Polizeigewalt und Rassismus-Vorwürfe
Rassismus-Vorwürfe gegen Polizei und Sicherheitsdienste im Rhein-Main-Gebiet häufen sich. Eine Sammlung solcher Fälle und der Debatte darüber.

16. November 2012

Fall Wevelsiep: Polizisten schon einmal unter Verdacht

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Derege Wevelsiep am Tatort. Foto: Christoph Boeckheler

Neue Details im Fall Wevelsiep: Gegen zwei der Polizeibeamten, die auf den Deutsch-Äthiopier eingeprügelt haben sollen, bestand schon einmal der Verdacht, einen Mann traktiert zu haben. Der Eintracht-Fan erstattete damals Anzeige gegen die Polizisten.

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Zumindest zwei der Polizisten, die Derege Wevelsiep nach einer Fahrkartenkontrolle in der U-Bahn verprügelt haben sollen, sind bereits zuvor in einem ähnlichen Fall auffällig geworden. Nach FR-Recherchen gab es gegen die beiden Beamten des 6. Polizeireviers bereits im April eine Strafanzeige, ebenfalls wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt. Das bestätigte am Freitag auf Anfrage der Anwalt eines Mannes, der damals wegen eines harmlosen Vorfalls an die Polizisten geraten war und hinterher über erhebliche Verletzungen klagte. Demnach sind die Namen der Beamten identisch mit jenen im aktuellen Fall. Die Staatsanwaltschaft wollte sich dazu am Freitag nicht äußern.

Der Mann, der die Polizisten beschuldigt, gibt an, nach einem Eintracht-Sieg betrunken mit seiner Freundin im Taxi am Streifenwagen der beiden Polizisten vorbeigefahren zu sein und gestikuliert zu haben. Daraufhin hätten diese das Taxi gestoppt. Dann hätten sie den Eintracht-Fan aus dem Wagen gezerrt, zu Boden geworfen und gefesselt. Dabei habe er zahlreiche Verletzungen erlitten. Dokumentiert worden war der Vorfall von der Freundin mit einem Smartphone. Auf seine Anzeige hin hätten die Beamten eine Gegenanzeige wegen Beleidigung erstattet. Nach ihren Angaben habe er ihnen den Mittelfinger gezeigt.

Staatsanwaltschaft leitet kein Verfahren ein

Die Staatsanwaltschaft leitete kein Ermittlungsverfahren gegen die Beamten ein. Sie wurden um eine schriftliche Stellungnahme gebeten. Einer der beiden erhob darin die Forderung nach Schmerzensgeld, weil er sich bei der Festnahme ebenfalls verletzt habe. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen. Der Anwalt hat Beschwerde eingelegt.

Denselben Beamten wird vom 41-jährigen Derege Wevelsiep vorgeworfen, ihn am 17. Oktober an der U-Bahn-Station Bornheim-Mitte bewusstlos geschlagen zu haben. Zuvor soll er ebenso wie seine Verlobte von Kontrolleuren rassistisch beleidigt worden sein. Bereits am Mittwoch war Wevelsiep von der Staatsanwaltschaft in einer mehrstündigen Befragung angehört worden. Dabei wurden ihm auch Bilder vorgelegt, die offenbar von den Beamten geschossen worden waren. Sie zeigen seinen blutenden Kopf im Würgegriff eines der Polizisten. Wevelsiep gibt an, sich nicht daran erinnern zu können, dass diese Bilder von ihm gemacht wurden.

Die Fall Wevelsiep hatte am Donnerstag für eine ausführliche Debatte im Frankfurter Stadtparlament gesorgt. Verkehrsdezernent Stefan Majer hatte dabei Konsequenzen angekündigt.

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Polizeiwalt und Rassismus
Zur Sache

Derege Wevelsiep steigt Mitte Oktober 2012 mit gültigem Fahrausweis in eine Frankfurter U-Bahn - und wird nach einem Wortgefecht mit Kontrolleuren von herbeigerufenen Polizisten verprügelt.

Wegen seiner Verletzungen muss er drei Tage im Krankenhaus bleiben.

Die Frankfurter Polizei ermittelt intern gegen vier Beamte des 6. Reviers, die der äthiopischstämmige Diplom-Ingenieur beschuldigt, ihn geschlagen zu haben. Sein Anwalt wirft den Beamten Hausfriedensbruch, Beleidigung und Körperverletzung vor.

Im Internet bricht ein Sturm der Entrüstung los, über soziale Netzwerke wird eine Solidaritäts-Demo organisiert.

Auch der Landtag befasst sich mit dem Fall.

Polizeigewalt und Rassismus
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Der Frankfurter Hauptbahnhof - aus der Luft fotografiert von Sascha Rheker. Weitere Motive in unserer Premium-Galerie.

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