Export
Vor allem Osteuropa profitiert vom deutschen Boom
Stephan Kaufmann
Lastkraftwagen werden am Container Terminal Altenwerder im Hamburger Hafen (Archivbild)
Foto: dpa
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Tschechien, Polen und Ungarn liefern Investitionsgüter für die Exportoffensive. Die Iren und Griechen setzen hingegen weniger ab. Für alle Euro-Staaten in der Krise ist Deutschland ein wichtiger Handelspartner.

Der rasante Aufschwung der deutschen Wirtschaft seit dem Ende der Krise verdankt sich vor allem dem Exportüberschuss. Das Wirtschaftswachstum seit dem Konjunktur-Tief Anfang 2009 speiste sich zu fast 70 Prozent aus dem Außenbeitrag (Ausfuhren minus Einfuhren). Die deutsche Export-Offensive hat international viel Ärger ausgelöst: Deutschland saniere sich auf Kosten des Auslands, hieß es, insbesondere auf Kosten einiger Euro-Staaten. Die Bundesregierung konterte, von der wachsenden deutschen Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen profitierten auch andere Länder. Das stimmt – der Nutzen ist jedoch ungleich verteilt.

Für alle Euro-Staaten, die derzeit in einer Schuldenkrise stecken oder davon bedroht sind, ist Deutschland ein wichtiger Handelspartner. Für Italien und Griechenland ist es der wichtigste Absatzmarkt, für Portugal und Spanien steht es immerhin an zweiter und für Irland an vierter Stelle. Die Bedeutung Deutschlands ist allerdings geringer, als die Zahlen vermuten lassen. Italien und Portugal liefern nur 13 Prozent aller Ausfuhren nach Deutschland, im Fall Griechenland und Spanien sind es elf und im Fall von Irland gerade mal acht Prozent, errechnete die Bank Unicredit.

Wesentlich abhängiger von der deutschen Nachfrage ist man dagegen in Mittel- und Osteuropa, also in jenen Ländern, die als verlängerte Werkbank der hiesigen Industrie gelten. Beispiel Tschechien, wo viele deutsche Autokonzerne produzieren lassen. Jedes dritte Exportgut des Landes geht nach Deutschland, in Polen und Ungarn ist es immerhin jedes Vierte. Große Abhängigkeit besteht auch bei Österreich (32 Prozent der Exporte gehen nach Deutschland) und den Niederlanden (26 Prozent).

Aus diesen Ländern bezieht Deutschland vor allem Investitionsgüter – also genau das, was es für den hiesigen Aufschwung und für die Exportoffensive braucht. Dementsprechend profitiert bislang vor allem Osteuropa vom deutschen Aufschwung. So lagen Tschechiens, Polens und Ungarns Ausfuhren nach Deutschland im ersten Quartal 2011 um 20 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Starke Gewinner sind laut Berechnungen von Unicredit auch Österreich und die Niederlande.

Portugal und Spanien haben zwar ebenfalls zugelegt. Nicht gut sieht es aber bei den Euro-Krisenstaaten Irland und Griechenland aus: Ihr Export nach Deutschland ging sogar zurück. Beide Länder führen noch immer sehr viel weniger Waren nach Deutschland aus als vor der Krise.

Das ist kein Zufall: Denn was die Iren hierzulande verkaufen, sind zu 70 Prozent Konsumgüter, bei den Griechen machen sie ungefähr die Hälfte aus. Und der deutsche Verbraucher ist bislang kein Wachstumsmotor. Obwohl die Arbeitslosigkeit stark zurückgeht, reichen die Einkommenszuwächse bislang nicht aus, um einen Konsumboom zu entfachen. Das könnte sich zwar ändern. Dieses Jahr dürfte die deutsche Wirtschaft abermals mehr als drei Prozent wachsen, die Binnenwirtschaft soll den Aufschwung verstärkt tragen. Doch dürfte dies kaum dazu führen, die Handelsungleichgewichte in Europa und die deutschen Exportüberschüsse stark zu verringern. Beispiel Portugal: Das Land verkaufte in den vergangenen Monaten zwar mehr nach Deutschland, gleichzeitig wuchsen die Importe aus Deutschland aber noch stärker, so dass Portugals Handelsbilanzdefizit gewachsen ist. Fazit: Aus Deutschland wird wohl keine „Lokomotive der Weltwirtschaft“, erwartet die Deutsche Bank.

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