Vilbel
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29. November 2012

Arbeitsmarkt: Dozent auf der Schulbank

 Von Claudia Isabel Rittel
Von Computern umgeben: Programmierer Günter Grimm in seinem Büro.  Foto: Rolf Oeser

Das Berufsförderungswerk kooperiert mit der Firma seines ehemaligen Schülers Günter Grimm. Grimm hat ein Programm zur Dokumentation von Netzwerken geliefert. Eine Dokumentation hat er dem Berufsförderungswerk jetzt geschenkt und eine Schulung noch dazu.

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Dass Günter Grimm mal seinen Dozenten unterrichten würde, hat er sich vor 30 Jahren wohl nicht vorstellen können. Kürzlich hat er aber genau das getan. Hat seinen ehemaligen Dozenten Lothar Gobst in eine komplexe von ihm entwickelte Software eingewiesen, die die Ausbildungseinrichtung neuerdings nutzt.

„Da gehen wir jetzt mal auf ’Räume’ und ’neu’“, sagt der 60-jährige Grimm und klickt eine Option im Computerprogramm an. „Die Etagen sind ja schon angelegt.“ Gobst und zwei weitere Mitarbeiter der IT-Abteilung des Berufsförderungswerks verfolgen alles aufmerksam über die per Beamer übertragene Darstellung an der Wand.

Später, fährt Grimm fort, werden Etagen und Räume miteinander verlinkt. Bis hin zu den einzelnen Computern werden alle Geräte, die eine Rolle im internen Netzwerk der Einrichtung spielen, in Grimms Programm eingegeben. Ist die Software mit all diesen Informationen gefüttert, lassen sich alle einzelnen Teile der IT-Infrastruktur der Einrichtung auf einen Blick erkennen, es entsteht eine Art Landkarte für das interne Netzwerk des Berufsförderungswerks. Tritt ein Problem auf, können die IT-Fachleute es von ihrem Schreibtisch aus mit wenigen Klicks lokalisieren, ohne im ganzen Haus herumzulaufen, ohne alle Geräte persönlich in Augenschein zu nehmen.

Knapp 1000 Computerarbeitsplätze gibt es in der Schulungseinrichtung, viele Drucker, mehrere Server und andere Netzwerkkomponenten. „So kann man genau verfolgen, über welche Geräte ein Rechner mit dem zentralen Server verbunden ist“, sagt Gobst. Der 63-Jährige ist der IT-Verantwortliche beim Berufsförderungswerk.

Bisher, sagt er, habe seine Abteilung die Standorte der Rechner, Drucker, Netzwerkkomponenten und 20 Server klassisch dokumentiert. Soll heißen: Mit händischen Zeichnungen und Excel-Listen. Mit der Software soll das jetzt einfacher werden.

Programm zur Dokumentation von Netzwerken

Dass Grimm, ein gelernter Koch. ehemaliger Lastwagenfahrer und Leiter eines Schnellrestaurants, heute ein gefragter Programmierer ist, hängt direkt mit seiner Umschulung im Berufsförderungswerk zusammen.

„Ich wollte unbedingt was mit Computern machen“, erinnert sich Grimm. „Und das Arbeitsamt sagte, dann müsste ich Informationselektroniker lernen – eine Lehre als Elektroniker plus Digitaltechnik. Dauer: zwei Jahre.

1981 ging's los. Nach dem Ende der Umschulung arbeitete Grimm zunächst als Techniker bei zwei deutschen Ablegern von amerikanischen IT-Unternehmen der ersten Stunde.
„Ich habe immer Sachen gemacht, die andere nicht gerne mochten“, sagt er. Während er sich zunächst überwiegend mit Hardware beschäftigte, wurde er 1992 damit betraut, ein Netzwerk für eine große Firma zu planen und einzurichten. Ein Projekt für fünf Millionen D-Mark.

Später wurde er beauftragt, das Netzwerk zu dokumentieren. „Ich hatte bis dahin von so etwas keine Ahnung“, sagt Grimm. „Aber ich hab das dann gemacht.“ Was eigentlich als Strafarbeit gedacht war, weil es nach dem Großprojekt Probleme zwischen Grimm und der Firma gab, wurde schließlich zum Grundstein seines eigenen Unternehmens.

Mitte der 1990er präsentierte er die Dokumentation als Muster auf der Computermesse Cebit. „Ich war dann fast so wie eine Firma in der Firma“, erzählt Grimm. „Hatte meine eigenen Ideen und konnte die umsetzen. Ein Vertriebskonzept zum Beispiel für entsprechende Dokumentationen. Damals, so Grimm, seien Netzwerke noch sehr, sehr selten dokumentiert worden.

Ein paar Jahre blieb er noch bei seinem Arbeitgeber, der Firma Memorex Telex in Eschborn. 2000 hat er mit Sightnet eine eigene Firma gegründet. Hat etwa die elektronischen Anlagen des Hamburger Hauptbahnhofs dokumentiert und alle Anlagen der Radeberger-Gruppe. Seit 2008 hat er auf Wunsch eines Kunden das Programm entwickelt, das inzwischen zu seinem Hauptprodukt geworden ist. Dem Berufsförderungswerk hat er sie geschenkt. Schulung inklusive.

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