Endlich ist die Fernsehdebatte zwischen US-Präsident Barack Obama und seinem Herausforderer Mitt Romney vorbei. Seit Wochen hatten viele Medien sie zu dem womöglich entscheidenden Ereignis des Wahlkampfs stilisiert – obwohl das eher unwahrscheinlich ist, wie die Geschichte zeigt.
Und nun? Nun kann sich Romney auf die Schulter klopfen, weil er durch einen konzentrierten und offensiven Auftritt zumindest die Experten von sich ein wenig mehr überzeugt hat. Manche von ihnen hatten den Kandidaten schon abgeschrieben, nachdem seine Wahlkampagne in den letzten Wochen ins Schlingern geraten und er in den Umfragen deutlich zurückgefallen war. Romney wird wieder etwas aufholen. Das scheint wohl sicher.
Die Washington Post sieht Obama in der Defensive, er habe sich für seine Politik rechtfertigen müssen. Die größten Unterschiede hätten die beiden bei der Bedeutung der Regierung. „Die Debatte war wackelig, ohne dabei besonders ehrlich zu sein“, urteilt die Post. Romney habe nicht erklärt, wie er Steuersenkungen finanzieren wolle und Obama habe nicht erläutert, wie er langfristige die Sozialleistungen stärken wolle.
Doch der Erfolg des Abends hat mittel- und langfristig einen Preis. Um bei moderaten Wählern Sympathien und Stimmen zu gewinnen, hat Romney einige seiner früheren Versprechen, sagen wir es freundlich, relativiert. Plötzlich will er nicht mehr die Steuern unbedingt um 5 Billionen kürzen, sondern erst mal schauen, was sich finanzieren lässt. Plötzlich ist nicht mehr gegen eine strengere Regulierung des Bankensektors, wie noch in den Wochen zuvor. Plötzlich verteidigt er seine Gesundheitsreform in Massachusetts, die Vorbild für Obamas Reform gewesen ist – und kann dann erwartungsgemäß noch weniger als sonst erklären, warum er die abschaffen will, während er ihre wesentlichen Errungenschaften bewahren will.
Am Dienstag müssen sich die US-Amerikaner zwischen Barack Obama und Mitt Romney entscheiden. Doch was wollen die beiden Präsidentschafts-Kandidaten konkret?
Foto: dpaNicht, dass es ein Missverständnis gibt: Romneys Performance war überraschend stark und Präsident Obama erstaunlich defensiv. Doch Obama hat sich keinen Fehler erlaubt, keine Botschaft, die nicht im Einklang steht mit dem, was er seit Wochen an seinem Gegner kritisiert oder selbst verspricht. Erste Umfragen zeigen daher, dass Romney zwar jetzt etwas besser dasteht, Obama aber nicht schlechter.
Entscheidender jedoch könnte sein, dass Romney wieder einmal einen fliegenden Wechsel seiner Botschaften vorgenommen hat. Das wird vor allem den Konservativen nicht gefallen, die wenig von Obama-Care oder Bankenregulierung halten und eine Steuersenkung für unbedingt erforderlich halten. Es dürfte auch Wechselwähler nicht unbedingt überzeugen, die sich einmal mehr fragen müssen, wofür Romney eigentlich steht. Diese Verunsicherung werden die Demokraten gewiss mit neuen Flip-Flopper-Fernsehspots zu steigern wissen.
Am Ende wird es wohl so sein wie oft. Der Herausforderer profitiert von seinem ersten großen Auftritt auf nationaler Bühne mit oder gegen den Präsidenten. Die Wahlen entscheidet das noch lange nicht.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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Termin: Die Wahl des US-Präsidenten und seines Stellvertreters ist für Dienstag, 6. November, vorgesehen.
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