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Polizeigewalt und Rassismus-Vorwürfe
Rassismus-Vorwürfe gegen Polizei und Sicherheitsdienste im Rhein-Main-Gebiet häufen sich. Eine Sammlung solcher Fälle und der Debatte darüber.

29. Oktober 2013

Bahn-Sicherheitsdienst Rassismus: Bundespolizei nimmt Ermittlungen auf

 Von 
Sicherheit wiederhergestellt: Bahn-Mitarbeiter im Einsatz, fotografiert von Daniel Mack.

Nach den rassistischen Beleidigungen durch Sicherheitsmitarbeiter der Bahn gegenüber dem Grünen Daniel Mack nimmt die Bundespolizei Ermittlungen auf. Der Politiker fordert Deeskalationsschulungen für das Personal. Die Bahn ist um eine interne Klärung bemüht.

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Frankfurt a.M. –  

Daniel Mack musste viele Interviews geben, nachdem die FR berichtet hatte, dass er nach eigenen Angaben von Sicherheitsmitarbeitern der Deutschen Bahn rassistisch beleidigt worden war. Der Landtagsabgeordnete der Grünen hatte via Twitter öffentlich gemacht, wie ein 18-jähriger Schwarzfahrer am Frankfurter Hauptbahnhof am Samstagabend von Bahnmitarbeitern verprügelt worden sei. Als er sich eingemischt habe, sei ihm das Handy weggeschlagen und er von einer Bahn-Mitarbeiterin mit den Worten „Hau ab, Du Nigger“ beleidigt worden.

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„Ich habe sehr viele Nachrichten bekommen“, sagte Mack der FR. Wie sehr die Menschen die Angelegenheit bewegt, zeigt auch, dass Tausende Facebook-Nutzer den FR-Artikel ihren Freunden zur Lektüre empfohlen haben. Viele hätten ihm von ähnlichen Vorfällen berichtet, sagt Mack. Einer sei sogar am Samstag dabei gewesen und bereit, sich als Zeuge zur Verfügung zu stellen. „Andere haben mir geschrieben, dass sie jetzt besser aufpassen werden“, sagte der 27-Jährige, dessen Vater aus Sri Lanka stammt.

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Die Deutsche Bahn ist darum bemüht, den Vorfall intern zu klären. Die Bahnmitarbeiter dürften einen Schwarzfahrer vorläufig festnehmen, wenn die Polizei nicht zur Personalienfeststellung sofort verfügbar sei, erklärte eine Sprecherin der Bahn auf FR-Anfrage. „Die betreffende Person kann in diesem Fall durch die Bahnmitarbeiter bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten werden.“ In jedem Fall müsse umgehend die Polizei hinzugezogen werden. Sollte die Person versuchen zu fliehen, „ist auch das Anwenden von körperlicher Gewalt im Rahmen der Verhältnismäßigkeit zulässig“, so die Sprecherin.

„Die dürfen auch nicht mehr, als ich tun“, sagt Mack. Er wisse, dass die Bahnmitarbeiter keinen leichten Job hätten, aber ihnen müsse bewusst sein, dass sie einen großen Konzern repräsentieren, der für Umwelt- und Familienfreundlichkeit wirbt. Er sei der Bahn dankbar, sich umgehend bei ihm gemeldet zu haben. Er erhofft sich, dass die Sicherheitsbeamten besser geschult werden. „Sie müssen deeskalierend wirken, den Dialog verbessern und sorgsamer vorgehen“, so Mack.

„Leider häufen sich in Frankfurt die ,Einzelfälle‘, in denen Fahrscheinkontrollen in rassistische Übergriffe ausarten“, kommentierte Ulrich Wilken, der Landesvorsitzende der Linken. Dass Mack den Vorfall dokumentiert habe, sei ein gutes Beispiel für Zivilcourage, „von der wir uns mehr wünschen“. Wilken forderte, dass es zu arbeitsrechtlichen und -organisatorischen Konsequenzen für die handelnden Personen kommen müsse.

Für Daniel Mack ist ganz entscheidend, dass es einfacher wird, solche Vorfälle zu dokumentieren oder die Dienstnummern der Bahn-Mitarbeiter herauszufinden. Da nicht jeder über einen Twitter-Account verfüge, müsse es Telefonnummern geben, an die sich Betroffene und Zeugen wenden können. Auch die Möglichkeit, Bilder in der Bahn-App für Smartphones hochzuladen, sei für ihn denkbar. Die Bundespolizei hat derweil die Ermittlungen aufgenommen. Allerspätestens übernächste Woche sollen alle Beteiligten befragt werden.

Lesen Sie hier den Ausgangstext zum Thema: "Hau ab, du Nigger."

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