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"Ausbau wäre der Untergang"

Mario Bohrmann von der Initiative Biebricher gegen Verkehr XXL über Gewerbeansiedlungen

        

So könne es nicht bleiben, meint Mario Bohrmann.
So könne es nicht bleiben, meint Mario Bohrmann.
Foto: Renate Hoyer

So wie es jetzt sei, könne es nicht bleiben, sagt Mario Bohrmann (44). Er ist einer der Sprecher der Initiative „Biebricher gegen Verkehr XXL“ und hat das Aktionsbündnis im September 2010 mit gegründet.

Was fordert die Initiative „Biebricher gegen Verkehr XXL“?

Wir wollen weitere Gewerbeansiedlungen in Biebrich stoppen. Vor allem die Ansiedlung von Großmärkten. Gerade die ziehen sehr viel Verkehr an, besonders an den Wochenenden, so dass das Gebiet regelmäßig kollabiert. Die Belastungen sind enorm. So wie es ist, kann es nicht bleiben. Und der absolute Untergang des Gebiets wäre, wenn Mann Mobilia wie geplant ausbaut – und dann noch einmal rund 10000 Fahrzeuge am Tag zusätzlich anzieht.

Sie wollen die Erweiterung des Mann-Mobilia-Möbelmarkts verhindern. Kommt es definitiv zu einer Klage gegen Bauantrag und Bebauungsplan, also gegen die Stadt?

Wir sehen keine andere Möglichkeit. Und ich bin guter Hoffnung, dass die Richter uns recht geben. Es gibt diverse Urteile in ähnlichen Fällen, die sogar nicht so gut belegt sind wie bei uns. Selbst die Stadt hat uns in mehreren Gesprächen im Prinzip recht gegeben und uns signalisiert: Wiesbaden hat geschlafen. Aber wir fühlen uns trotzdem nicht ausreichend unterstützt.

Warum?

Manches läuft nur sehr langsam. Wir haben zum Beispiel immer noch keinen Termin für ein Dialogforum gefunden. An uns liegt es nicht. Ich denke, der Oberbürgermeister müsste auf den Tisch hauen und sagen: Okay, das ist ein sehr wichtiges Thema, jetzt legen wir einen Termin fest. Vielleicht könnte man dafür auch einen Montag opfern, an dem traditionell alle Parteien ihre Fraktionssitzungen abhalten.

Wen kritisieren Sie noch – abgesehen von der Stadt?

Uns ärgert, dass Stadt und Land dieses Gebiet kaputtgeplant haben. Und jetzt schieben Stadt, Land und Bund die Verantwortung nur hin und her. Bund und Land verweigern gemäß Dienst nach Vorschrift und mit einer gewissen Arroganz jeglichen Lärmschutz an der A643, weil sie der Ansicht sind, dass die Stadt für unser Dilemma verantwortlich ist. Mit solchen Spielchen kommen wir nicht weiter.

Welche Fehler haben Sie selbst gemacht?

Vielleicht den, dass wir erst spät aufgewacht sind. Jetzt sind wir aber auf dem richtigen Weg. Wir haben auch selbst Vorschläge gemacht, wie man das Gebiet entlasten könnte.

Wie?

Wir wollen weniger Individualverkehr, dafür mehr öffentlichen Personennahverkehr. Ein Vorschlag ist, Pendelbusse innerhalb des Gebiets einzusetzen und die hinter den Baumärkten brachliegende Schiene zu nutzen. Vielleicht lässt sich dort auch eine eigene Straßenbahnlinie realisieren. Außerdem brauchen wir stationäre Blitzanlagen. Und wir müssen den Lkw-Verkehr beschränken, mit Durchfahrtsverboten. Mehr als 80 Prozent der Laster liefern nämlich nichts aus, sondern nutzen die Äppelallee nur als Abkürzung.

Betroffen ist nicht nur Biebrich, sondern auch Schierstein. Inwieweit arbeiten Sie mit Bürgern aus Schierstein zusammen?

Wir bekommen viel Unterstützung, sowohl vom Ortsbeirat als auch von den Bürgern. Aber auch in Schierstein werden viele natürlich erst dann wach, wenn sie merken: Sie sind selbst direkt betroffen. Da ist die Schmerzgrenze bei einigen vielleicht noch nicht erreicht.

Das Interview führte Dimitri Taube

Datum:  18 | 2 | 2012
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