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12. August 2013

Mainz Hauptbahnhof Zugausfälle: Ohne Halt in Mainz Hauptbahnhof

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"Zug fällt heute aus" - eintönige Anzeige am Mainzer Hauptbahnhof.  Foto: dpa

Seit heute lassen die Hälfte der S-Bahnen und weitere Züge den Mainzer Hauptbahnhof links liegen. Ist das ein verdeckter Streik der Fahrtdienstleiter? Welche Rolle spielt das Beinahe-Zugunglück von Mainz? Klar ist nur: Pendler und Reisende haben das Nachsehen.

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Mainz –  

Die Ansage ist automatisch, und sie erschallt seit heute quer durch das Rhein-Main-Gebiet zwischen Wiesbaden und Hanau: "Heute ohne Halt in Mainz Hauptbahnhof". Das "heute" klingt so, als wäre morgen alles vorbei. Diesen Optimismus hatte die Bahn schon zu vermitteln versucht, als zunächst vor allem späte Fernzüge einen Bogen um die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt machten. Seit heute wissen jene Pendler, die bereits aus dem Urlaub zurück sind: Das Chaos in Mainz ist nicht vorbei. Im Gegenteil: Es ist größer geworden.

Seit heute hält die Hälfte der S-Bahnen nicht mehr am Mainzer Hauptbahnhof. Betroffen von den Einschränkungen sind im Regionalverkehr auch die Linien Mainz–Alzey, Mainz–Worms, Mainz–Bad Kreuznach und Mainz-Bingen-Koblenz. Umgeleitet werden ferner IC- und ICE-Züge.

Den Dienstplan des zuständigen Stellwerks, den die Bahn als Grund der Einschränkungen nennt, kennt inzwischen die halbe Republik: Von 15 Fahrdienstleitern seien seien vier krank und drei im Urlaub - also nur acht im Dienst. Offenbar ändert sich daran auch nichts in der dritten Woche, seit die personellen Probleme zu spüren sind. Bahn und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) haben für Mittwoch in Frankfurt ein Spitzengespräch vereinbart. Daran werden auf Bahnseite Personalvorstand Ulrich Weber und die Personalchefs der Geschäftsbereiche teilnehmen.

Zunächst tat sich beachtlich wenig angesichts der Brisanz der Mainzer Ereignisse. Das schürt bei manchen den Verdacht, es gebe unterschiedliche Interessen daran, dass die Lage eskaliert. So zeigen manche auf die lokalen Verantwortlichen der Bahn, die sich vielleicht dank der bundesweiten Aufmerksamkeit Hoffnung auf zusätzliche Stellen machten. Andere sehen gar einen verdeckten Streik der Eisenbahnergewerkschaft EVG: Die wolle den Fahrtdienstleitern etwas Gutes tun, damit sie nicht abwandern und eine eigene Vertretung wie die Lokführer oder Piloten gründen.

Selbstverständlich weist die EVG diesen Verdacht als "ungeheuerlich" zurück. In der Mainzer Allgemeinen Zeitung schimpft die Gewerkschaft auf die Bahn, die Lage müsse ziemlich verzweifelt sein, wenn versucht werde, mit so unappetitlichen Mitteln von eigenen Versäumnissen abzulenken. Genauso empört ist die EVG freilich auch über die Idee von Bahn-Aufsichtsratsmitglied Patrick Döring, einige Urlauber dazu bewegen, früher als geplant zurückzukehren. "Unsere Kolleginnen und Kollegen brauchen ihren Erholungsurlaub dringend", sagte Vorsitzender Alexander Kirchner. "Jetzt den Kollegen den Schwarzen Peter zuschieben, die ihren Erholungsurlaub dringend brauchen, ist einfach nur schäbig."

Andererseits: Die Fahrtdienstleiter haben nach Angaben der EVG zahlreiche Überstunden angesammelt - und ihren Urlaub schon häufig verschoben. Stress auf Grund des Personalmangels hatten sie also schon genug. Und der kann gefährlich werden. Nach dem Beinahe-Zugunglück im Mainzer Hauptbahnhof, wo um ein Haar zwei S-Bahnen ineinander gefahren wären, ermitteln die Strafverfolger neben einer Lokführerin auch gegen einen Fahrdienstleiter. Möglicherweise war dieses Ereignis der Punkt, seit dem die Beschäftigten im Stellwerk nicht mehr bereit sind, in Dienstplanfragen die Fünf gerade sein zu lassen. Jedenfalls eskalierte die Lage unmittelbar nach dem gefährlichen Vorfall.

Die Konzernspitze der Bahn und der Bundesverkehrsminister duckten sich lange Zeit weg. Erst als die Resonanz kaum mehr zu überhören und die Personalsorgen noch heftiger wurden, äußerte sich der Chef der Bahntochter DB Netz, Frank Sennhenn: Die Einschränkungen seien nicht absehbar gewesen, sagte er. Das sehen Vertreter der Arbeitnehmer ganz anders. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) ließ sich zu einem Telefonat mit Bahnchef Rüdiger Grube hinreißen - was ihm die Schlagzeile brachte, er mache Mainz zur Chefsache. Verkehrsstaatssekretär Michael Odenwald soll sogar einen Brief an die Deutsche Bahn geschrieben haben. Nach großer Entschlossenheit klingt all das nicht. Kein Wunder: Dass Personal gespart wird, hat der Eigner der Bahn, der Bund, festgelegt und die Konzernspitze durchgezogen.

Nun heißt es, der Vorstand Produktion der DB Netz, Hansjörg Hess, werde von seinen Aufgaben entbunden. Man kann das interprtieren, als ziehe Bahnchef Grube tasächlich personelle Konsequenzen aus dem Bahnchaos in Mainz. Zugleich wird aber bekannt, dass dieser Schritt ohnehin schon geplant war. Das würde bedeuten, dass bisher eben keine Konsequenzen aus dem Beinahe-Zugunglück und den zahlreichen Ausfällen in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt gezogen wurden - weder personell, noch sonst welche.

Die Zeit dafür wäre gekommen. Mehrmals pro Stunde werden die Reisenden und Pendler per automatischer Ansage daran erinnert: "Ohne Halt in Mainz Hauptbahnhof".

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