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Polizeigewalt und Rassismus-Vorwürfe
Rassismus-Vorwürfe gegen Polizei und Sicherheitsdienste im Rhein-Main-Gebiet häufen sich. Eine Sammlung solcher Fälle und der Debatte darüber.

05. November 2012

Rassismus in Frankfurt: Alles beim Alten

 Von Felix Helbig
Zehntausende Polizisten halten tagtäglich die Ordnung in der Demokratie aufrecht. Manchmal verlieren einige wenige die Kontrolle. Und viele mehr verfallen zu oft der Illusion, sie könnten mit einfachen "Wahrheiten" operieren. Foto: dapd

Für echte Lehren aus dem NSU-Terror braucht es mehr als einen Jahrestag – das zeigt auch der Fall Wevelsiep aus Frankfurt. Das totale Versagen der Behörden wie das allzu alltägliche Austicken einer Streife diskreditieren die korrekte Arbeit Zehntausender Polizisten. Und nichts wird sich daran ändern.

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Es hat nicht unbedingt den Jahrestag gebraucht, um zu verdeutlichen, wie verlogen die Debatte über Konsequenzen aus dem NSU-Terror in weiten Teilen ist – aber dieser Jahrestag ist ein gutes Beispiel. Plötzlich sind die Zeitungen wieder voll von Geschichten über das Zwickauer Trio, senden die Fernsehstationen neue Berichte, fordern die Politiker wieder weitgehende Änderungen. Mehr als ein Jahrzehnt lang konnten drei rechtsextreme Terroristen unentdeckt im Untergrund leben und zehn Menschen ermorden. Welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind, werden wir auch künftig vor allem rund um den Jahrestag ihrer Aufdeckung diskutieren. Das ist schrecklich bequem. Aber so funktioniert die Mediendemokratie.

Für echte Lehren aus dieser Mordserie braucht es mehr als einen Jahrestag, das zeigt auch der aktuelle Fall in Frankfurt. Was es tatsächlich braucht, ist ein kultureller Wandel, der die ewige Unterscheidung zwischen Deutschen und zugewanderten Deutschen auflöst – nicht nur bei den Behörden, aber auch dort.

Vorfälle, die jenem in der Frankfurter U-Bahn ähneln, geschehen jeden Tag. Sie sind es, die die Arbeit von Zehntausenden Polizisten diskreditieren, die ihre Aufgabe gut und gewissenhaft erledigen, nicht die Kritik daran. Die Gewerkschaft der Polizei, die das behauptet, beweist so einfach nur, dass sie nichts verstanden hat.

Der Fall von Derege Wevelsiep wird enden, wie solche Fälle immer enden. Es wird intern ermittelt, Polizisten befragen Polizisten, die behaupten, er habe Widerstand geleistet, sie hätten gar nicht anders handeln können. Und dann passiert nichts. Und wieder hat ein Mensch das Vertrauen in deutsche Sicherheitsbehörden verloren.

Spezial

Rassismus-Vorwürfe gegen Polizei und Sicherheitsdienste im Rhein-Main-Gebiet häufen sich. Eine Sammlung solcher Fälle und der Debatte darüber. Das Spezial.


Polizeiwalt und Rassismus
Zur Sache

Derege Wevelsiep steigt Mitte Oktober 2012 mit gültigem Fahrausweis in eine Frankfurter U-Bahn - und wird nach einem Wortgefecht mit Kontrolleuren von herbeigerufenen Polizisten verprügelt.

Wegen seiner Verletzungen muss er drei Tage im Krankenhaus bleiben.

Die Frankfurter Polizei ermittelt intern gegen vier Beamte des 6. Reviers, die der äthiopischstämmige Diplom-Ingenieur beschuldigt, ihn geschlagen zu haben. Sein Anwalt wirft den Beamten Hausfriedensbruch, Beleidigung und Körperverletzung vor.

Im Internet bricht ein Sturm der Entrüstung los, über soziale Netzwerke wird eine Solidaritäts-Demo organisiert.

Auch der Landtag befasst sich mit dem Fall.

Polizeigewalt und Rassismus
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Frankfurter Hauptbahnhof von oben

Der Frankfurter Hauptbahnhof - aus der Luft fotografiert von Sascha Rheker. Weitere Motive in unserer Premium-Galerie.

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Was hilft gegen Rassismus??

Rassismus-Problem bei der deutschen Polizei, was kann dagegen helfen?

Anteil der Migranten unter Beamten sollte dem Anteil der Migranten an der Bevölkerung entsprechen.
Jeder Beamte muss regelmäßig Anti-Rassismus-Training absolvieren.
Eine unabhängige Beschwerdestelle muss gegen Beamte ermitteln und nicht Kollegen gegen Kollegen.
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