Vilbel
Berichte und Bilder von allen wichtigen Ereignissen in der Wetterau

28. November 2012

Schlitzer von Echzell: Unverblümte Menschenverachtung

Aktensache Schlitzer. Foto: rolf k. wegst

Der rechtsradikale Patrick W., derzeit in Gießen unter Anklage wegen zig Vergehen, wollte angeblich aus der rechten Szene raus, wie er beteuert. Das hessische Ausstiegs-Programm "Ikarus" wollte ihn aber nicht. Die Begründung ist praktisch ein Urteil.

Drucken per Mail

Er wolle keinen Kontakt mehr haben zu seinen rechten Kumpels, er wolle sich überhaupt zurückziehen aus der Szene. Das hatte Patrick W., der sich „Schlitzer“ nennen lässt und bislang als Kopf der braunen Truppe „Old Brothers“ galt, vor einer Woche am 14. Verhandlungstag seines Prozesses am Landgericht Gießen erklärt. Bereits im Dezember 2011 habe er sich deshalb an das hessische Landeskriminalamt (LKA) gewandt und um Aufnahme in das Programm des „Informations- und Kompetenzzentrums Ausstiegshilfen Rechtsextremismus“ , kurz Ikarus, gebeten. Die „zwei komischen Typen“, mit denen er damals gesprochen habe, hätten ihn jedoch abgelehnt.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft faxte das LKA auf knapp drei Seiten die Begründung dafür, die am 15. Prozesstag am Montag vor den Plädoyers verlesen wurde – und die gewisse Zweifel am Distanzierungswillen des „Schlitzers“ nährt.

Mehr dazu

Rein strategische Motivation

So habe W.s Bewerbung eine „rein strategische Motivation“ zugrunde gelegen, heißt es in dem Schreiben. Sein Ziel sei es offenbar gewesen, die einschlägigen Verfahren, die Ende 2011 bereits gegen ihn im Gang waren, günstig zu beeinflussen. Im Gespräch mit den Beamten, das Anfang Dezember vergangenen Jahres in Wiesbaden geführt wurde, sei W. „sehr kontrolliert und selbstsicher“ und mit einer geradezu als „dreist zu bezeichnenden Überheblichkeit“ aufgetreten. Er habe „kokettiert“ damit, angeblich „viele gute Bekannte bei der Polizei zu haben“. Und er habe geprahlt mit seiner Geschäftstüchtigkeit, die sich bis ins „Rotlichtmilieu“ erstrecke.

Mit „abfälligem Grinsen“ sei er zum Beispiel über seine Nachbarn in Echzell-Gettenau hergezogen. Diese nämlich hatten schon länger zuvor begonnen, sich gegen das fragwürdige Treiben in „Old Brothers Castle“, wie W. seine Hofreite nannte, zu wehren.

"Gewisse Grundeinstellung"

Der heute 27-Jährige habe außerdem behauptet, „kein Rechtsextremist“ zu sein, sondern lediglich eine „gewisse Grundeinstellung“ zu besitzen. Auf Nachfrage habe er zugegeben, „bestimmte Bevölkerungsgruppen abzulehnen“ und ganz „unverblümt“ seine menschenverachtende Haltung zum Ausdruck gebracht.

Aus all diesen Gründen sei W. „kein Kandidat“ für Ikarus gewesen. Überdies sei es nicht Aufgabe des Programms, „Menschen ein Testat im Hinblick auf Unbelastetheit auszustellen“. (myk.)

Jetzt kommentieren

Übersicht

Wir informieren Sie aus der ganzen Region. Nachrichten aus Ihrer Stadt können Sie als Newsfeed abonnieren - klicken Sie bitte auf das orange Symbol.

Frankfurt

Rhein-Main

Bad Homburg, Hochtaunus

Bad Vilbel, Wetterau

Darmstadt

Kreis Groß Gerau

Hanau, Main-Kinzig

Main-Taunus

Offenbach

Kreis Offenbach

Wiesbaden

Anzeigenmarkt
Twitter
Umfrage

Die FR möchte auch nach wissenschaftlichen Maßstäben das Gerechtigkeitsempfinden erforschen. Dabei setzen wir auf Sie, liebe Leserinnen und Leser - und Ihre Beteiligung an einer wissenschaftliche Studie der Universität Köln.

Top Stellenangebote
Online-Kataloge
Anzeige
Sonderheft

Die Siebziger sind die Frankfurter Jahre. Von hier aus strahlt in die Republik, was das Jahrzehnt bestimmt: das Aufbegehren der Jugend, der Häuserkampf in und ums Westend, die terroristische Bedrohung der RAF - und die Flügelzange der Eintracht mit Grabowski und Hölzenbein.

FR-Geschichte: 70er Jahre in Frankfurt

Unser Sonderheft blickt zurück, dokumentiert Originaltexte und zeigt das Jahrzehnt in Bildern.

ANZEIGE
- Partner