An der in die Schlagzeilen geratenen und vom Land mit rund 60 Millionen Euro großzügig subventionierten European Business School (EBS) wird die Gangart immer härter. Im Streit um intransparente Verquickungen der Schweizer Beraterfirma BrainNet des EBS-Präsidenten Christopher Jahns mit der Hochschule kommen immer neue Details und Vorwürfe ans Licht. Ein Ex-Mitarbeiter beschuldigt Jahns – der seine Ämter mittlerweile ruhen lässt –, dieser habe die Zahlung einer halben Million Euro an BrainNet vornehmen lassen wollen. Jahns ist an der BrainNet Gruppe beteiligt, sitzt im Verwaltungsrat.
Seit Wochen ermitteln die Staatsanwaltschaft Wiesbaden und das Landeskriminalamt gegen den Kopf der Elite-Hochschule wegen des Verdachts der Untreue. Am Donnerstag hatte Jahns mitgeteilt, er werde bis zum Ende der Untersuchungen seine Posten als Präsident und geschäftsführender Vorstandschef ruhen lassen. Ein Drittel der Professorenschaft hatte ihn zuvor zum Rücktritt aufgefordert – in einer öffentlich ausgetragenen Schlacht um wahre und unwahre Behauptungen.
Noch am Donnerstag sorgte eine Rundmail an mehrere Hundert Kollegen der Hochschule für Furore. Besagter ehemaliger Mitarbeiter berichtete, dass er auf „verschiedentliche Dinge“ gestoßen sei, die er sich trotz mehrfacher Nachfragen bei Jahns nicht habe erklären können und wegen der er letztlich gekündigt habe.
Er sieht darin „Machenschaften zum Nachteil der EBS“. Den Aufsichtsrat habe er informiert, dass Jahns „einen Zahlungsplan vorgelegt hat, der im Ergebnis bedeutet, dass die EBS in den nächsten Jahren rund 500.000 Euro an die BrainNet Gruppe zahlen soll“.
Klima der Angst und des Misstrauens
Jahns hatte dem Ex-Kollegen öffentlich Verrat von Interna vorgeworfen. Dagegen verwahrt sich der Mann. Er habe die Öffentlichkeit nicht eingeschaltet, vielmehr den Aufsichtsrat um eine interne Untersuchung gebeten.
Jahns, der alle Vorwürfe stets von sich gewiesen hat, konterte die Rundmail am Donnerstag noch vor Niederlegung seiner Ämter mit Post seinerseits an die Kollegen. Darin bezeichnete er das Schreiben als „abscheulich und für die EBS in höchstem Maße geschäftsschädigend“. Er behalte sich rechtliche Schritte vor.
Unterdessen haben EBS-Aufsichtsrat und -Geschäftsführung Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Herausgabe von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen erstattet. Bei der FR meldeten sich EBS-Mitarbeiter, die von einem Klima der Angst und des Misstrauens berichten. E-Mails würden kontrolliert, Kollegen „bedroht und unter Druck gesetzt“. Fünf Kollegen hätten schon gekündigt.
Jahns ist vorerst nicht mehr Präsident. Er bleibt aber Leiter des von ihm gegründeten Supply Chain Management Institute an der Hochschule, einer Schnittstelle zwischen den Beraterfirmen und der EBS. In der Mitteilung darüber schreibt der Aufsichtsrat, „dass er in Professor Jahns nach wie vor den – von manchen beneideten – Initiator und Motor der erfolgreichen und dynamischen Entwicklung der EBS sieht“.
Hartmut Ferse, Sprecher der Staatsanwaltschaft, kommentiert nicht, ob die Ermittler den neuen Vorwürfen nachgehen. Das Verfahren sei umfangreich, komplex und intensiv. „Wir überprüfen alles, was verdächtig erscheint.“ Der Ex-Mitarbeiter war jedoch zur Vernehmung geladen.
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