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19. Januar 2013

Karben: Das Schloss ist verkauft

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Über den Deal und die Zukunft des Museums wird heftig gestritten.

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Der Verkauf des Degenfeld’schen Schlosses an eine Karbener Investorengruppe ist perfekt. Am Montag will Erster Stadtrat Otmar Stein (CDU) die Investorengruppe in einer Pressekonferenz vorstellen und über die städtebaulichen Vorgaben und die Rahmenbedingungen des Verkaufs informieren.

Das denkmalgeschützte Schloss, das Anna Maria von Hutten-Stolzenberg zu Steinbach 1728 errichten ließ, gehörte gut 140 Jahre der Stadt. 1868 war es in den Besitz der Gemeinde Karben gewechselt, war unter anderem Sitz des Bürgermeisteramts.

Derzeit beherbergt des Schloss das Heimatmuseum, das Landwirtschaftsmuseum und das Trauzimmer. Das soll auch unter den neuen Besitzern so bleiben. An die Investorengruppe muss die Stadt allerdings pro Jahr für das Museum 50000 Euro Miete bezahlen. Dagegen lehnten sich die Grünen während der Haushaltsberatungen der Stadt auf. Sie wollten den Betrag mit einem Sperrvermerk versehen.

Die Grünen würden mit dieser Idee mangelndes Geschichtsverständnis offenbaren, warf ihnen daraufhin der Karbener FDP-Vorsitzende und Stadtverordnete Oliver Feyl vor. Im Karbener Heimatmuseum könnten „Erwachsene und Kinder einen Einblick in die vergangene Zeit ihrer Großeltern erleben“. Es sei ein wichtiger „Ort des Erlebens unserer früheren kulturellen und wirtschaftlichen Geschichte in Karben“.

Feyl meint aber auch, dass im Heimatmuseum „über viele Jahre nicht alles rund gelaufen“ sei. Man hätte weniger auf die Sammelleidenschaft hören und mehr den dokumentarischen Charakter des Museums betonen sollen, meint er.

Um die große Sammlung des Museums sorgt sich dagegen Ehrenstadtrat Hans Puchtinger (SPD). Er befürchtet, dass dafür unter den neuen Eigentümern nicht mehr genug Raum zur Verfügung stehen wird und spricht sich deshalb vehement gegen den Verkauf des Schlosses aus.

Er selbst sieht sein Engagement als „Kampf gegen Windmühlen“. „Wenn ich mit meinen Bedenken zu spät kommen sollte, dann liegt dies daran, dass die Öffentlichkeit nicht mehr informiert wird. Die Beschlüsse werden in Betriebskommissionen hinter verschlossenen Türen getroffen. Fragt einer, drückt sich jeder um eine Antwort.“

Laut Stadtrat Stein wird das Heimatmuseum auch unter den neuen Schlossbesitzern 450 Quadratmeter Ausstellungsfläche behalten, und das Landwirtschaftsmuseum bleibe mit 580 Quadratmetern Fläche bestehen. Ein Museum brauche aber nicht nur Ausstellungsfläche, meint Puchtinger. Für Archivierung, Restaurierung und um Sonderausstellungen und Aktionen vorzubereiten, würden Nebenräume benötigt.

Puchtinger weiß, wovon er spricht, denn er war, bevor er in Karben Erster Stadtrat wurde, in Frankfurt pädagogischer Mitarbeiter eines großen Museums, und er hat sich auch für das Karbener Museum engagiert. Er habe zur Sammlung des Museums beigetragen und habe sich, „wenn Not am Mann war, auch öfters einmal zu Museumsführungen überreden lassen und auch kleine handwerkliche Arbeiten ausgeführt“, berichtet er.

Die SPD-Fraktion hatte im Stadtparlament Anfang Dezember noch gegen den Schloss-Verkauf gestimmt. Inzwischen hat sie sich damit angefreundet. In den „vielen Verhandlungsrunden in nicht öffentlichen Sitzungen“ seien wichtige Punkte durchgesetzt worden, begründet der Fraktionschef Thomas Görlich. Die Vorschläge des Arbeitskreises Dorferneuerung seien berücksichtigt worden, die Museen und das Standesamt blieben erhalten und der Erlös aus dem Verkauf des Wohnhauses des Schlosses fließe in soziale Wohnprojekte.

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