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Wiesbaden
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29. Juli 2011

Barrierefreiheit: Die großen, kleinen Hindernisse

 Von Jana Kinne
Hier geht’s nicht weiter für Rollstuhlfahrer in der Wiesbadener Innenstadt.  Foto: Michael Schick

Barrierefreiheit ist in Wiesbaden oft noch ein Fremdwort. Die Behinderten haben noch einiges an Kritik zu üben. Aber es gibt auch Fortschritte - in der Langgasse und dem Pariser Hoftheater zum Beispiel.

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BEratung

Das Amt für Soziale Arbeit informiert im Internet unter wiesbaden-barrierefrei.de.
Auch die Interessengemeinschaft für Behinderte (IFB) berät. Im Netzwerk des IFB kümmern sich 30 Einrichtungen um Menschen mit Behinderung. Die Organisation wurde 1959 vom Wiesbadener Christian Groh gegründet.

Der Arbeitskreis der Wiesbadener Behindertenorganisationen (AK) ist der Zusammenschluss verschiedener Wiesbadener Organisationen.



Es sind oft die kleinen Hindernisse, die Menschen wie Christel Egenolf das Leben schwer machen: „Eigentlich bin ich total selbstständig, aber dann gibt es immer wieder Restaurants und Geschäfte, die ich nicht besuchen kann“, sagt sie. Egenolf sitzt wegen Multipler Sklerose seit knapp 20 Jahren im Rollstuhl. Bei einem Gang durchs Rheingauviertel zeigen sich die Probleme: Fast an jedem Geschäft oder Restaurant verhindern Treppen den barrierefreien Zugang. Auch wenn es nur eine Stufe ist, für einen Rollstuhlfahrer ist das Hindernis schwer alleine zu überwinden.

Joachim Mast ist das Problem gut bekannt. Er ist Vorsitzender des Arbeitskreises der Wiesbadener Behindertenorganisationen und Interessengemeinschaften Behinderter (AK). „In den öffentlichen Einrichtungen haben wir viel erreicht, bei privaten Gebäuden bleibt der Zugang dagegen schwierig“, sagt er. Der Arbeitskreis arbeitet eng mit der Stadt zusammen. Projekte wie den Bau von Aufzügen im Pariser Hoftheater oder das Blindentastmodell in der Langgasse lobt Mast.

Dennoch gibt es auch im öffentlichen Raum immer wieder Ärgernisse: „An vielen Ampeln fehlen akustische Signale für Sehbehinderte“, kritisiert Mast. Petra Wagner, die selbst im Rollstuhl sitzt und beim AK aktiv ist, zeigt die Gefahren für Rollstuhlfahrer im Straßenverkehr: Bei einer Verkehrsinsel im Kaiser-Friedrich-Ring kann sie wegen einer zu hohen Bordsteinkante den Fußgängerüberweg nicht benutzen. Sie ist gezwungen, mit ihrem Rollstuhl über die Busspur zu fahren während rechts die Autos an ihr vorbeirasen.

Der AK und die Interessengemeinschaft für Behinderte (IFB) machen immer wieder auf solche Barriere-Probleme aufmerksam. In Wiesbaden bietet der IFB unter anderem mit der mobilen Betreuung „Zuhause“ Hilfestellungen an. „Wir zeigen Menschen, wie sie trotz Behinderung in ihren eigenen vier Wänden zurechtkommen können“, sagt Monika L. Stark-Mitchell von „Zuhause“. Auch bei der Wohnungssuche ist sie behilflich: „Gerade für Familien, die Platz brauchen, ist es schwer, etwas Barrierefreies in Wiesbaden zu finden“, sagt sie.

Christel Egenolf kann das bestätigen: „Meine Wohnung war ein Glücksfall“, erzählt sie. Ihren Sohn, der in einem Altbau im Rheingauviertel wohnt, kann sie dagegen nicht besuchen. Auch wenn sie sich mit ihm in der Stadt trifft, muss alles vorher genau geplant sein: „Ich gehe eigentlich immer zu den gleichen Lokalitäten, bei denen ich weiß, dass es keine Probleme gibt“, sagt sie.

Das Amt für Soziale Arbeit zeichnet solche Einrichtungen mit einem Zertifikat aus und zeigt auf einer Informationsseite im Internet, an welchen Stellen Wiesbaden barrierefrei ist. „Auch für Privatleute gibt es die Möglichkeit, sich beraten zu lassen und Zuschüsse zu beantragen, wenn sie ihr Geschäft barrierefrei machen wollen“, sagt Rolf Rogert vom Amt für Soziale Arbeit.

Christel Egenolf hofft darauf, dass auch Privatleute in Zukunft mehr auf das Thema Barrierefreiheit achten. „Oft ist gar keine große Baumaßnahme nötig, um Hindernisse aus dem Weg zu räumen“, weiß sie. Egenolf ärgert sich besonders bei neuen Geschäften, bei denen der Treppenaufgang dann schön gestaltet sei, es aber keinen Zugang für Gehbehinderte gebe.

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