Sie sind verschwunden. „Wir wissen nicht, wo die sind“, sagt Bernd Conrads, der Sprecher der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF). Er meint die vier Kontrolleure, mit denen Derege Wevelsiep am 17. Oktober in der U-Bahn-Station Bornheim-Mitte aneinandergeriet. Sie stammten vom privaten Sicherheitsunternehmen Dussmann in Berlin, so Conrads. Der Vertrag der VGF mit Dussmann sei am 31. Oktober ausgelaufen. Warum die VGF nicht über Kontaktadressen und Telefonnummern der vier verfügt, erklärt der Sprecher so: „Wir machen das über Dussmann“.
Zwei Männer stützen am 30.09.2010 im Schlossgarten in Stuttgart den verletzten Dietrich Wagner. Bei einer S 21 Demonstration wird er durch einen Wasserwerferstrahl schwer verletzt, der ihn direkt ins Gesicht trifft. Das linke Auge Wagners bleibt völlig zerstört, die Sehkraft des anderen Auges beträgt lediglich noch 8 % und reicht nicht mehr zum Lesen oder Autofahren reichen. Die Stuttgarter Polizei wirft Wagner eine Mitschuld vor, da er sich „nicht weggeduckt“ habe.
Foto: dpaImmerhin hat das Quartett der VGF ein Protokoll der Geschehnisse am 17. Oktober hinterlassen. Während der äthiopisch-stämmige Wevelsiep den Vorwurf erhebt, dass seine Verlobte von den Kontrolleuren rassistisch beleidigt worden sei, erzählen die vier eine ganz andere Geschichte.
Die Frankfurter Polizei ermittelt intern gegen die vier Beamten des 6. Polizeireviers, die Derege Wevelsiep beschuldigt, ihn geschlagen zu haben. Das bestätigte eine Polizeisprecherin am 5. November auf Anfrage.
Weiter wollte sie sich wegen der laufenden Ermittlungen nicht zu dem Fall äußern, deutete aber an, dass die Darstellung der betreffenden Polizisten von der Wevelsieps abweicht. Die Staatsanwaltschaft sei in den Fall eingeschaltet.
Der Rechtsanwalt von Wevelsiep hatte in der vergangenen Woche Strafanzeige gestellt. Darin wirft er den Beamten Hausfriedensbruch, Beleidigung, Körperverletzung und Körperverletzung im Amt vor.
Danach sei die Verlobte in der U-Bahn „ohne gültigen Fahrausweis“ angetroffen worden, „in Begleitung“ von vier Männern. „Einer der vier hat dann noch versucht, der Frau einen Fahrschein zuzustecken“, so Conrads. Als die Kontrolleurin einen Personalausweis verlangt habe, sei dieser nicht gezeigt worden. „Vielmehr gibt die Kontrolleurin an, dass sie von der Frau als Nazi beschimpft worden sei“, berichtet der VGF-Sprecher. Die Dussmann-Angestellte behalte sich jetzt vor, „selbst Strafanzeige wegen rassistischer Beleidigung zu stellen“.
Laut Protokoll baten die vier VGF-Kontrolleure um 22.34 Uhr die Polizei um Amtshilfe. Aus Sicht der Verkehrsgesellschaft ein normaler Vorgang. Mittlerweile hat die VGF einen neuen Kontrakt mit einem anderen privaten Unternehmen für die Fahrscheinkontrolle geschlossen. Den Zuschlag nach einer öffentlichen Ausschreibung erhielt der Frankfurter Konzern Wisag. „Der Vertrag mit Dussmann lief am 31. Oktober aus, mit den Vorgängen am 17. Oktober hat das nichts zu tun“, so Conrads. Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne) sagt am Mittwochnachmittag eine umfassende Aufklärung der Vorfälle zu, soweit sie die VGF betreffen. Es sei immer wieder vorgekommen, dass die privaten Sicherheitsunternehmen „nicht den Service erbracht haben, den die Verkehrsgesellschaft Frankfurt sich erwünscht hat“.
In solchen Fällen habe die VGF auch schon Verträge mit Firmen gekündigt. „Es handelt sich oft um gering qualifizierte Mitarbeiter, die auch schlecht bezahlt werden und einem hohen Stresspotenzial ausgesetzt sind“, erklärte der Stadtrat. Wie die Kontrolleure geschult und auf ihren Job vorbereitet werden, konnte Majer noch nicht sagen: Das gehört zu den Fragen, die er klären möchte.
Ein Sprecher von Dussmann sagte, es habe auf Wunsch der VGF ein „Schulungs- und Deeskalationsprogramm“ mit den Mitarbeitern gegeben. Michael zu Löwenstein, Fraktionschef der CDU im Römer, sieht Staatsanwaltschaft wie VGF jetzt bei der Aufklärung der Vorfälle gefordert. „Wenn die Vorwürfe zuträfen, wäre das völlig unakzeptabel.“
Der Bericht in der Frankfurter Rundschau über eine anscheinend unbegründete Attacke gegen einen Schwarzen in einer U-Bahn-Station ruft Reaktionen in der Politik und bei der Polizei hervor: Lesen Sie hier weiter.
Wevelsiep und seine Verlobte stellen den Vorfall so dar, dass sie zunächst beide in der U-Bahn kontrolliert worden waren, woraufhin er seine Monatskarte vorzeigte, auf der sie kostenlos mitfahren durfte. Kurz darauf sei er ausgestiegen und sie erneut kontrolliert worden. Dabei habe sie zunächst versehentlich eine alte Fahrkarte aus dem Portemonnaie gezogen, dann aber erneut die übertragbare Monatskarte vorgezeigt, die er ihr beim Aussteigen überlassen hatte. Die Kontrolleure hätten sie daraufhin der „Schwarzfahrt“ beschuldigt, sie habe mit anderen dunkelhäutigen Fahrgästen, die sich ebenfalls in der Bahn befanden, die Karten herumgetauscht. Wevelsiep und seine Verlobte weisen diesen Vorwurf zurück.
Nach dem erzwungenen Aussteigen in der Station Bornheim- Mitte sei sie dann von einer Kontrolleurin, inzwischen wieder im Beisein Wevelsieps, als Betrügerin bezeichnet worden, anschließend habe die Kontrolleurin gesagt: „Ihr seid hier nicht in Afrika.“ Wevelsiep gibt an, darauf mit dem Hinweis „Wir haben nicht mehr 1942“ reagiert zu haben.
Die Kontrolleurin haben daraufhin gefragt: „Bin ich Nazi?“, woraufhin Wevelsiep entgegnet habe, dass wisse er nicht, „das müssen sie selbst wissen“. Als Nazi habe er weder die Kontrolleurin noch die anschließend hinzugerufenen Polizisten beleidigt.
Ein Schwarzer gerät in der U-Bahn in Konflikt mit Fahrkarten-Kontrolleuren und der Polizei Frankfurt. Am Ende liegt er im Krankenhaus. Die Polizei sieht sich Rassismus-Vorwürfen ausgesetzt. Das Spezial.
Derege Wevelsiep steigt Mitte Oktober mit gültigem Fahrausweis in eine Frankfurter U-Bahn - und wird nach einem Wortgefecht mit Kontrolleuren von herbeigerufenen Polizisten verprügelt.
Wegen seiner Verletzungen muss er drei Tage im Krankenhaus bleiben.
Die Frankfurter Polizei ermittelt intern gegen vier Beamte des 6. Reviers, die der äthiopischstämmige Diplom-Ingenieur beschuldigt, ihn geschlagen zu haben. Sein Anwalt wirft den Beamten Hausfriedensbruch, Beleidigung und Körperverletzung vor.
Im Internet bricht ein Sturm der Entrüstung los, über soziale Netzwerke wird eine Solidaritäts-Demo organisiert.
Auch der Landtag befasst sich mit dem Fall.
Wir informieren Sie aus der ganzen Region. Nachrichten aus Ihrer Stadt können Sie als Newsfeed abonnieren - klicken Sie dazu bitte auf das orange Symbol.