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Massaker von Oslo: Welche Waffen erlaubt der Kampf?

Eine Frage der Verantwortuntg: Ein Vergleich von Zitaten aus Henryk M. Broders Buch und Anders Behring Breiviks Manifest.

Broders Worte bestimmen die Tonlage mit, in der über Migration und Moslems in Deutschland gesprochen wird.  Foto: rtr

Der Publizist Henryk M. Broder hat weder zur Gewalt aufgerufen noch lassen sich seine Schriften über die vermeintlich drohende Islamisierung Deutschlands zur Rechtfertigung von Massakern an Moslems oder an von ihm notorisch verhöhnten „Gutmenschen“ verwenden. Dieses vorausgeschickt, ist andererseits nicht zu bestreiten, dass die Worte und Schriften eines bekannten Publizisten einen Teil des Resonanzraums bilden, in dem sich die Debatte über gesellschaftliche Fragen vollzieht, dass sie die Tonlage bestimmen, in der beispielsweise über Migration und Moslems in Deutschland gesprochen wird. Sie sind also nicht nur als Beiträge zur Debatte anzusehen, sondern als Wegmarken, die der Debatte die Richtung weisen.

Eine Frage der Verantwortung

Zitate-Vergleich aus Henryk M. Broders Buch und Anders Behring Breiviks Manifest

Der Publizist Henryk M. Broders bestimmt mit seinen Aussagen den Stil der politischen Debatte über Migration und Moslems in Deutschland. Wer aber die Statements aus seinem Buch „Hurra, wir kapitulieren!“ mit Passagen aus Breivik Anders Manifest „2083 – Eine Europäische Unabhängigkeitserklärung“ vergleicht, wird inhaltlich kaum einen Unterschied erkennen. Erraten Sie, von wem der beiden die folgenden Zitate stammen?

Broders Buch „Hurra, wir kapitulieren!“ von 2006 ist in fünf Auflagen erschienen. Seine Verwünschungen der „Lust am Einknicken“ vor der Islamisierung Deutschlands lassen sich als „tragikomischer Essay“ (Verlagswerbung) lesen oder als „scharfsinnige Gesellschaftsanalyse“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung). Verstanden wurden sie zumindest von den Anhängern der „political incorrectness“ als Ermunterung, die Debatte über Moslems in Deutschland als „Kampf gegen islamischen Faschismus“ zu begreifen. Welche Waffen dieser Kampf verlangt und zulässt, dazu schweigt Broder. Das Arsenal des Massenmörders Breivik gehört für ihn ganz sicher nicht dazu.

Dennoch stellt sich die Frage: Trägt der Autor Verantwortung für seine gedruckten Gedanken und gegebenenfalls – welche? In seinem Buch schreibt Broder: „Es kommt nicht darauf an, was Bebel, Lassalle und Marx gemeint haben, sondern was Lenin, Stalin, Mao, Enver Hodscha und Walter Ulbricht daraus gemacht haben. "Wenn das zutrifft, ist Broder zu wünschen, dass Anders Breivik sein Buch nicht gelesen hat.

Broder stellt dem Buch, Breivik einem Kapitel das Motto Churchills voran: „An appeaser is one who feeds a crocodile, hoping it will eat him last.“ (Ein Abwiegler ist jemand, der ein Krokodil füttert und hofft, als Letzter gefressen zu werden). Churchill kritisierte damit das Zurückweichen der Europäer vor dem NS-Regime, Broder und Breivik das angebliche Zurückweichen der Europäer vor dem Islam. Die Perspektive, die sie einnehmen, die Worte, die sie dafür finden, ähneln sich auf teils verblüffende Weise. An manchen Stellen ist kaum zu unterscheiden, wer was geschrieben hat.

Autor:  Christian Bommarius
Datum:  5 | 8 | 2011
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