Vilbel
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19. Januar 2013

Müllentsorgung: Die Landschaft als Müllkippe

 Von Detlef Sundermann
Feldschütz Marc Dudda findet illegal abgestellte Farbeimer.  Foto: Oeser

Sperrmüll, Bauschutt und Grünabfälle muss die Stadt für viel Geld entsorgen.

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Marc Dudda fährt in diesen Tagen manche Ecken auf der Bad Vilbeler Gemarkung häufiger ab als sonst. Er hält Ausschau nach illegalen Müllablagerungen. „Nach Weihnachten finden sich in der Landschaft vor allem Verpackungsabfälle wieder“, erzählt der städtische Feldschütz. In der Stadtverwaltung spricht man von erheblichen Kosten wegen der wilden Müllentsorgung.

Nach Angabe von Betriebshofleiter Stefan Hensel sammeln seine Leute pro Jahr im Wald, auf der Flur und auf Parkplätzen „Dutzende Tonnen“ abgekippten Mülls ein. Stadtpressesprecher Bastian Zander spricht von „umfangreichen finanziellen Mitteln an Personalkosten“, die die Beseitigung und Entsorgung verursache. Einen konkreten Betrag konnte er nicht nennen, weil die Aufgaben auf städtische Mitarbeiter verteilt werden. Für die Arbeit werden bei Bedarf vier Mitarbeiter von der Stadtreinigung abgezogen. Neben dem finanziellen Schaden für die Stadt, für den letztlich der Bürger mit seinen Steuern aufkomme, so Zander, stellten illegale Müllablagerungen eine Gefahr für die Umwelt dar.

Neben Privatleuten versuchen auch Betriebe oder Handwerker auf diese Weise in nächtlicher Stunde die Kosten bei der Entsorgung von gewerblichen Altlasten zu reduzieren, so Feldschütz Dudda. Die Art der Hinterlassenschaft verrät ihm das. In diesen Fällen wüssten vermutlich die Kunden nicht um die Praxis der Umweltsünder, sagt er

Typische Kandidaten seien Schwarzarbeiter, die beispielsweise den Müll von Wohnungsrenovierungen in der Landschaft entsorgten und Werkstätten, die sich auf diese Weise etwa auch problematischen flüssigen Mülls entledigten. „Bei Altöl muss bei der Entsorgung immer getestet werden, ob nicht vielleicht Bremsflüssigkeit beigemischt worden ist“, sagt Dudda. Sei dies der Fall, sei eine Recyceln des verbrauchten Schmierstoffs nicht möglich. Der Fund müsse dann gegen Gebühr als Sondermüll vernichtet werden. Richtig teuer kann es für die Stadt werden, wenn Altöl oder andere heikle Flüssigkeiten aus ihrem Behälter auslaufen. „Dann muss im großen Stil die Erde abgetragen und auf eine Sondermülldeponie gebracht werden.“

Die Hitliste beim illegen Ablagern führen Sperrmüll, Grünabfälle, Renovierungsreste, Elektrogerä-te und Autoteile an. Zu den ekelhaftesten Funden zählte für Marc Dudda im vergangenen Jahr eine große blaue Mülltüte voll mit verwesendem Fleisch. „Vermutlich stammte der Inhalt aus einem defekten Gefrierschrank“, so der Feldschütz. Anwohner meldeten den Fund, der an einem heißen Sommertag zum Himmel stank.

Über den Wohnort der Täter gibt es nur Mutmaßungen. Dies erklärt auch die geringe Erfolgsquote bei Ermittlungen, wenn sie denn überhaupt eingeleitet werden. Es werde bei jedem Fund nach Hinweisen auf den Verursacher gesucht, sagt Dudda. Doch die erhofften Indizien fänden sich nur selten. Wer erwischt wird, muss mit einem Verfahren rechnen, das im Einzelfall eine empfindliche Geldstrafe zur Folge haben kann. Laut Dudda soll jedoch auch die Einstufung des Delikts als bloße Ordnungswidrigkeit allemal erheblich teurer sein, als die bei manchen Gegenständen kostenpflichtige legale Entsorgung.

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