Vilbel
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28. November 2012

Neue Mitte: Schrecklich bis schön

 Von Meike Kolodziejczyk
Die Rohbauten stehen und die Dimensionen der Neuen Mitte werden deutlich. Foto: ROLF OESER

Die Rohbauten stehen in Bad Vilbel, die Dimensionen der Neuen Mitte werden deutlich. Die Meinungen dazu gehen auseinander. Die FR hat sich umgehört, was die Anwohner zur Neuen Mitte sagen.

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Bad Vilbel –  

Laster rumpeln über die Baustelle, Betonmischer röhren. Die Rohbauten stehen, längst sind die Dimensionen der Neuen Mitte deutlich. Über die Kosten der Mediatheksbrücke weiß man inzwischen, dass sie höher liegen als im Ursprungsplan vorgesehen: Statt 7,2 Millionen Euro wird das Prestige-Projekt wohl 9,2 bis 9,3 Millionen Euro kosten, 5,7 Millionen davon zahlt die Stadt, 1,5 Millionen der Immobilien-Eigenbetrieb, zwei Millionen die „Humanistische Stiftung“ von Hansgeorg Jehner. Die FR hat auf der Frankfurter Straße und im Kurpark Passanten gefragt, was sie von der Neuen Mitte halten – und ist auf ein geteiltes Echo gestoßen.

Die junge Mutter, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, „kann nicht verstehen, dass die Stadt die Kita-Gebühren erhöhen will, aber offenbar genug Geld und Kreativität hat, um eine Bücherei quer über die Nidda zu bauen“. Ein normales Gebäude hätte es ja wohl auch getan. Alice Felber kann sich zwar vorstellen, dass man das Geld auch „an anderer Stelle gut brauchen“ könne. Allerdings sei auch die Stadtbibliothek wichtig für Bad Vilbel, „und da besteht ja dringend Renovierungsbedarf“. Und wenn die Neue Mitte die Innenstadt „weiter belebt, finde ich das auch gut“.

Bad Vilbel etwas "verschlafen"

Bad Vilbel sei noch immer etwas „verschlafen“, sagt Wolfgang Stoecker, neue Geschäfte und Angebote könnten da Abhilfe schaffen. Er glaubt nicht, dass die alteingesessenen Einzelhändler darunter leiden, im Gegenteil. „Konkurrenz belebt das Geschäft.“ Timo Kruse, der in Schöneck wohnt, aber gern nach Bad Vilbel zum Einkaufen kommt, freut sich, dass in die „Neue Mitte“ gerade Läden „für jüngere Leute“ einziehen. Zudem gefällt dem jungen Vater „die Idee mit der Büchereibrücke“.

Fritz Worster gefällt sie nicht: „Das Ding passt einfach nicht zu Bad Vilbel.“ Man sei hier „ja nicht in Florenz“. Zudem wisse man noch nichts über die Folgekosten der Mediathek, „die ja zum Beispiel klimatisiert werden muss“. Trotzdem hoffe er, dass die Sache ein Erfolg wird, „sie kostet schließlich unser Geld“. Was das angehe, werde sie „eh nicht gefragt“, sagt eine Frau im Vorbeihasten. „Meinetwegen können die da auch den Maintower hinstellen.“

Ein Passant plädiert dafür, die Neue Mitte, für die bis 31. Januar 2013 noch Namensvorschläge eingereicht werden können, „O-Jeh-Min-e-Platz zu taufen – in Anspielung auf Hansgeorg Jehner und Stadtrat Klaus Minkel (CDU).

„Schrecklich und völlig übertrieben“ findet Christa Rein das Ensemble. „Das kleine Bad Vilbel, dieses Riesen-Gebäude, die enge Straße.“ Ähnlich sehen es auch Helga und Jörg Behling aus Wöllstadt, die früher in Bad Vilbel wohnten und die Stadt noch immer „sehr gern mögen“. Umso mehr „ärgern“ sie sich über das, was im Stadtzentrum derzeit gen Himmel und über die Nidda wächst.

„Fürchterlich und überdimensioniert“, sagt Helga Behling, „durch diese Betonklötze geht das Flair von Bad Vilbel verloren.“ Anne Binet fühlt sich „ein bisschen erschlagen“, glaubt aber, dass die Sache am Ende „gar nicht so schlecht aussieht“. Sie sei immer für die Neue Mitte gewesen, „weil sich Vilbel modernisieren muss“.

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