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Ausgehen: A bisserl Wien in Hessen

Das Café Maldaner bekommt den Titel „Original Wiener Kaffeehaus“. Aus diesem Anlass trifft sich die Prominenz der Stadt.

        

Im Wiener Stil: das Café Maldaner.
Im Wiener Stil: das Café Maldaner.
Foto: Rolf Oeser

Kunstwerke der Köstlichkeiten leuchten hinter einer Glastheke. Süße Verführungen wie Bisquitteig verziert mit Blaubeeren, Nestern aus Schokoladenfäden oder Himbeergelee schlummern in Gebäckkapseln, die sie wie ein Rüschenkleid umgeben. Der Duft warmer Milch und gerösteter Kaffeebohnen steigt in die Nase. Klaviermusik und Stimmengewirr klingen in den Ohren, unter den Füßen beugen sich Fasern eines Orientteppichs und die Augen werden verwöhnt mit dem edlen, antiken Inneren des Kaffeehauses. Sofort stellt sich ein Gefühl der Gemütlichkeit ein. Im Café Maldaner in der Marktstraße in Wiesbaden genießen seit 1859 Gäste diese besondere Atmosphäre. Nun wurde das Traditionshaus mit einem besonderen Prädikat geehrt: Der Chef des berühmten Wiener Café-Restaurants Landt-mann und der Querfeld’s Wiener Kaffeehaus GmbH, Kommerzialrat Berndt Querfeld aus Wien, verlieh dem Maldaner den Titel „1. Original Wiener Kaffeehaus Deutschlands“.

Aus diesem Anlass luden die Inhaber des Cafés, Renate Winkel und Michael Schulz, Freunde, Stamm- und Ehrengäste ein. Die Gastgesellschaft erscheint in feinster Garderobe und wird mit Sekt auf einem roten Teppich begrüßt. Durch die hölzerne Tür flaniert sie ins Innere, vorbei an den üppig bestückten Theken. Dahinter stehen ganz in Weiß die Herren und Damen Konditoren. Vier Konditoren und vier Auszubildende zaubern die süßen Verführungen unter Leitung des Konditormeisters Guido Wilhelm.

Die Ehrengäste nehmen an einer langen Tafel Platz, darunter Bürgermeister Arno Goßmann, die ehemalige Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul, Kulturdezernentin Rose-Lore Scholz, und der Wiener Senator Professor Franz Strohmer. Er und der ehemalige Ortsvorstand von Wiesbaden des deutschen Journalistenverbandes, Ronald Lechner, stellten die Verbindung zwischen Wien und Wiesbaden her und trieben sie voran. Strohmer führt die Gesellschaft durch den Nachmittag und fasst die Atmosphäre in Worte: „Im Kaffeehaus darf die Zeit ein bisserl stillstehen.“

Die Ehrengäste sprechen ihre Glückwünsche aus. Wieczorek-Zeul verrät, dass sie den Butterstreusel des Hauses liebt, Goßmann kommt jedes Wochenende mit der Familie für ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte, und für Rose-Lore Scholz ist das Maldaner sogar das Lieblingscafé.

Alle loben besonders den freundlichen Service. In schwarz-weißen Uniformen, die Damen mit Häubchen und Spitzenschürze, die Herren mit Fliege und Weste, tragen die Angestellten Silbertablette mit gespreizten Fingern, lächeln stets und erfüllen jeden Wunsch. Die Anspannung des besonderen Tages ist ihnen nicht mehr anzusehen, sobald sie aus der Küche treten. Während eine Sopranistin im roten Abendkleid inbrünstig trällert, erfüllen sie wie an jedem Tag mit Etikette und Freundlichkeit jeden Wunsch ihrer Gäste.

Endlich überreicht Kommerzialrat Querfeld unter tosendem Applaus die Urkunde mit dem Titel „Original Wiener Kaffeehaus“. Renate Winkler ruft das Team des Cafés vor die Bühne und bedankt sich herzlich: „Das ist ganz besonders Ihr Verdienst.“

Autor:  Christina Franzisket
Datum:  7 | 10 | 2011
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