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Job mit Gaumenkitzel: Der anonyme Tester

Arash Jamali möchte nicht, dass wir sein Bild veröffentlichen. Er möchte inkognito bleiben. Denn der gebürtige Perser ist Restaurant-Tester. Er schaut Köchen und Gastronomen auf die Finger und in die Kochtöpfe.

Hähnchenkeule und Ragout von Frühlingsgemüse mit Kartoffeln.
Hähnchenkeule und Ragout von Frühlingsgemüse mit Kartoffeln.
Foto: ddp

Wenn Arash Jamali in einem Café sitzt, schlürft er seinen Kaffee nicht einfach so weg. Meist ist er im Auftrag anderer da. Dann achtet er genauestens darauf, wie der Milchkaffee ist, ob die Tasse warm und der Löffel sauber sind.

Jamali hat eine Beratungsfirma für Hotels und Restaurants. Er macht das, was Sternekoch Christian Rach im Fernsehen als „Rach, der Restauranttester“ bei RTL oder Unternehmensberater Stefan Hagen bei „Hagen hilft!“ bei Kabel 1 machen. Jamali: „Wir sind eine Mischung aus beidem.“

Der 38-Jährige ist gelernter Koch, Industriekaufmann und Betriebswirt. Vor einigen Monaten hat er seinen Bachelor-Abschluss in Wirtschaftsrecht gemacht, der Master soll folgen.

Seit 1996 lebt der gebürtige Perser, der in Bonn aufwuchs, in Wiesbaden. Hier führte er insgesamt fünf Imbisse, Kioske und Restaurants. 2007 aber verkaufte Jamali, der zudem Vorsitzender der Wiesbadener Initiative Westend ist, all seine Geschäfte und machte sich selbstständig.

Zusammen mit vier Mitarbeitern und zahlreichen Honorarkräften prüft er seitdem gastronomische Betriebe in der Region. Dies sind entweder Eigenaufträge, dass also der Eigentümer eines Restaurants zum Beispiel wissen möchte, wie seine Mitarbeiter im Service sind, oder Fremdaufträge. Letztere sind unter anderem dann der Fall, wenn ein Hotel das verpachtete Restaurant testen lässt, um zu wissen, ob es seinen Gästen das Lokal empfehlen kann.

Fortbildung für den Gaumen

Die Aufträge von Restaurants, Hotels und Kleinbetrieben kommen vor allem durch Mundpropaganda zustande. Jeder Kunde habe dabei unterschiedliche Bedürfnisse. So übernimmt Jamalis Unternehmen auch die Suche nach Personal, das Erstellen von Marketing-Strategien, Standortanalysen, Vertrags- und Betriebskontrollen. „Notfalls kann ich auch in die Küche gehen und dem Koch zeigen, wie er einen Rollbraten oder eine Pizzasoße machen soll“, erklärt der gelernte Koch.

Der spannende Teil liegt aber in der Recherche vor Ort: Ausgewählte Tester essen in den Restaurants und beurteilen diese. Dafür erhalten sie Fortbildungen des Gaumens. „Wer eine Crème brûlée beurteilen soll, muss erst einmal eine richtig gute gegessen haben“, erklärt Jamali. Beim Testen kommt es vor allem auf Anonymität an. Das ist auch der Grund, weshalb Jamali kein Foto von sich in der Zeitung wünscht und den Namen seines Unternehmens nicht unbedingt publik machen möchte. „Denn wenn Gastronomen mich erkennen, geben sie sich besondere Mühe, was dann natürlich nicht mehr seriös ist“, sagt Jamali. Dennoch gebe er den Betrieben häufig die Chance, ihr Bestes zu zeigen, indem er vorher unter Pseudonym reserviere und dabei deutlich mache, dass er etwas besonders Gutes wünsche. Wenn beim Test etwas schiefläuft, gibt es einen Zweittest, um die Beurteilung zu sichern.

Woran erkennt man denn nun ein gutes Restaurant? Für Jamali ist das erste Indiz die Speisekarte: „Optimum ist eine kleine Karte plus Tageskarte mit saisonalen Angeboten.“

Autor:  Verena Schüller
Datum:  19 | 8 | 2010
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