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28. November 2012

Schlitzer von Echzell: Waffen in Tupper-Dosen

 Von Meike Kolodziejczyk
Aktensache Schlitzer. Foto: rolf k. wegst

Die rechten "Old Brothers" um den angeklagten Patrick W., genannt "Schlitzer", haben einen Koffer voller Waffen kreuz und quer durch die Wetterau verschoben. Immer auf der Hut vor Razzien durch die Polizei.

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Teilweise verpackt in Tupper-Dosen, verbuddelt unter einer Waschbetonplatte im Garten seiner Oma: So waren die Waffen etwa ein halbes Jahr lang versteckt. Bis er Ende 2010 Muffensausen bekam, weil die Polizei bei denen, die ihm das Ganze mehr oder weniger eingebrockt hatten, Haus und Hof durchsuchten.

Darauf, so schildert es der Zeuge am Freitag am Landgericht Gießen, habe er die Waffen ausgegraben und flugs bei seinen Eltern auf dem Dachboden verstaut. Ob das nicht „etwas dümmlich“ gewesen sei, wundert sich der Vorsitzende Richter Dietwin Johannes Steinbach. „Stellen Sie sich vor, Ihre Mutter hätte das Zeug gefunden, die hätte ja einen Herzinfarkt gekriegt.“ Nicht auszuschließen angesichts einer Maschinenpistole, eines Revolvers, einer Pistole, eines Schießkugelschreibers, zweier Schalldämpfer und etlicher Patronen.

"Einen Dummen gefunden"

„Die waren froh, dass sie einen Dummen gefunden haben, der das Zeug weggepackt hat“, vermutet der Zeuge. Die, das sind Patrick W.s Kumpels, die die Waffen offenbar zuvor aufbewahrt und wegen diverser Polizeirazzien von einem zum anderen geschoben hatten. Der 27-jährige W., Chef der rechtsextremen Truppe „Old Brothers“ und bekannt unter dem Namen „Schlitzer“, hatte bereits am Montag im Prozess gegen ihn eingeräumt, das Schießgerät im Winter 2009/10 in einem Koffer bekommen und auch benutzt zu haben. Unter anderem in seinem eigens für derlei Zwecke eingerichteten „Schießzimmer“ in seiner Hofreite in Echzell. Weil ihm der Besitz zu heikel wurde, gab er den Koffer weiter – woraufhin dieser die Runde machte in seinem Freundes- und Bekanntenkreis. Seit Februar 2011 allerdings habe er den Koffer nebst Inhalt nicht mehr gesehen, sagte W. aus. Erst vorige Woche habe er erfahren, wo er gelandet sei.

Da hatte die Polizei die Waffen bereits sichergestellt. Unter Verweis auf die erneut eingeleiteten Ermittlungen hatte die Staatsanwaltschaft dies am Montag noch nicht bestätigt. Am Freitag nun schilderten mehrere Zeugen, welchen Weg der Koffer nahm, nachdem W. im Juli 2011 verhaftet wurde, als er und sein Kompagnon mit 4,5 Kilo Amphetamin aus den Niederlanden zurückkehrten. Der dadurch aufgescheuchte Freundeskreis des „Schlitzers“ bugsierte eilends noch am selben Tag die Waffen vom Dachboden einer Freundin von W.s Gattin in besagten Garten der Oma – und entsorgte nebenbei auch die drei bis vier Gramm Drogen, die noch in einem Sitzpolster in W.s Tattoostudio versteckt waren. Weil es ihm zu schade gewesen sei, das Crystal Meth komplett im Klo runterzuspülen, habe er sich schnell noch „eine Nase davon reingezogen“, erklärt einer der Beteiligten.

Angst nach Razzien

Wie der Zeuge sich dazu hinreißen ließ, die Waffen für W., mit dem er offenbar nicht einmal eng befreundet war, zu verstecken, bleibt schleierhaft. Nach Razzien in seiner Wohnung und in Omas Garten wurde es ihm jedenfalls zu viel und er übergab im Oktober der Polizei die Waffen, die bis dato auf dem elterlichen Speicher lagerten. Damit lieferte er entscheidende Beweise für die Anklage wegen Verstoßes gegen das Waffen- und Kriegswaffenkontrollgesetz im Prozess gegen Patrick W., der sich außerdem wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz, wegen Volksverhetzung und Körperverletzung zu verantworten hat. Das Urteil wird voraussichtlich im Dezember fallen.

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