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Polizeigewalt und Rassismus-Vorwürfe
Rassismus-Vorwürfe gegen Polizei und Sicherheitsdienste im Rhein-Main-Gebiet häufen sich. Eine Sammlung solcher Fälle und der Debatte darüber.

28. Oktober 2013

Bahn-Sicherheitsdienst Rassismus: „Hau ab, du Nigger“

 Von 
Sicherheit wiederhergestellt: Bahn-Mitarbeiter im Einsatz, fotografiert von Daniel Mack.

Weil Mitarbeiter der Bahn einen Mann mit Schlagstöcken verprügeln, fragt der Politiker Daniel Mack am Hauptbahnhof nach dem Problem. Am Ende wird Mack selbst bedroht.

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Weil Mitarbeiter der Bahn einen Mann mit Schlagstöcken verprügeln, fragt der Politiker Daniel Mack am Hauptbahnhof nach dem Problem. Am Ende wird Mack selbst bedroht.

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Daniel Mack erhebt schwere Vorwürfe gegen Sicherheitsmitarbeiter der Deutschen Bahn. Fünf Angestellte des Unternehmens, vier Männer und eine Frau, haben nach Angaben Macks einen 18 Jahre alten dunkelhäutigen Mann am Samstagabend kurz vor 21.30 Uhr im Frankfurter Hauptbahnhof mit Schlagstöcken misshandelt.

„Die 20 bis 30 umherstehenden Passanten haben nicht reagiert“, berichtet Mack. Der 27 Jahre alte Politiker, dessen Vater aus Sri Lanka stammt, näherte sich demnach dem Ort des Geschehens und fragte, was los sei. Als er begann Bilder mit seinem Smartphone zu machen, habe ihm ihm die Mitarbeiterin entgegnet: „Hau ab, du Nigger!“

Ein anderer Mitarbeiter habe versucht ihm das Handy wegzuschlagen. Zu ihrem Kollegen habe die Sicherheitsmitarbeiterin gesagt: „Nimm ihn fest und leg ihn auf den Boden.“ Das geschah jedoch nicht, da mittlerweile zwei Bundespolizisten eingetroffen waren und sich der Sache annahmen.

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Flucht und Gerangel

Ralf Ströher, Sprecher der für den Bahnhof zuständigen Bundespolizei, schildert den Vorfall so: Der 18-Jährige sei ohne Fahrschein unterwegs gewesen und von den Kontrolleuren erwischt worden. Am Hauptbahnhof angekommen, habe der junge Mann die Flucht über die Rolltreppe versucht, sei aber von den Bahnmitarbeitern gestellt worden.

Dabei sei es zum Gerangel gekommen, und dem 18-Jährigen seien Handschellen angelegt worden. Zuvor hätten die Bahnangestellten die Polizei gerufen. Es wurden zweierlei Strafanzeigen gestellt: wegen Schwarzfahrens gegen den 18-Jährigen, wegen Körperverletzung gegen die Sicherheitsleute. Zum Schlagstockeinsatz gegen den 18-Jährigen konnte Ströher nichts sagen. „Das werden die Vernehmungen ergeben.“

Daniel Mack hatte unmittelbar nach dem Vorfall sein Bild bei Twitter hochgeladen und geschrieben: „Deutsche Bahn Mitarbeiter haben Migranten geschlagen. I-Phone wurde mir weggeschlagen und ,Hau ab, du Nigger‘ gerufen.“ Das Bild wurde mittlerweile 245-mal auf Twitter geteilt. Das Social-Media-Team der Deutsche Bahn reagierte umgehend. „Ich habe sofort eine Mail bekommen, in der sie sich entschuldigt haben“, sagt Mack. Er habe anschließend den Vorfall geschildert und hofft jetzt auf Identifizierung der Sicherheitsbeamten. Mack will Strafanzeige wegen Beleidigung stellen.

Wegen Körperverletzung und Beleidigung war es bereits wiederholt zu Strafanzeigen gegen Sicherheitsmitarbeiter der Deutschen Bahn gekommen. Die Bahn teilte mit, die Vorwürfe so schnell wie möglich aufklären zu wollen.

Daniel Mack sagt, er habe schon öfter miterlebt, „dass sich einige Sicherheitsmitarbeiter der Bahn wie Polizisten aufspielen“. Er beobachte häufiger, wie Menschen – vor allem mit dunkler Hautfarbe – gegängelt würden. Das Problem sei, dass die Betroffenen nicht wissen, wo sie sich hinwenden sollen. „Wenn ich das sehe, werde ich mich immer wieder einmischen“, erklärt Mack.

Update: Die Bundespolizei nimmt Ermittlungen auf, und Mack fordert Deeskalationsschulungen für das Bahn-Personal. Die Details zur Weiterentwicklung des Falls.

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