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Vilbel
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27. Juli 2012

Bad Vilbel: Bislang viel versäumt

 Von Detlef Sundermann
Das Haus Frankfurter Straße 48, links die frühere Judengasse. Foto: Oeser

Bad Vilbel will eine jüdische Gedenkstätte zur Erinnerung an den Nationalsozialismus. Bislang sei zu viel versäumt worden. Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde ist darüber verärgert.

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Bad Vilbel wird in den nächsten Jahren seine jüdische Geschichte noch einmal aufarbeiten, und vor allem das Grauen und Leid, das den Vilbeler Juden in der Zeit des Nationalsozialismus angetan wurde. Im September 2014 soll die Ausstellung „Legalisierter Raub“ in der Quellenstadt Station machen. Außerdem soll eine Gedenkstube in der Frankfurter Straße 48 eingerichtet werden.

Dass hier bislang viel versäumt wurde, findet Rafael Zur. Seine Verärgerung hört man aus fast jedem Satz. „Es ist wenig passiert, was die Dokumentation von 500 Jahren jüdischen Lebens in der Stadt anbelangt“, sagt der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde. Die Juden hätten maßgeblich zum Wohl der Stadt gewirkt. Nachdem 1817 die Gewerbefreiheit für die Juden ausgesprochen worden war, eröffneten sie viele Läden an der Frankfurter Straße. Um 1933 lebten rund 80 Bürger jüdischen Glaubens in der Stadt.

Gedenktael darf nicht an Synagoge angebracht werden

„In zwei Stadtchroniken, die nach dem Krieg erschienen sind, spielen die Vilbeler Juden keine Rolle“, so Zur. Kaum ein Mensch wisse heute, wo das Haus steht, in dem sich einst die Synagoge befand. „Der Besitzer hat es nicht zugelassen, dass eine Erinnerungstafel angebracht wurde.“ In der Frankfurter Straße 48 sieht er nun den passenden Ort, um das geschichtliche Erbe dauerhaft zu vermitteln. Dort sollen die letzten Juden Bad Vilbels gewohnt haben. Alte und kranke Personen, die dort bis zu ihrer Deportation 1942 in die Vernichtungslager ghettoisiert worden sind. CDU und SPD wollen hierzu einen gemeinsamen Antrag in das Stadtparlament einbringen.

Die Kommune hat jüngst das Eckhaus zur einstigen Judengasse – heute Wasserweg – gekauft. Die Vorbesitzer drängten die Stadt dazu: sie sahen ihre Gesundheit durch die Tiefgaragenausfahrt des künftigen Ladenzentrums bedroht, dass sich gegenüber dem Gebäude befinden wird.

Ein Nutzungskonzept für eine Gedenkstube besteht noch nicht, sagt Rafael Zur. Gewiss ist, dass der Kurzwarenladen in dem Haus bleiben wird und die Museumsräume im ersten Obergeschoss eingerichtet werden. Zur favorisiert die Idee einer „Lehrstube“. Er erklärt: „Ich erzähle oft vor Schulklassen über die Juden in Bad Vilbel. Hierzu wäre die Lehrstube ein guter Ort.“

Eine Kommission soll sich mit dem Nutzungskonzept befassen, mit dabei wird der Verein für Heimatpflege und Geschichte sein. Dessen Vorsitzender Claus Kunzmann steht dem Anliegen offen gegenüber, hält den Standort aus baulicher und historischer Sicht aber für fragwürdig. „Das Eckhaus hat vermutlich nicht zur Judengasse gehört.“ Nicht bewiesen sei auch, dass es der Ort der Ghettoisierung sei. Er stützt sich hierbei auf die Forschung der Historikerin Berta Ritscher und ihr Buch „Geschichte der Vilbeler Juden“, das von den Stadtverordneten in Auftrag gegeben worden ist. Dort wird die Judengasse 2 genannt. Nach den Bauakten könne man bei der Frankfurter Straße 48 außerdem nicht mehr vom Originalhaus sprechen. Nach 1945 sei es dermaßen umgebaut worden, dass es letztlich ein Neubau sei. Werde dies hingenommen, stehe als Nächstes die Frage an, wie eine Wohnung im ersten Stock nach aktuellen Vorgaben zu einem Museum umgestaltet werden könne, gibt Kunzmann zu bedenken.

Fest steht, dass die Ausstellung „Legalisierter Raub“ des Fritz-Bauer-Instituts und des Hessischen Rundfunks kommt. Über Finanzamtakten soll der lokale Aspekt eingebaut werden. Dank der deutschen Bürokratie kann noch heute die „Arisierung“ von Immobilien und Geschäften nachvollzogen werden, und dass Juden ihre Flucht oft mit ihrem Hab und Gut bezahlen mussten. An dem Projekt werden eventuell Schulen beteiligt.

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