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"Die Quote wäre eine Möglichkeit"

Nach wie vor sind Menschen nichtdeutscher Herkunft schwer erreichbar – das liegt nicht allein an Sprachbarrieren

        

Riza Yilmaz leitet die Abteilung Soziale Arbeit beim DRK in Darmstadt.
Riza Yilmaz leitet die Abteilung Soziale Arbeit beim DRK in Darmstadt.
Foto: Boeckheler

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) möchte sich verstärkt für Migrantinnen und Migranten öffnen. Riza Yilmaz, beim DRK in Darmstadt Leiter der Abteilung Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Migration, erläutert, wie dieser Prozess aussehen könnte.

Herr Yilmaz, das Deutsche Rote Kreuz hat in Hessen rund 20000 ehrenamtliche Mitarbeiter. Warum möchte das DRK speziell unter Migranten für mehr Unterstützung werben?

Das Thema interkulturelle Öffnung seit längerer Zeit für unseren Verband ein inhaltlicher Schwerpunkt. Nicht nur hier vor Ort, sondern auch auf Bundesebene. Dabei geht es für um mehr, als Menschen mit Migrationshintergrund lediglich als Klienten zu sehen.

Das heißt?

Das heißt für uns auch, den Verband ihnen gegenüber zu öffnen. Wir befassen uns damit, wie wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf haupt- und ehrenamtlicher Ebene für unsere Arbeit gewinnen. Interkulturelle Öffnung muss strategisch als Organisationsentwicklung eingeleitet werden. Dieser Prozess ist für den Verband eine notwendige Entwicklung und macht ihn zugleich attraktiver.

Haben sie denn im Moment zu wenig Menschen mit Migrationshintergrund im Hauptamt?

Hier in Darmstadt sind wir schon Anfang der 90er Jahre schwerpunktmäßig in die Migrationsarbeit eingestiegen. Wir haben angefangen mit Beratungsarbeit, Sprachkursen und Angeboten für Frauen. Seitdem wurde die Migrationsarbeit weiterentwickelt, Kollegen und Kolleginnen mit Migrationshintergrund eingestellt, so dass wir in den letzen zehn bis fünfzehn Jahren die Migrationsarbeit als einen Schwerpunkt im Kreisverband etabliert haben.

Wo zeigt sich das in ihrem Arbeitsalltag?

Diese Entwicklung kann man zum Beispiel in der Abteilung Sozialarbeit deutlich erkennen. Hier sind von elf Mitarbeiter zehn mit Migrationshintergrund beschäftigt.

Was macht es schwer, Migranten für das DRK zu gewinnen?Es ist leider so, dass in vielen Institutionen eine Organisationskultur verankert ist, die es schwer macht. Gleichzeitig ist es oft auch schwierig, die Migrantinnen und Migranten zu erreichen. Viele kennen uns kaum. Für uns ist es wiederum nicht immer einfach, die speziellen Nöte zu identifizieren. Die Sprache ist hier ein wesentlicher Faktor. Seit 2005 gibt es zwar bundesweit Sprachkurse, die reichen aber immer noch nicht aus. Und häufig wird die Kinderbetreuung vergessen. Wenn ich die aber nicht anbiete, habe ich keine Möglichkeit, Mütter für einen Sprachkurs zu motivieren. Das DRK hat angekündigt, einen „zielgerichteten Prozess der Organisation und Personalentwicklung“ anstreben zu wollen? Was bedeutet das?

Das klingt sehr technisch, ist es aber keineswegs. Das Ganze muss natürlich mit Leben gefüllt werden. Es geht darum, Prozesse einzuleiten, die Vielfalt als Bereicherung und große Chance bei der Arbeit in den Mittelpunkt stellen.

Was machen Sie konkret?Wir schulen in den unterschiedlichen Abteilungen die Hauptverantwortlichen im Bereich interkulturelle Kompetenz schulen. Das zeigt, dass wir dem Thema einen hohen Stellenwert geben und im Rahmen unserer Möglichkeiten das vorhandene Personal weiterbilden. Auch Personalentwicklung ist eine sehr wichtige Ebene. Eine Möglichkeit wäre, nach dem Vorbild der Frauenquote, bei gleicher Qualifikation eine Quote für Menschen mit Migrationshintergrund einzuführen.

Beeinflussen populistische Diskussionen, etwa die sogenannte Sarrazin-Debatte, ihre Bemühungen?

Das denke ich schon. Das spüre ich immer wieder in der Beratung. Da merke ich, wie Klientinnen und Klienten reagieren. Ich denke, durch solche Diskussionen geht eine ganze Menge von dem, was erreicht worden ist, zum Beispiel Vertrauen, wieder verloren. Wir im Handlungsfeld der Sozialarbeit haben ja nur eingeschränkte Einflussmöglichkeiten. Auf bundespolitischer oder rechtlicher Ebenen etwa können wir gar nicht wirken. Daher sind wir sehr bemüht, mit Personen vor Ort zu arbeiten. Das bringt auch viel. Aber wenn solche Debatten unsere Bemühungen konterkarieren, müssen wir wieder neu anfangen.

Das Gespräch führte Danijel Majic.

Datum:  5 | 1 | 2012
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