main - das Spezial.

Bahn-Verkehr

Die Lage im Bahnverkehr live:

- Frankfurt a.M. (Hbf) aktuelle Abfahrt und Ankunft,
- An- und Abfahrt für alle Stationen,
- Reiseverbindungen als Live-Auskunft (Prognosen).

Fotostrecke
Frankfurter Hauptbahnhof von oben

Der Frankfurter Hauptbahnhof - aus der Luft fotografiert von Sascha Rheker. Weitere Motive in unserer Premium-Galerie.

Anzeige

ANZEIGE
- Partner