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Wiesbaden
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07. März 2013

Arbeitskampf: Wibus-Fahrer legen Verkehr lahm

 Von Ute Fiedler
Die Busse bleiben im Depot: Blockade durch die streikenden Busfahrer.  Foto: Martin Weis

Angestellte des öffentlichen Dienstes streiken in Wiesbaden für bessere Bezahlung und Arbeitsbedingungen. Unter die Streikenden mischen sich auch die Fahrer des Billigunternehmens Wibus der Eswe-Verkehrsgesellschaft. Sie entscheiden sich spontan für den Streik.

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Angestellte des öffentlichen Dienstes streiken in Wiesbaden für bessere Bezahlung und Arbeitsbedingungen. Unter die Streikenden mischen sich auch die Fahrer des Billigunternehmens Wibus der Eswe-Verkehrsgesellschaft. Sie entscheiden sich spontan für den Streik.

Der hochgewachsene, kräftige Mann mit dem blauen T-Shirt steht etwas abseits, etwas entfernt vom Pfeifkonzert, das vom Luisenplatz ausgehend die gesamte Umgebung beschallt. Rund 1000 Leute sind gekommen, um zu streiken – Angestellte des öffentlichen Dienstes, die der Aufforderung des dbb Beamtenbund und Tarifunion gefolgt sind. Unter die Streikenden haben sich auch die Fahrer des Billig-Tochterunternehmens Wibus der Eswe-Verkehrsgesellschaft gemischt, die gestern das taten, was sie schon seit langem tun wollten: die Arbeit niederlegen, um so ein Zeichen zu setzen.

Die Aktion war nicht angekündigt. Die Wibusler hatten sich spontan dazu entschlossen, sich dem Streik des dbb anzuschließen, unter deren Dach sie seit ein paar Monaten organisiert sind. Von 4 Uhr an waren die Fahrer gestern im Streik, bis 10 Uhr erhielten sie zudem Unterstützung ihrer Kollegen aus der Schwestergesellschaft. Wibus-Betriebsratsvorsitzender Cemal Zor schätzt, dass etwa 150 bis 200 Fahrten ausgefallen sind. „Das ist eine gute Bilanz. Nur für die Fahrgäste tut es uns natürlich leid. Aber anders geht es nicht.“ Zor weist auf ein Papier mit Forderungen hin, das seit Monaten bei der städtischen WVV Holding, die für Wibus verantwortlich ist, liege. „Aber bislang hat sich einfach nichts getan.“

Wibus und Gewerkschaft

Die Wibus wird zu 100 Prozent von der Wiesbaden Holding GmbH betrieben. In dieser Holding ist unter anderem auch die Eswe-Verkehr angesiedelt.

2004 startete die Wibus mit etwa 70 Fahrern. Heute hat sie etwa 300 Fahrer. Bis 2012 waren die Angestellten in der Gewerkschaft der Lokführer (GDL) unter dem Dach des dbb Beamtenbund und Tarifunion organisiert. Im Oktober 2012 wurde die Gewerkschaft NahVG gegründet, ebenfalls unter dem Dach der dbb.

Die NahVG organisiert Beschäftigte von Nahverkehrsunternehmen, die aktiv in Leitstellen, Werkstätten und im Fahrdienst arbeiten.

Auch der Mann, der namentlich nicht genannt werden möchte, ist froh, dass es nun endlich losgeht. Er will in keinem Unternehmen arbeiten, das seine Mitarbeiter unterschiedlich bezahlt. Er will keine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Und er will bessere Arbeitszeiten, sagt der 30-Jährige. Gerade einmal 1400 Euro verdiene er im Monat – etwa 30 Prozent weniger als seine Kollegen, die bei der Eswe-Verkehr angestellt sind. Seine Familie könne er davon nicht ernähren. Doch das ist nicht alles, was ihn stört: Auch die Arbeitsbedingungen seien mehr als unfair. Dann winkt er ab. Der Betriebsrat soll Auskunft geben. Und das tut der nur allzu gerne.

Etwa 300 der rund 500 Busfahrer sind derzeit bei der Wibus angestellt. Sie bedienen etwa 65 Prozent des Linienbusnetzes der Eswe – und würden behandelt „wie der letzte Husten“, sagt Jürgen Gebhardt vom Betriebsrat. Während die Fahrer der Eswe Verkehr 160 Stunden pro Monat arbeiteten, müssten die Wibusler 190 Stunden leisten. „Aber es werden nur 174 bezahlt, da uns die Pausen nicht gezahlt werden“, sagt Gebhardt. Doch in dem Punkt zeichne sich bereits eine Einigung ab.

Nicht nur gegen die unterschiedliche Bezahlung demonstrieren die Wibusler. Sie prangern auch die bundesweite Lenk- und Ruhezeitenverordnung an, die nicht für den Linienbusverkehr gelte. Zehn Stunden seien die Fahrer am Tag in Wiesbaden unterwegs. Eine Blockpause gebe es nicht, zwischen den einzelnen Runden bliebe nur wenig Zeit zur Erholung. „Und hat man dann mal eine Pause, dann fehlen Sozialräume und Toiletten“, sagt Gebhardt und weist zum Beispiel auf den Platz der Deutschen Einheit hin. „Da entsteht gerade eine hochmoderne Sporthalle. Aber Toiletten und ein Sozialraum für uns sind vergessen worden, heißt es.“

Ausschließen, dass noch einmal gestreikt wird, will Gebhardt nicht. „Es kommt jetzt darauf an, ob es zu Verhandlungen und Gesprächen kommt.“ Außerdem müsse man die Wahl am Sonntag abwarten. Wunschoberbürgermeister der Wibusler sei Sven Gerich. „Die SPD hat unsere Forderungen von Anfang an unterstützt.“

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