Kaum stand sie an ihrem Platz, da war sie auch schon kaputt: die sechs Meter hohe „Stele der Toleranz“ vor dem Haupteingang der Wiesbadener Carl-von-Ossietzky-Schule. Im Juni war das Werk des Künstlers Karl-Martin Hartmann zerstört worden, wie Schulleiter Helmut Nehrbaß berichtet. Eines der leuchtend roten Segmente der schmalen Säule wurde herausgebrochen – „nicht von Schülern, sondern von einer Abendgesellschaft, die sich hier aufhielt“, betont Nehrbaß.
Dabei war die Stele zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal offiziell eingeweiht. Dazu ist es am Mittwoch gekommen, bei einer Feierstunde mit Schülern, Lehrern und Gästen im Foyer der Carl-von-Ossietzky-Schule. „Glühend rot, wenn die Sonne durchscheint“, nennt Nehrbaß das Werk, das nicht einfach nur Kunst sein soll. „Wer hier morgens reinkommt, geht daran vorbei – hoffentlich nicht achtlos“, wünscht sich der Schulleiter. Die Stele solle daran erinnern, tolerant, aber nicht gleichgültig zu sein.
„Toleranz heißt nicht, wegzusehen – etwa, wenn ein Schüler gemobbt wird“, mahnt Nehrbaß in seiner Rede. „Toleranz bedeutet Respekt und Anerkennung von anderen.“
Kein Denkmal, sondern ein Denk-mal-dran
Zudem solle die Stele ein Symbol der Verbundenheit toleranter Menschen sein, so der Schulleiter im FR-Gespräch: „Insbesondere Schulen sollen dadurch vernetzt werden.“ Die Partnerschulen des Oberstufengymnasiums in Kfar Saba (Israel) und Moskau etwa planten bereits, ebenfalls Stelen aufzustellen, betont Nehrbaß. „Davor müssen allerdings noch einige Formalitäten sowie finanzielle Fragen geklärt werden“, ergänzt er.
Die Finanzierung des Werkes vor der Carl-von-Ossietzky-Schule hat der Förderverein „Stele für Wiesbaden“, das Netzwerk für Toleranz, übernommen. Rund 6000 Euro habe die Stele gekostet – „das sind hauptsächlich die Materialkosten“, erläutert Frieder Schwitzgebel vom Netzwerk für Toleranz. In das Glassegment am Sockel der Stele ist der Leitsatz der 1995 von den Mitgliedsländern der Unesco verabschiedeten „Erklärung der Prinzipien der Toleranz“ eingraviert.
Schwitzgebel hofft, dass die auffällige Stele nicht nur als Denkmal gesehen wird: „Sie sollte vielmehr ein Denk-mal-dran sein“ und immer wieder an Toleranz erinnern.
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