Wiesbaden
Berichte und Bilder von allen wichtigen Ereignissen in Wiesbaden

02. August 2012

Erotischer Gottesdienst: "Ich werde vom Poppen sprechen"

„Mut braucht man dazu schon“, sagt Pfarrer Ralf Schmidt, der am Sonntag einen erotischen Gottesdienst hält.  Foto: Bernd Fickert

Frei ab 16: Pfarrer Ralf Schmidt hält am Sonntag den ersten erotischen evangelischen Gottesdienst - und kündigt an, "deftige Worte" zu verwenden. Der Dekan hat es abgesegnet, was er davon hält, wird sich zeigen.

Drucken per Mail
Zur Person

Ralf Schmidt ist 47 Jahre alt und seit zehn Jahren Pfarrer der evangelischen Erlösergemeinde in Kastel.
Der erotische Gottesdienst beginnt am Sonntag, 5. August, um 10 Uhr in der Kirche der Erlösergemeinde am Paulusplatz 5. Er findet anlässlich der „Sommerkirche“ der evangelischen Gemeinden in Amöneburg, Kastel und Kostheim statt, in der es dieses Jahr um die großen Gefühle der Menschheit geht.

Pfarrer Ralf Schmidt lädt am Sonntag zu einem Gottesdienst über Sex und Liebe – der ersten evangelischen erotischen Messe, wenn man den Recherchen des Gottesmannes trauen darf.

Die wichtigste Frage vorne weg: Gibt es am Sonntag in der Kirche Sex, sollen die Besucher vorsichtshalber Kondome mitbringen?
Nein, das wird keine Kultprostitution wie es sie in früheren Jahren in heidnischen Gottesdiensten gab, sondern eine rein geistige Angelegenheit.

Trotzdem ist die Predigt erst für Jugendliche ab 16 Jahren freigegeben. Warum?
Weil ich auch deftige Worte verwenden werde.

Was für deftige Worte? Werden Sie „Penis“ sagen?
Ich werde vom Ficken und Poppen sprechen. Und es wäre nicht gut, wenn die Konfirmanden dann heimkommen und aus dem Zusammenhang gerissen ihren Eltern sagen: Der Pfarrer hat heute vom Ficken und Poppen gesprochen. Sexualität ist eine Schöpfungsgabe Gottes. Ich werde negativ besetzte Worte verwenden, um dann nach schöneren zu suchen.

Ganz praktisch: Wird es Ausweiskontrollen geben?
Ich kenne meine Pappenheimer, ich bin seit zehn Jahren Pfarrer in Kastel. Meine Gemeinde ist von mir solche Dinge auch gewohnt. Und wenn die Teenies kommen, schicke ich sie in den Kindergottesdienst.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine erotische Predigt zu halten?
In der Sommerkirche 2012 geht es um große Gefühle. Entstanden ist das Thema aus dem Unterricht in einer neunten Klasse. Den Schülern war das Thema Liebe zu langweilig, sie wollten wissen, was die Religion zu Sexualität und Erotik zu sagen hat.

Was wollen Sie mit einem solchen Gottesdienst bezwecken?
Für mich liegt der Sinn darin, Sexualität als etwas Menschliches zu zeigen. Der Kirche haftet der Ruf einer Leibfeindlichkeit an. Das will ich ändern. Denn die Bibel hat sehr viel zu Sexualität zu sagen.

Erwarten Sie andere Besucher als sonst?
Ja. Ich erwarte Besucher, die das Thema neugierig macht. Menschen, die einem anderem Gottesdienst fernbleiben würden, weil sie dort nicht hören, was sie interessiert.

Es soll ein Gottesdienst für alle Sinne werden. Sprechen werden Sie für das erotische Organ Ohr. Wie sollen die anderen Sinne erreicht werden?
Es gibt Salbung mit wohlriechendem Öl auf der Stirn. Die Senioren führen meditative Tänze auf, bei denen Besucher mitmachen, sich anfassen und berühren können. Es wird ein roter Teppich ausgerollt und zum Empfang regnet es Rosenblätter von der Empore, die die Haut streicheln. Wir essen beim Abendmahl Brot und trinken Wein. Und es wird ein Bild an die Wand geworfen. Ein erotisches, kein vulgäres Bild.

Ist denn Ärger bei einem solchen Gottesdienst nicht programmiert?
Ich denke Anstoß kann nur jemand nehmen, der am Gottesdienst teilnimmt. Und ich hoffe, wir kommen dann beim anschließenden Brunch ins Gespräch.

Weiß Ihr Vorgesetzter Bescheid?
Der Dekan ist informiert und kennt die Predigt in Auszügen. Ob er sie gut findet – er hat sie zumindest genehmigt.

Das Gespräch führte: Gesa Fritz

Zur Homepage

Jetzt kommentieren

Auf dieser Seite lesen Sie Nachrichten aus Wiesbaden. Aus der Nachbarschaft informieren wir auf den Seiten über die Stadt Mainz und den Main-Taunus-Kreis.

Übersicht

Wir informieren Sie aus der ganzen Region. Nachrichten aus Ihrer Stadt können Sie als Newsfeed abonnieren - klicken Sie bitte auf das orange Symbol.

Frankfurt

Rhein-Main

Bad Homburg, Hochtaunus

Bad Vilbel, Wetterau

Darmstadt

Kreis Groß Gerau

Hanau, Main-Kinzig

Main-Taunus

Offenbach

Kreis Offenbach

Wiesbaden

Anzeigenmarkt
Mainz
Twitter
Umfrage

Die FR möchte auch nach wissenschaftlichen Maßstäben das Gerechtigkeitsempfinden erforschen. Dabei setzen wir auf Sie, liebe Leserinnen und Leser - und Ihre Beteiligung an einer wissenschaftliche Studie der Universität Köln.

Top Stellenangebote
Online-Kataloge
Anzeige
Sonderheft

Die Siebziger sind die Frankfurter Jahre. Von hier aus strahlt in die Republik, was das Jahrzehnt bestimmt: das Aufbegehren der Jugend, der Häuserkampf in und ums Westend, die terroristische Bedrohung der RAF - und die Flügelzange der Eintracht mit Grabowski und Hölzenbein.

FR-Geschichte: 70er Jahre in Frankfurt

Unser Sonderheft blickt zurück, dokumentiert Originaltexte und zeigt das Jahrzehnt in Bildern.

Spezial

Filmhaus, Filmarchiv und Festivals wie "GoEast" und "Exground" - Wiesbaden mausert sich wieder zur Kinostadt.

Spezial

Der Ausbau des Flughafens ist in der Region heftig umstritten. Die FR-Serie informiert über die Landebahn.

ANZEIGE
- Partner