Das Frankfurter Medienzentrum hütet einen Schatz: Ein unbekannter Regisseur hat den Bau der Großmarkthalle und ihre Ansichten von 1928 dokumentiert. Der historische Stummfilm zeigt einzelne Bauabschnitte bis zum Einzug der Händler und in einer langen Kamerafahrt den Marktbetrieb. Dazu zeigt der Film die Halle aus verschiedenen Perspektiven und dokumentiert das Aussehen Frankfurts vor dem Aufkommen der Skyscraper.
Zwischen 1926-1928 wurde die Halle nach Plänen von Professor Martin Elsaesser gebaut und galt als ingenieurtechnisches Meisterwerk: Die 220 Meter lange Halle kühlt sich durch ihre Größe selbst. Das bis zu 23 Meter hohe Dach tragen 15 Tonnengewölbe, deren Betonschicht nur rund 7 Zentimeter dick ist.
Die als Stahlbetonskelett erbauten Außenwände sind an den Längsseiten der Halle verglast, an den Kopfbauten mit Ziegeln ausgefacht. Es gelang durch raffinierte Konstruktion und Berechnung, größte Kuppeln mit sehr geringem Eigengewicht bei hoher Belastbarkeit herzustellen. Diese Technik wurde auch kurzzeitig für den Bau von Schiffsrümpfen für Hochseeschiffe eingesetzt.
Das von der Bahn und vom Hafen direkt belieferte Bauwerk ist 250 Meter lang. Die Fläche wird ohne Stützen von 15 Schalengewölben mit 7,5 Zentimeter Stärke bei 50 Metern Spannweite überdeckt. Die beiden Kopfbauten, in denen die Verwaltung und das Kühlhaus untergebracht waren, dienen der Aussteifung. Zum Richtfest war die über 50 Meter frei gespannte Halle einzigartig und wurde von den Frankfurtern bald als "Gemüsedom" bezeichnet.
Von den Nationalsozialisten wurde die Halle als Sammelstelle für 30 "Transporte" von jüdischen Menschen in Konzentrationslager missbraucht. Im angrenzenden Wohnquartier waren im Baujahr 15 Prozent jüdischen Glaubens. 1941 mussten im weitverzweigten Kellersystem der Großmarkthalle 13.500 Juden auf Frankfurt auf die Deportation. Heute leben nur noch wenige jüdische Frankfurter im Ostend.</p><p>Die Amerikaner nutzen die Halle nach dem Krieg als Eisproduktionsstätte für ihre Truppen. Später wird sie wieder "Gemüsedom" der Frankfurter - und die Amerikaner sorgen mit der Nachfrage nach Eisbergsalat und Artischocken für Staunen. Bis zu ihrer Stilllegung im Sommer 2004 wurde hier mit Gemüse, Obst und anderen Lebensmitteln - immer schon in den frühen Morgenstunden - gehandelt - wie anno 1928.
Dem Bauleiter Elsaesser warfen die Zeitgenossen "Größenwahn" vor. Seine Nachfahren wollten Einfluss nehmen auf die Veränderung seines Werks durch den neuen Besitzer, die europäische Zentralbank. Deren Architekten von Coop Himmelb(l)au werden auf ähnliche Weise kritisiert wie Elsaesser 1928. Das Gebäude der ehemaligen Großmarkthalle in Frankfurt wird zukünftig in den Sitz der Europäischen Zentralbank EZB integriert. Eine neue Brücke soll den zusätzlichen Verkehr aufnehmen. kho