Vilbel
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19. Januar 2013

Quellenpark: Ein Bonbon für den Investor

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Auf Einladung der Grünen diskutieren Bad Vilbeler über Chinas Pläne für den Quellenpark – und über Menschenrechte.

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Grosshandelszentrum

Ein Großhandelszentrum für chinesische Waren soll im Quellenpark
entstehen. Der Pekinger Geschäftsmann Lu Changqing, Chef des Mischkonzerns Zhongqi Investment Group, will angeblich 700 Millionen Euro in das Projekt stecken – was die größte Direktinvestition Chinas in Deutschland wäre.

Die Kaufoption auf 27,6 Hektar große Grundstücke im Wert von 93,8 Millionen Euro hat sich Lu im Dezember über die familieneigene Firma BCT International Investment gesichert. Das Stadtparlament hat dem Angebot mit den Stimmen von CDU, FDP und FW zugestimmt.

Eine Städtepartnerschaft mit der
für Menschenrechtsverletzungen
berüchtigten Elf-Millionen-Metropole Linyi soll die wirtschaftlichen Beziehungen flankieren.

Die Sache wird allmählich ernster und konkreter, soviel steht fest. Immerhin. Doch etliche Fragen sind weiterhin offen. Noch immer weiß man nicht, was man sich vorstellen darf unter einem Großhandelszentrum im Quellenpark. Es ist unklar, was Bad Vilbel davon hat, wie viele Arbeitsplätze, welche langfristigen Einnahmen, welche Sicherheiten, welche Folgen. Außerdem: Wer ist dieser Investor Lu Changqing? Was will er? Was kann er?

Darum kreiste die Diskussion am Donnerstagabend im Haus der Begegnung, zu der die Bad Vilbeler Grünen eingeladen hatten. Ein gutes Dutzend Menschen war gekommen, um mitzudebattieren. Auch über die Frage, warum es inzwischen nicht mehr bloß um die Ansiedlung von Gewerbe, sondern auch um Wohnungen gehe. „Im Dezember sind wir überrascht worden mit der Ankündigung, dass es auch Wohnbebauung geben soll“, sagt Ulrich Rabl, Stadtverordneter der Grünen. Bis dato sei immer nur die Rede von einem Handelszentrum gewesen.

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Hannelore Rabl kritisiert, dass sich der Investor mit der Kaufoption auf mehr als 27 Hektar auch Flächen für Wohnungen gesichert habe. Diese hätten angesichts der angespannten Wohnungsbausituation in der Region allerdings problemlos anderweitig vermarktet werden können und seien somit „ohne Not“ den Chinesen versprochen worden.

Tatsächlich jedoch gliedere sich das Angebot in zwei Abschnitte, erläuterte Stadtsprecher Bastian Zander gestern auf Nachfrage. Der erste Abschnitt sei laut Bebauungsplan als reines Gewerbegebiet ausgewiesen und umfasse eine zusammenhängende Fläche von 15,2 Hektar, die – ungefähr – im Westen von der B3, im Osten von der Petterweiler Straße, im Norden von der L3008 und im Süden von der bestehenden Bebauung begrenzt werde. Weitere Grundstücke jenseits der B3 gehörten auch dazu. Der zweite, gut zwölf Hektar große Abschnitt sei als Mischgebiet ausgewiesen und umfasse das Gelände zwischen Petterweiler Straße und Bahntrasse sowie Grundstücke nördlich der L3008. 1000 Wohnungen seien dort vorgesehen.

Dieses „Filetstück“, dieses „Bonbon“ bekomme der Investor aber nur, wenn er auch den ersten Abschnitt für das Handelszentrum kaufe, betont Zander. Bis zum 30. September 2013 läuft die Frist, in der Lu das Angebot prüfen und sich entscheiden kann. Wenn er die Option für den ersten Abschnitt zöge, hätte er noch bis Ende 2014 Zeit, sich auch den Erwerb des zweiten zu überlegen.

Teilnehmer der Diskussion äußerten Bedenken, dass die Chinesen das Projekt allein durchzögen und ortsansässige Firmen und Arbeitnehmer nichts davon hätten. Auch auf geplatzte Deals mit China wie in Bad Orb wird verwiesen. Und natürlich geht es um das Thema Menschenrechte. Der eingangs gezeigte Film „Free China“ über das Schicksal zweier Falun-Gong-Anhänger wird jedoch von vielen als „zu pro-amerikanisch“ beurteilt. Auch fehlte vielen darin der Bezug zu Bad Vilbel.

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