Zumindest zwei der Polizisten, die Derege Wevelsiep nach einer Fahrkartenkontrolle in der U-Bahn verprügelt haben sollen, sind bereits zuvor in einem ähnlichen Fall auffällig geworden. Nach FR-Recherchen gab es gegen die beiden Beamten des 6. Polizeireviers bereits im April eine Strafanzeige, ebenfalls wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt. Das bestätigte am Freitag auf Anfrage der Anwalt eines Mannes, der damals wegen eines harmlosen Vorfalls an die Polizisten geraten war und hinterher über erhebliche Verletzungen klagte. Demnach sind die Namen der Beamten identisch mit jenen im aktuellen Fall. Die Staatsanwaltschaft wollte sich dazu am Freitag nicht äußern.
Es war ein empörter Aufruf via Facebook. Er brauchte etwas Anschub und dann wurde die Aufforderung, gegen Rassismus in der Polizei und für Solidarität mit dem Gewaltopfer Derege Wevelsiep zu demonstrieren, viral.
Foto: Alex KrausDer Mann, der die Polizisten beschuldigt, gibt an, nach einem Eintracht-Sieg betrunken mit seiner Freundin im Taxi am Streifenwagen der beiden Polizisten vorbeigefahren zu sein und gestikuliert zu haben. Daraufhin hätten diese das Taxi gestoppt. Dann hätten sie den Eintracht-Fan aus dem Wagen gezerrt, zu Boden geworfen und gefesselt. Dabei habe er zahlreiche Verletzungen erlitten. Dokumentiert worden war der Vorfall von der Freundin mit einem Smartphone. Auf seine Anzeige hin hätten die Beamten eine Gegenanzeige wegen Beleidigung erstattet. Nach ihren Angaben habe er ihnen den Mittelfinger gezeigt.
Die Staatsanwaltschaft leitete kein Ermittlungsverfahren gegen die Beamten ein. Sie wurden um eine schriftliche Stellungnahme gebeten. Einer der beiden erhob darin die Forderung nach Schmerzensgeld, weil er sich bei der Festnahme ebenfalls verletzt habe. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen. Der Anwalt hat Beschwerde eingelegt.
Zwei Männer stützen am 30.09.2010 im Schlossgarten in Stuttgart den verletzten Dietrich Wagner. Bei einer S 21 Demonstration wird er durch einen Wasserwerferstrahl schwer verletzt, der ihn direkt ins Gesicht trifft. Das linke Auge Wagners bleibt völlig zerstört, die Sehkraft des anderen Auges beträgt lediglich noch 8 % und reicht nicht mehr zum Lesen oder Autofahren reichen. Die Stuttgarter Polizei wirft Wagner eine Mitschuld vor, da er sich „nicht weggeduckt“ habe.
Foto: dpaDenselben Beamten wird vom 41-jährigen Derege Wevelsiep vorgeworfen, ihn am 17. Oktober an der U-Bahn-Station Bornheim-Mitte bewusstlos geschlagen zu haben. Zuvor soll er ebenso wie seine Verlobte von Kontrolleuren rassistisch beleidigt worden sein. Bereits am Mittwoch war Wevelsiep von der Staatsanwaltschaft in einer mehrstündigen Befragung angehört worden. Dabei wurden ihm auch Bilder vorgelegt, die offenbar von den Beamten geschossen worden waren. Sie zeigen seinen blutenden Kopf im Würgegriff eines der Polizisten. Wevelsiep gibt an, sich nicht daran erinnern zu können, dass diese Bilder von ihm gemacht wurden.
Die Fall Wevelsiep hatte am Donnerstag für eine ausführliche Debatte im Frankfurter Stadtparlament gesorgt. Verkehrsdezernent Stefan Majer hatte dabei Konsequenzen angekündigt.
Ein Schwarzer gerät in der U-Bahn in Konflikt mit Fahrkarten-Kontrolleuren und der Polizei Frankfurt. Am Ende liegt er im Krankenhaus. Die Polizei sieht sich Rassismus-Vorwürfen ausgesetzt. Das Spezial.
Derege Wevelsiep steigt Mitte Oktober mit gültigem Fahrausweis in eine Frankfurter U-Bahn - und wird nach einem Wortgefecht mit Kontrolleuren von herbeigerufenen Polizisten verprügelt.
Wegen seiner Verletzungen muss er drei Tage im Krankenhaus bleiben.
Die Frankfurter Polizei ermittelt intern gegen vier Beamte des 6. Reviers, die der äthiopischstämmige Diplom-Ingenieur beschuldigt, ihn geschlagen zu haben. Sein Anwalt wirft den Beamten Hausfriedensbruch, Beleidigung und Körperverletzung vor.
Im Internet bricht ein Sturm der Entrüstung los, über soziale Netzwerke wird eine Solidaritäts-Demo organisiert.
Auch der Landtag befasst sich mit dem Fall.
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