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"Die alternde Stadt": Warum kein Heim für Homosexuelle?

Die Alten von heute sind anders - und darauf müssen sich Stadt und Pflegeheime einstellen. Das ist das Ergebnis eines Diskussionsabends im Café Maldaner. Von Dimitri Taube

Ein Altenpflegeheim für Homosexuelle - warum nicht auch in Wiesbaden? Jürgen Richter findet: "Eine solche Einrichtung wäre wichtig." Und er hat noch mehr Ideen für die Zukunft. Eine Zukunft, in der laut Prognosen immer mehr Ältere leben werden. Richters Vorschläge: Aktivitätszentren für Jung und Alt, Mehrgenerationenhäuser und stadtteilnahe Versorgung.

Der Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Frankfurt weiß, dass das alles schön und gut klingt - ohne Anstrengungen aber nicht zu schaffen sein wird. Richter wurde 1956 geboren. Es dauert noch eine Weile, bis er zur Seniorengeneration gehören wird. Als Gerontologe befasst er sich aber schon lange mit den Fragen des Alterns. "Es muss ganz neue Ansätze in der Altenhilfe geben", sagt er, "familiäre Versorgung verliert zunehmend an Bedeutung". Künftig werde es eine verstärkte Nachfrage nach genossenschaftlichen Wohnmodellen geben.

Am Mittwochabend war Richter einer von drei Experten, die im Café Maldaner über "Die alternde Stadt" diskutierten. Ein Thema, das rund 90 Zuhörer interessierte. Den meisten bereitet es Sorgen. Einige befürchten angesichts steigender Kosten und wenig Personal sogar menschenunwürdige Pflege im Alter. Richter versuchte zu beruhigen: "Das Niveau der stationären Pflege ist besser als vor 20 Jahren."

Die Diskussion war Teil einer Veranstaltungsreihe der Wiesbadener SPD. Unter dem Titel "Wiesbaden - Stadt der Zukunft" will die Partei mit Experten und Bürgern über Zukunftsfragen sprechen. Wie soll Wiesbaden 2030 aussehen? Was muss sich ändern? Wie wirkt sich der demographische Wandel auf die Stadt aus?

Die Bürger sehen schon jetzt dringend Handlungsbedarf, nicht erst 2030. Sie fragen zum Beispiel, warum es nicht mehr öffentliche Toiletten gibt. Und kritisieren, dass immer mehr Geschäfte schließen. Das zu ändern sei eine Kernaufgabe der Stadtpolitik, räumte Sozialdezernent und SPD-Parteichef Arno Goßmann ein.

Geschäfte sollen umbauen

Neben Jürgen Richter saß Hartmut Boger. Der Direktor der Volkshochschule fordert mehr Barrierefreiheit in Wiesbaden. Ginge es nach Boger, müssten sich alle Geschäfte und Einrichtungen in der Stadt dringend auf Menschen mit Behinderungen einrichten. Er sagt: "Ältere Bürger klagen, dass sie Veranstaltungen nicht besuchen können, weil sie die Treppe nicht mehr hoch kommen." Der Vorsitzende des Seniorenbeirats, Bernd Kühnemund, verwies auf Zahlen, denen zufolge bereits 26 Prozent der Wiesbadener älter als 60 Jahre sind. Wiesbaden müsse sich darauf einstellen, dass zunehmend Menschen vom Umland in die Stadt zurückzögen und sich auf mehr ältere Migranten einstellen. "In Wiesbaden leben heute 8000 Menschen mit Migrationshintergrund, die älter als 65 sind", sagt Kühnemund, "diese Gruppe wächst schneller als die der einheimischen Alten".

Defizite sieht Kühnemund bei der Demenz-Vorbeugung. Seine Idee: Einrichtungen, die sich darum kümmern, müssen besser zusammenarbeiten.

Autor:  Dimitri Taube
Datum:  5 | 3 | 2010
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