Seit 40 Jahren existieren in Wiesbaden lokale Gruppen von Amnesty International (AI). Ihr Jubiläum begehen die Menschenrechtler mit einem Kunstmarkt und einer Installation an den Säulen der Kolonnaden des Staatstheaters. Als Aktionstag haben sie sich die Feier "60 Jahre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen" am heutigen Mittwoch ausgesucht. Der Kunstmarkt findet im Kunsthaus statt: Skulpturen und Öl-Gemälde, Pop-Art und Expressionismus stehen und hängen hier nebeneinander. Denn das Verbindende an den Werken ist nicht die Kunst an sich, sondern ihr Zweck: den Schutz der Menschenrechte zu fördern.
44 Künstler haben 150 Werke für AI gespendet. Der Erlös wird für die Arbeit von AI in Wiesbaden eingesetzt. Die meisten der Künstler leben in der Stadt, einige sind aus Mainz, Darmstadt oder Frankfurt. Nur wenige der Werke beschäftigen sich direkt mit dem Thema Menschenrechte. Andere sind einfach nur Spenden. "Wir achten dabei aber auf eine hohe künstlerische Qualität", sagt AI-Mitglied Martin Götting. Der Kunstmarkt erlebt seine 33. Auflage. "Er ist somit die älteste Aktion von AI in Wiesbaden."
Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) spricht am heutigen Mittwoch um 18.30 Uhr in den Kolonnaden des Staatstheaters zum Thema "60 Jahre Menschenrechte".
Bis zum 3. Januar ist in den Kolonnaden die Installation "Straße der Menschenrechte" zu sehen.
Der Kunstmarkt für AI ist von Freitag bis Sonntag, 12. bis 14. Dezember, im Kunsthaus (Schulberg) geöffnet. Los geht es am Freitag um 19 Uhr, am Samstag von 10 bis 18 Uhr und am Sonntag von 10 bis 12 Uhr. Die Auktion startet am Sonntag um 16 Uhr.
Die Werke werden je nach Wunsch des Künstlers versteigert oder zu einem Festpreis verkauft. AI hofft, mit der Aktion etwa 6000 Euro einzunehmen.
Götting ist 70 Jahre alt und der dienstälteste Streiter für die Menschenrechte in Wiesbaden. Die Gruppe, der er angehörte, existiert heute nicht mehr. "Es ist schwer, Leute in meinem Alter für das Engagement zu gewinnen." Götting wollte aber nicht darauf verzichten und hat sich einer Gruppe mit einer für AI typischeren Bevölkerungsschicht angeschlossen: Schüler und Studenten.
Zwei Erwachsenengruppen existieren derzeit in Wiesbaden. Zusammen haben sie 30 Mitglieder, berichtet Götting. Die Zahl habe in den 40 Jahren immer wieder geschwankt. Sie hänge davon ab, ob ein starker Kern existiere. Derzeit sind in der Stadt zusätzlich zwei Schülergruppen aktiv. "Das lässt uns auf eine starke AI-Arbeit in der Zukunft hier hoffen."
Die Arbeit habe sich über die 40 Jahre hinweg verändert, beobachtet Götting. Die für AI klassische Gefangenenbetreuung gebe es zwar noch - Wiesbadener kümmern sich um Inhaftierte in Kolumbien und Saudi-Arabien. "Heute konzentrieren wir uns aber stärker auf Kampagnen." Mit ihnen ließen sich die Länder stärker unter Druck setzen, die nach Ansicht von AI gegen Menschenrechte verstoßen.
Als Beispiel nennt Götting den Kampf gegen das US-amerikanische Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba oder die Aktionen gegen die Olympischen Spiele in China. "Diese Kampagnen erzeugen nicht nur eine starke Öffentlichkeit, sie helfen auch Einzelnen", sagt Götting. So habe sich AI für einen Amerikaner eingesetzt, der 17 Jahre lang in einer Todeszelle in Florida saß. Eine neu gewählte Richterin hat im vergangenen Jahr dessen Fall noch einmal überarbeitet und kam zu dem Schluss, dass er unschuldig war.
Auf dieser Seite lesen Sie Nachrichten aus Wiesbaden. Aus der Nachbarschaft informieren wir auf den Seiten über die Stadt Mainz und den Main-Taunus-Kreis.

Die Stadt und Region auf einen Blick: unsere neue Übersichtsseite für Frankfurt und Rhein-Main - das Pflicht-Lesezeichen für alle Hessen.
Berichte aus Bad Homburg, Hochtaunus | Bad Vilbel, Wetterau | Darmstadt | Frankfurt | Kreis Groß Gerau | Hanau, Main-Kinzig | Main-Taunus | Mainz | Offenbach | Kreis Offenbach | Wiesbaden.
Facebook | Twitter überregional | Google+