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Heidelberg: 1001 nackte Frauen

Theresia Hebenstreit eröffnet einzige Ausstellung der 1001 nackter Frauen in Deutschland. Von Ralf Munser

Seit vier Jahren ist eine weibliche Tonarmee unterwegs - von Polen über Österreich und China bis nach Heidelberg. Die 1001 nackten Frauen der Wiesbadener Künstlerin Theresia Hebenstreit sind nicht zu stoppen. "Überall auf der Welt ist die Zahl 1001 durch die Erzählungen der Scheherazade bekannt. Eine beeindruckende Darstellung von weiblicher Klugheit und der Macht der Phantasie", sagt Hebenstreit. Dadurch fühlte sich die heute 58-Jährige angeregt und inspiriert - und ist seit vier Jahren dabei, ihre 1001 nackten, kleinen Frauenfiguren aus Terrakotta bekannt zu machen.

Angefangen hat alles mit einer Ausstellung zu ihrem 50. Geburtstag im Wiesbadener Rathaus. Damals entstand eine Serie von 50 kleinen Frauen. Danach hatte Hebenstreit, die seit 1983 ihre eigene Werkstatt in der Landeshauptstadt hat, die Idee, die Figuren zu verkleinern. Eine Krankheit stoppte das Projekt bei Figur Nummer 13. Nach ihrer Genesung überlegte sie, wie es mit dem Projekt weitergehen könnte. "Und 13 mal 77 gibt 1001 - die Zahl hat mich schon immer gereizt." Also wurden die 13 in Größe und Haltung verschiedenen, nackten Figuren jeweils 77 mal vervielfacht. Durch einen Kontakt zur keramischen Fakultät der Kunstakademie Breslau gelang es ihr, im September 2005 innerhalb von vier Wochen mit Hilfe der dortigen Mitarbeiter alle Figuren herzustellen. "Leider hat dann die geplante erste Ausstellung in Breslau nicht geklappt." Gezeigt wurden die 1001 nackten Frauen das erste Mal 2006 in Villach in Österreich. Ein Jahr später gelang die Ausstellung in Breslau.

"Von Anfang an wollte ich mit meinen Frauen aber auch nach China", erzählt Theresia Hebenstreit. Alle möglichen Leute habe sie kontaktiert. Das Problem: "Alle haben gesagt, Nacktheit in China kannst du vergessen." Aber so leicht wollte die Künstlerin nicht aufgeben. Im Sommer 2006 reiste die Wiesbadenerin mit einer Touristengruppe nach China. Schließlich lernte sie jemanden kennen, der Galeristen in China kannte. "Allerdings wollten die immer Miete haben." Eine Galerie in Peking verlangte 20 000 Euro - "so viel kann ich mir nicht leisten".

Verpackt in 77 Kisten

Schließlich klappte es in der Millionenmetropole Tangshan - etwa 135 Kilometer östlich der chinesischen Hauptstadt Peking. In 77 Kisten verpackt, reisten die 1001 Frauen im Container nach Osten und wurden im September des vergangenen Jahres gezeigt. Ein durchaus angemessener Gegenbesuch zu den 1001 Chinesen, die zur Documenta im vergangenen Jahr nach Kassel reisten, wie Hebenstreit meint. Die Frauenversammlung sei ein "selbstironischer Gegenentwurf zu den überlebensgroßen, diszipliniert aufgestellten Kriegerfiguren der chinesischen Terrakotta-Armee", die vor einigen Jahren im Palmengarten zahlreiche Besucher angelockt haben. "Es war eine ungeheure Befriedigung, es mit den Frauen nach China geschafft zu haben", so Hebenstreit. Das Projekt sei sicherlich der Höhepunkt ihrer künstlerischen Karriere gewesen. "Ein geniales Erlebnis."

Der Schlusspunkt soll nun die erste und einzige Ausstellung in Deutschland sein. Danach werden die nackten Frauen nicht mehr zusammenkommen. Gut die Hälfte der 30 bis 50 Zentimeter großen Figuren, die zwischen 150 und 400 Euro kosten, sind bereits verkauft und nur Leihgaben für die Zeit des Projekts. Erst durch den Verkauf konnte Hebenstreit das Projekt und die Ausstellungen in vier Ländern realisieren. "Ich bin darauf stolz. Meine 1001 Frauen haben mich glücklich gemacht."

Die Ausstellung "1001 nackt" wird vom 23. November bis 18. Januar in der Galerie Heller in Heidelberg, Friedrich Ebert Anlage 1, gezeigt. Infos im

Internet unter www.1001nackt.de.

Autor:  RALF MUNSER
Datum:  21 | 11 | 2008
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